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Neuburg

12.05.2020

Integra kocht in Neuburg Essen für die Seele 

Am Freitag wurde an der Anlieferzone der Küche im Haus der Maschinenringe auf dem Donauwörther Berg das 5000. Essen abgeholt.
Bild: Daniela Hofmann

Plus Die Sozialen Dienste kochen bei den Maschinenringen in Neuburg Essen für erkrankte Menschen. Was das bei den Bekochten bewirken soll.

Normalerweise kochen die angestellten Köche von Integra Soziale Dienste mit den Klienten im Hause der Maschinenringe für deren Belegschaft im Haus. Es ist eines der vielen regionalen Zuverdienstprojekte für Suchtkranke und psychisch kranke Menschen. Doch was ist in diesen Corona-Zeiten normal? So herrscht trotz allem Hochbetrieb, allerdings kein normaler, im Souterrain der Maschinenringe in Neuburg, wo sich die von Integra betriebene Küche befindet. Gekocht wird nämlich nicht für das derzeit geschlossene Betriebsrestaurant und auch nicht mit den Klienten. Seit 18. März kochen die Köche und eine Handvoll weiterer Integra-Mitarbeiter für unter anderem die Klienten, die normalerweise mit ihnen kochen.

Wochentäglich werden rund 150 warme Fleisch- und auch vegetarische Gerichte gekocht, in Mikrowellenbehältern hübsch portioniert, in Warmhalteboxen in kleine Lieferwagen gestapelt und in den Landkreisen Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg und Pfaffenhofen ausgefahren. Das Kochen an sich ist laut Küchenchef Max Sparhuber nicht die Herausforderung gewesen, „obgleich uns unsere Klienten in der Zubereitung schon sehr fehlen!“, wie er sagt. Innerhalb von zwei Tagen mussten Speise- und Routenplane sowie Einkauf und Arbeitszeiten so umgestellt werden, dass bereits um 11 Uhr täglich alle Essen verpackt und verteilt in die richtigen Richtungen fahren können. Die den einzelnen Regionen zugeteilten Essen werden an einem jeweils zentralen Ort abgeliefert, von wo aus die pädagogischen Mitarbeiter der sozialen Einrichtung die Essen für ihre Klienten in ihre kleinen Fahrzeuge packen und sie diesen einzeln vor die Wohnungstür bringen.

Durch Corona kam bei Integra vor allem das Soziale mit den Klienten zu kurz

Anfangs mussten auch die Sozialarbeiter sehr streng mit physischer Distanz arbeiten. Deshalb kam die alltägliche Versorgung durch Gesellschaft, Begleitung, Austausch im direkten Kontakt und der Aufenthaltsqualität in den von Integra betriebenen Tagesstruktur- und Zuverdienstwerkstätten zu kurz. Deshalb kamen hier nun kreative Lösungen ins Spiel.

Die Hauptaufgabe der sozialen Einrichtung ist grundsätzlich nicht die Essensversorgung. Allerdings ist eine Ressource in eine Form des Umsorgens und der Fürsorge erkannt und genutzt worden. Denn um den seelisch verwundbarsten Menschen, um die es hier geht, ein möglichst hohes Maß an Grundversorgung sowie physischer und psychischer Stabilität zu gewähren, haben sich die beiden Geschäftsführer Marianne Schlamp und Dieter Moosheimer zu unbürokratischer und pragmatischer Hilfe für die Schützlinge entschlossen und die Mitarbeiter haben dies in kürzester Zeit umgesetzt.

Dies geschah tatsächlich in vollem Bewusstsein einer nicht refinanzierten Hilfestellung, „aber wir haben schnell begriffen, dass wir hier richtig handeln müssen“, so Marianne Schlamp. Hierbei ging es in erster Linie seit dem ersten Lockdown darum, „unseren seelisch erkrankten Menschen einen Service zu gewähren, der ihnen ein höchstes Maß an Freude, ein wenig Tagesstruktur und einen emotionalen wie physischen Tageshöhepunkt verleihen kann“. Dieser Dienst kam vor allem den Klienten zu, die es aufgrund ihres Erkrankungsbildes und ihrer Lebensform besonders zu schützen galt.

Mittlerweile hat Integra von der Maschinenring-Küche aus über 5000 Essen ausgeliefert

Am Freitag nun wurde das 5000. Essen aus der Anlieferzone der Küche im Maschinenringgebäude abgeholt. Da die Ausgangsbeschränkungen und die Corona-Lage derzeit wieder mehr Kontakte und Möglichkeiten zulassen, konnten seit dieser Woche viele Essen reduziert werden. Dies vereinfacht die Logistik und auch die finanzielle Belastung für die Einrichtung. Mit großer Freude konnte zudem ein ganz rascher und auch enormer Zuschuss von 4000 Euro einer überregionalen Bank auf dem Integra-Konto verbucht werden.

„Wir arbeiten derzeit auf viele Arten über unsere Grenzen hinaus, damit die Menschen, für die wir hier stehen, mit uns erst mal diese schwere Krise überleben. Und ums Überleben geht es tatsachlich bei unseren sucht- wie psychisch kranken Menschen, bei denen Einsamkeit, Depression und Hilflosigkeit in dieser unbeschreiblichen Situation definitiv den Lebenswillen bedrohen. Aber wir schaffen das mit ihnen, das wissen wir ganz sicher. Nicht nur mit gutem Essen, aber auch!“, erklären schmunzelnd Schlamp und Moosheimer. (nr)

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