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Nördlingen

11.07.2020

Das Landwirtschaftsamt in Nördlingen verliert seine Eigenständigkeit

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen verliert seine Eigenständigkeit und wird mit dem AELF Wertingen fusionieren.
Bild: Robert Milde

Plus In der Nördlinger Behörde wird es durch die geplante Fusion mit Wertingen personelle Veränderungen geben. Vor allem Politiker der Region sehen die Entwicklung mit Sorge.

Die Neuordnung der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung, die Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) diese Woche angekündigt hat, wird auch am Nördlinger Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten nicht spurlos vorübergehen. Die Behörde in der Oskar-Mayer-Straße bleibt als Standort zwar erhalten, wird aber mit dem Landwirtschaftsamt Wertingen (Landkreis Dillingen) zusammengelegt.

Das Reformvorhaben sieht vor, bayernweit 30 Ämter zu 15 sogenannten Verbundämtern zusammenzulegen. Dadurch wird es ab Oktober 2020 nur noch 32 anstatt bisher 47 Landwirtschaftsämter geben. Laut Ministerin Kaniber betrifft die Zusammenlegung vor allem die Behördenleitungen. 15 Amtsleiterposten werden aufgelöst, dafür soll es mehr Beratung vor Ort geben. „Der Landwirt hat künftig viel bessere Möglichkeiten, an seinem Amt genau den Berater vorzufinden, den er ganz explizit für seine Fachbereiche braucht“, so die Ministerin nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts am Dienstag.

Der Nördlinger Amtschef Manfred Faber sagte gegenüber unserer Zeitung, er kenne bis jetzt nur die Grundzüge der Strukturreform, die vom Ministerium veröffentlicht worden seien. Über weitere Details könne er noch keine Auskunft geben. Personelle Veränderung gebe es allerdings nicht nur im Bereich der Behördenleitung, sondern auch auf Ebene der Bereichs- und Abteilungsleitungen. Ein künftiges „Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Nördlingen-Wertingen“, so die Bezeichnung, werde nur noch einen Bereichsleiter Forsten (bisher zwei), einen Abteilungsleiter Förderung (bisher zwei) und einen Abteilungsleiter Beratung und Bildung (bisher zwei) haben, so Faber.

Landwirtschaftsamt in Nördlingen verliert Eigenständigkeit

Zudem komme es im Zuge der Reform zu einer Auflösung des Fachzentrums für Diversifizierung und Strukturentwicklung, zu dem der Bereich Leader (europäisches Förderprogramm zur Stärkung des ländlichen Raumes) gehöre. Eine Leader-Beratung solle es jedoch weiterhin in Nördlingen geben. Die Abwicklung der einzelnen Leader-Programme wandere nach Kempten, teilte Faber mit.

Wie die Praktiker die Reformpläne aus München sehen, darüber sprachen die Rieser Nachrichten mit dem Kreisobmann des Bauernverbandes, Karlheinz Götz. „Dass es eines Tages eine Reform in der Landwirtschaftsverwaltung geben wird, hat uns nicht überrascht“, meinte Götz. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Betriebe immer weiter zurückgehe, weil die Rahmenbedingungen für die Landwirte immer schwieriger würden.

Möglicherweise sei dies nur ein erster Schritt, dem weitere folgen könnten. Dennoch: Götz befürchtet zunächst keine unmittelbar negativen Auswirkungen für die Landwirtschaft im Landkreis Donau-Ries durch die Veränderungen im Nördlinger Landwirtschaftsamt. Die Beratung soll laut Aussage von Ministerin Kaniber bleiben und sogar gestärkt werden. Und die Förderanträge erledigten die meisten Berufskollegen inzwischen online. „Ich denke, die Mitarbeiter des Amtes weisen wie bisher auf mögliche Fehler bei der Antragstellung hin oder geben uns Tipps.“ Götz vermutet darüber hinaus, dass die Behördenleitung künftig in Wertingen angesiedelt werde.

Wittner: "große Sorge" wegen der Reformschritte

Auch Vertreter der regionalen Politik haben die angekündigten Reformschritte auf den Plan gerufen. Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner bereitet das künftige Verbundamt Nördlingen-Wertingen „große Sorge“. In einem Schreiben an Landwirtschaftsministerin Kaniber weist er auf die große Bedeutung des Nördlinger Amtes für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region hin. Er appelliert an Kaniber, das Amt nicht zu schwächen, sondern vielmehr mit der Leitung des neuen Verbundes zu betrauen. Wittner begründet dies damit, dass Nördlingen für weit mehr landwirtschaftliche Flächen und Betriebe zuständig sei, als Wertingen.

Ebenso skeptisch sieht der CSU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler die Pläne. „Diese sind für mich in verschiedener Hinsicht bitter“, betont Fackler. Die neuen Strukturen bildeten das Höfesterben in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen ab und seien durch die jährlich sinkende Zahl der Landwirte mit angestoßen worden. „Positiv ist wenigstens, dass alle Standorte erhalten bleiben. Schließlich haben Behörden gerade für den ländlichen Raum eine große Bedeutung.“ Zudem gehe es um das Selbstverständnis als Behördenstandort der Großen Kreisstadt Nördlingen.

Darüber hinaus spielt für Fackler in seiner Funktion als Vorsitzender des Landtagsausschusses für Fragen des Öffentlichen Dienstes die Perspektive der Beschäftigten eine wichtige Rolle. „Auch wenn es keine Stellenstreichungen geben soll, sind Umstrukturierungen in den Aufgaben und Hierarchien möglich. Dies führt zu Unsicherheiten, gerade in der momentan schwierigen Zeit.“

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