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Donau-Ries

18.04.2017

Rätselhafter Staub in Harburg: Jetzt soll die Herkunft geklärt werden

Bevor die Messstationen in Harburg abgebaut wurden, haben Willi Mayrock (links) und Jürgen Seitz vom Landesamt für Umwelt (LfU) Augsburg letztmals die erfassten Daten ausgelesen. Bis diese insgesamt ausgewertet sind, wird wohl ein halbes bis dreiviertel Jahr vergehen.
Bild: Wolfgang Widemann

Ein hartnäckiger Niederschlag verärgerte vor eineinhalb Jahren die Bewohner Harburgs. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, woher dieser kam. Das könnte sich bald ändern.

Rau und grau war die Schicht, die 2015 von September bis November in Harburg für große Aufregung sorgte. Der Niederschlag lagerte sich auf Fenstern, Dächern und Autos ab. Wegzubekommen war er kaum. Versuchte man es trotzdem, blieben zumeist gravierende Schäden am Lack zurück. Auch Photovoltaikanlagen waren von dem Staub betroffen. Dieser beeinträchtigte den Wirkungsgrad der Kollektoren enorm, die daraufhin kostspielig gereinigt werden mussten.

Stammt der Staub von örtlichen Zementwerk?

Gut eineinhalb Jahre nach den mysteriösen Niederschlägen steht noch immer nicht zweifelsfrei fest, wer für das Ärgernis verantwortlich war. Viele Harburger hatten das dort ansässige Zementwerk Märker in Verdacht. Und tatsächlich zeigten Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg Übereinstimmungen zwischen den lästigen Ablagerungen und Proben aus dem Zementwerk. Eigens eingeschaltete Umweltingenieure konnten bei Märker allerdings weder Defekte noch offensichtlich undichte Stellen ausmachen.

Diese für alle Beteiligten unbefriedigenden Ergebnisse veranlasste das Landratsamt im März des vergangenen Jahres dazu, die allgemeine lufthygienische Situation in Harburg zu untersuchen. Zu diesem Zweck schaltete sich erneut das LfU ein und installierte an mehreren Orten in der Stadt Messstellen. Auch ein Windmast kam zum Einsatz, der exakt dokumentieren sollte, wann der Wind aus welcher Richtung kommt.

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Messgeräte waren unter anderem im Märker-Park, in der Nähe der katholischen Kirche sowie auf der Anhöhe westlich um Harburg angebracht. Diese sollten vor allem die Hintergrundbelastung messen, also abseits der Stadt, um aussagekräftige Vergleichswerte zu haben.

Die Messungen, die auf die Dauer eines Jahres angesetzt waren, endeten vergangene Woche planmäßig. Hierzu haben zwei Mitarbeiter des LfU, Willi Mayrock und Jürgen Seitz, letztmals vor Ort Daten ausgelesen und die Messgeräte anschließend abgebaut. „Die Staubfilter wurden seit Beginn der Messung 14-tägig gewechselt“, erklärten die beiden Experten. Zudem seien an der meteorologischen Station auf der Wiese neben der alten Turnhalle die permanent aufgezeichneten Daten etwa alle zwei bis drei Monate ausgelesen worden.

Die Messgeräte des Landesamtes für Umwelt sammeln Stichproben der Harburger Luft, um Rückschlüsse über deren Staubgehalt ziehen zu können.
Bild: Wolfgang Widemann

Mehr als 100 Beschwerden über Staub-Ablagerungen

Auch während die Messungen andauerten, hielt das Landratsamt die Bewohner Harburgs an, weitere Ablagerungen und Niederschlag wie bislang zu melden. Die Anzahl der Beschwerden lag 2015 im dreistelligen Bereich. Mittlerweile gingen die Meldungen aber zurück, wie Achim Frank, Büroleiter im Landratsamt Donau-Ries, konstatiert: „Aktuell liegen uns keine Beschwerden in Bezug auf Staubniederschlag vor. Seit gut einem Jahr ist die Zahl der Meldungen deutlich abgeflacht und damit deutlich geringer als noch im Jahr 2015.“

Woher der rätselhafte Staub kommt, der sich in Harburg unter anderem auf Autos legte, ist nicht klar.
Bild: dz

Auch das Zementwerk Märker selbst stellte Untersuchungen an, um dem Grund für den hartnäckigen Niederschlag nachzugehen. Bis heute wehrt sich das Unternehmen gegen die Vorwürfe, für die Ablagerungen verantwortlich zu sein. Dazu nahm die Firma eigene Proben und stellte Messungen an. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Hans-Jürgen Leitner, Leiter für Umweltschutz und Immissionsschutzbeauftragter der Firma, dass die Messungen von Märker natürlich nicht so aufwendig seien, wie die des LfU. Deshalb seien die Ergebnisse nicht direkt vergleichbar. Aus diesem Grund wolle man zunächst abwarten, was das LfU herausfindet.

Ergebnisse der Messungen gibt es frühestens in sechs Monaten

Bis dieses die Ergebnisse der Messungen präsentiert, kann es noch einige Zeit dauern, wie Claus Hensold, Pressesprecher des LfU, weiß: „Die Aufzeichnungen müssen natürlich erst analysiert werden, bevor man etwas sagen kann.“ Mit den Ergebnissen sei frühestens in einem halben bis dreiviertel Jahr zu rechnen. Ob diese dann letztlich klären können, wer für den Ärger vor eineinhalb Jahren verantwortlich war, bleibt abzuwarten. Der Staubniederschlag wird Harburg also noch einige Monate Rätsel aufgeben.

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