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Neuburg

29.01.2020

Kreishandwerker: Putin schlägt Hans Mayr – aber nur knapp

Gastgeber Hans Mayr begrüßte viele Ehrengäste, allen voran Staatsministerin Kerstin Schreyer (am ersten Tisch rechts).
Bild: Julia Abspacher

Plus Die Kreishandwerkerschaft und Bauinnung bekommen von Söder-Vertreterin Kerstin Schreyer zu hören, was sie hören wollen. Was die Ministerin sonst noch sagt.

Da musste sich auch ein Hans Mayr, der beste Kontakte nach München und sonst wohin pflegt, ehrenvoll geschlagen geben. Ministerpräsident Markus Söder konnte seine Zusage, beim Neujahrsempfang von Kreishandwerkerschaft und Bauinnung im Neuburger Residenzschloss zu sprechen, doch nicht einhalten.

Die kurzfristige Einladung von Wladimir Putin zum Besuch in Moskau ging vor. Auch wenn Neuburg, was das Ambiente angeht, durchaus hätte mithalten können; die Große Dürnitz im Renaissance-Schloss steht einem Konferenzraum im Kreml an bauhistorischem Wert wohl kaum nach. An Wertigkeit für Neuburg und seine verkehrstechnische Infrastruktur stand auch die Vertreterin Söders, Staatsministerin Kerstin Schreyer, dem Moskau-Reisenden nicht wirklich nach.

THI-Präsident Walter Schober (links) zeigt sich aufgeschlossen für die Idee einer künftigen Stiftungsprofessur im Campus Neuburg.
Bild: Julia Abspacher

Die CSU-Ressortchefin ist noch ein paar Tage für Soziales verantwortlich, ab dem 6. Februar aber wird sie die Verantwortung für Bau, Wohnen und Verkehr tragen – ein für erfolgreiche Zukunft vieler Handwerksbetriebe entscheidendes Ministerium. Denn eine überlastete Infrastruktur mit nur einer Donau-Überquerung in Neuburg und einer gelinde gesagt mäßigen Straßen-Anbindung an Ingolstadt, München oder Augsburg, bedeutet für die mit vollen Auftragsbüchern gesegneten Handwerker immer wieder Verdruss. Im Stau verlorene Stunden auf einer fast chronisch überlasteten Brücke oder im trägen Vorwärtskommen auf der B16 kosten Zeit Nerven - und Geld.

Hans Mayr führt vor Augen, was die Region braucht

Kreishandwerksmeister Hans Mayr und Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling führten der Ministerin eindringlich vor Augen, was unsere Region für ihre Entwicklung, nicht nur im Handwerk, sondern für alle Bürger und die Wirtschaft insgesamt braucht. Gmehling sagte: „Keine Große Kreisstadt in Bayern hat nur eine einzige Flussüberquerung, auch viele kleinere Orte können den Verkehr über mehrere Brücken entzerren und damit viel Lärm und Abgase vermeiden. Und außer Neuburg muss auch keine Große Kreisstadt bisher auf eine Ortsumfahrung verzichten.“ Das Handwerk habe durchaus goldenen Boden, aber es brauche eine gute Infrastruktur, sonst werde die Entwicklung gebremst, zum Schaden aller. Hans Mayr meinte unter großem Beifall: „Es wurde schon viel gesprochen, aber es geht zu langsam. Neuburg ist verkehrstechnisch abgehängt, Donauwörth hat direkte Anbindung mit einer vierspurigen Bundesstraße, wir müssen uns mit einer unzulänglichen B16 abquälen.“

Eingeladen als Dankeschön für ihr ehrenamtliches Wirken: Neuburger Feuerwehrler mit Kerstin Schreyer und Hans Mayr.
Bild: Julia Abspacher

Jetzt endlich tue sich etwas bei der B16, so der Kreishandwerksmeister weiter, „es muss auch endlich was gehen, ich setze da auf die geballte Kraft unserer Leute in München“. Das berühmte Max-Weber Zitat von der (Kommunal-)Politik als „beharrliches Bohren dicker Bretter“ bemühte Mayr auch beim Zukunftsprojekt des Campus Neuburg. Auch da komme es auf Geduld und Hartnäckigkeit an. „Der erste Vorstoß in München für einen Campus in Neuburg datiert aus dem Jahr 2002, damals mussten wir uns anhören, Neuburg würde nie Hochschulstandort. Das hat uns gewurmt, aber wir haben nie aufgegeben.“

Mit der Geduld tun sich Mayr, Gmehling und viele andere aber schwer, wenn sie auf die ewigen Verhandlungen zwischen den Immobilien-Gesellschaften von Bund und Land über das Grundstück für den Campus denken. Mayr dazu: „Frau Ministerin, heizen Sie denen mal richtig ein, damit es mit dem Grunderwerb vorwärtsgeht“. Schreyer quittierte diese Aufforderung mit einem freundlichen Nicken, es scheint Hoffnung zu geben.

Hans Mayr wünscht sich zukunftsträchtige Studiengänge

Wenn der THI-Campus in Neuburg Wirklichkeit ist, wünscht sich Mayr zukunftsträchtige Studiengänge, die auch für das Handwerk einen Innovationsgewinn bringen – und am liebsten auch eine Stiftungs-Professur in Neuburg. Die Handwerkskammer könnte sich da beteiligen, auch Firmen im Raum Neuburg, den Hochschulrat hat Mayr schon auf die Idee angesprochen. THI-Präsident Walter Schober sagte gegenüber unsere Zeitung, er sei da sehr aufgeschlossen. Ludwig Schlosser, ehemals Vorstand-Chef von VIB Vermögen und Mitglied des Hochschulrats der Technischen Hochschule Ingolstadt, könnte für Mayrs Idee ein wichtiger Unterstützer sein, auch wenn die Entscheidung eines Engagements von VIB nun nicht mehr bei ihm liegt.

Kerstin Schreyer sicherte Neuburg zu, alle Zusagen des jetzigen Verkehrsministers Hans Reichart für die Höchstförderung des Freistaates zum Projekt zweite Donaubrücke und Ortsumfahrten einzuhalten. Gleiches gilt für den möglichst zügigen Verlauf des aufwendigen Planungsverfahrens. „Wir stehen weiter fest an Ihrer Seite, meiner Unterstützung dürfen Sie sicher sein“. Was die von Neuburg gewünschte Aufnahme des Projekts in den neuen Staatsstraßen-Verkehrsplan angeht, äußerte sich Schreyer etwas vorsichtiger. Sie will ihr Möglichstes tun. Aber es ist klar, dass viele Projekte in ganz Bayern in diesen Plan aufgenommen werden wollen, die Konkurrenz ist groß. Für Neuburg wäre eine Übernahme des Straßenunterhalts durch den Freistaat auf lange Sicht eine große finanzielle Entlastung.

Allen Handwerksbetrieben und ihren Mitarbeitern dankte Schreyer für ihren Einsatz, gerade auch bei der Ausbildung junger Leute. „Sie stehen zur Jugend, sie bilden aus und übernehmen die Auszubildenden dann auch, das ist hoch anzuerkennen. Und Sie leisten dabei oft genug noch Hilfe zur Erziehung, die manche von zu Hause nicht so richtig mitbekommen haben.“ An dieser Stelle war der Beifall der zahlreichen Gäste im historischen Gemäuer mit am größten.

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