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Landwirtschaft
28.05.2021

Deutsches Ebersperma ist ein Exportschlager

Karl-Friedrich Müller, Leiter der Besamungsstation Abstetterhof der Besamungsunion Schwein, fängt in einer Absambucht Ejakulat eines Ebers auf.
Foto: Marijan Murat, dpa

Ebersperma aus Deutschland ist international gefragt. Die hohen Qualitätsansprüche hierzulande sind nicht der einzige Grund dafür.

Wie Ebersperma gewonnen wird, kann sich jeder anschauen: Auf Youtube präsentiert die Besamungsunion Schwein nicht nur Eber online, sondern gibt unter dem Account "Ferkelväter" auch Einblicke hinter die Kulissen. In sogenannten Absambuchten fangen die Mitarbeiter der Eberstationen das Sperma in speziellen Beuteln auf. 300 Milliliter bis zu einem Liter pro Ejakulat können das sein, wie Raffael Wesoly von der Besamungsunion Schwein erklärt.   

Per Rohrpost geht das Sperma ins Labor und wird gewogen. Unter dem Mikroskop werden die Spermien untersucht, etwa wie sie sich bewegen. Dann wird das Ejakulat verdünnt und maschinell portioniert. Die Verdünnung ist nötig, um das Sperma über Tage haltbar zu machen. "Wenn Sie nichts tun, ist das nach 30 bis 60 Minuten tot", erklärt Wesoly. Das Geschäft mit Schweinesperma erfolgt auf hohem Niveau, was Technik und Hygiene angeht. Und es wird immer internationaler.

Eber-Ejakulat ist in der Besamungsstation Abstetterhof der Besamungsunion Schwein in einem Monitor eines Mikroskops zu sehen.
Foto: Marijan Murat, dpa

Seit 2018 beliefert die Besamungsunion Schwein mit Sitz in Stuttgart Kunden in Polen und Tschechien. Rund 14.000 Tuben je Monat seien das inzwischen, sagt Wesoly. Ein weiterer Anbieter neben den Stuttgartern ist eine Firma aus Dahlenburg im Kreis Lüneburg, die Bundes Hybrid Zuchtprogramm (BHZP) GmbH. Sie setzt auf Märkte in Spanien und Italien, aber auch Osteuropa wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn, wie Geschäftsführer Stephan Welp sagt. Von 1,6 Millionen Spermaportionen im vergangenen Jahr sei knapp ein Zehntel exportiert worden. "Der Hauptmarkt allerdings ist und bleibt Deutschland."

Deutsche Züchter achten bei der Auswahl auch auf das Sozialverhalten der Schweine

Die Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS), mit der auch die Besamungsunion Schwein zusammenarbeitet, exportiert Ebersperma laut Henrike Renner in Eurasien. "Der höchste Anteil geht in benachbarte Länder wie die Niederlande, Belgien, Dänemark." Die Firma aus Ascheberg im Münsterland hat eigene Ansprechpartner für diese Länder sowie für Süd- und Osteuropa. Etwa zehn Prozent des GFS-Spermas gingen ins Ausland, so Renner, rund 400.000 Spermaportionen. "Damit können etwa 200.000 Sauen besamt werden."

Ein Eber geht nach der Absamung in der Besamungsstation Abstetterhof der Besamungsunion Schwein, in seinen Stall zurück.
Foto: Marijan Murat, dpa

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass deutsches Ebersperma immer mehr zum Exportschlager wird. Deutsche Genetik sei wegen ihrer hohen Qualität weltweit gefragt, sagt Welp vom BHZP. Während in Ländern wie Nordamerika oder Asien vorrangig biologische und ökonomische Faktoren im Vordergrund stünden wie eine hohe Futtereffizienz zur Ressourcenschonung, legten hierzulande Züchter mehr Wert auf Merkmale wie das Sozialverhalten der Tiere, weniger Verluste oder auch eine Verbesserung von Qualitätskriterien wie mehr Fett im Fleisch.

Gerade aus Osteuropa sei die Nachfrage zudem hoch, weil dort die Afrikanische Schweinepest stark grassiert und den Hausschweinbestand verkleinert habe, sagt Welp. "Das wird wieder aufgebaut werden." 

Tierhaltung in der Kritik: In Deutschland selbst sinkt die Nachfrage nach Ebersperma

Die Ausdehnung des Auslandsgeschäftes folge auch einer sinkenden Nachfrage hierzulande. Welp beispielsweise geht von Rückgängen von 5 bis 10 Prozent im Inland aus, auch weil in Deutschland Tierhaltung in der Diskussion stehe. Verbraucher änderten ihr Kaufverhalten. Halter müssten aufgrund hoher Auflagen Ställe mit erheblichen Investitionen umbauen. Für manche lohne sich dann das Geschäft nicht mehr, so Welp. "Gerade die Umsetzung der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird viele Betriebe zur Aufgabe zwingen." 

Die Zahl schweinehaltender Betriebe ist im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt auf 20.500 gesunken - und damit seit 2019 um 3,3 Prozent oder rund 700 Betriebe. Sie halten knapp 26 Millionen Tiere, ein Minus von rund 65.100 Schweinen oder 0,3 Prozent. Auch die Zahl nur der Sauen sinkt Wesoly zufolge seit Jahren.

In der Besamungsstation wird Ebersperma gewonnen und für den Verkauf vorbereitet.
Foto: Marijan Murat, dpa

Alle Anbieter betonen auch die hohen Standards bezüglich der Biosicherheit und der genetischen Qualität der Eber. Immer wieder werde an Verbesserungen geforscht. "Was Sperma angeht, ist "Made in Germany" immer noch ein Werbeargument", sagt Wesoly. Wobei Welp betont, dass auch in anderen Ländern wie Brasilien hohe Ansprüche gelten. "Wir sollten uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen."

Fast alle Ferkel stammen inzwischen aus künstlicher Besamung

Die Besamungsorganisationen im Bundesverband Rind und Schwein haben inzwischen rund 2,5 Millionen Euro in Reproduktionsforschung investiert. Es gibt unter anderem Praxisanleitungen für den optimalen Besamungszeitpunkt und zur Spermakonservierung. Darüber hinaus würden neue Verfahren zur Spermabeurteilung entwickelt, um etwaige Qualitätsmängel frühzeitig erkennen zu können. Die im Verband organisierten Mitglieder verpflichteten sich auch zu regelmäßigen Kontrollen durch die Tierärztliche Hochschule Hannover und das Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow.

Der Verband schätzt die Zahl der Eber auf Schweinebesamungsstationen in Deutschland auf rund 5000. Nahezu sämtliche Ferkel stammten heutzutage aus künstlicher Besamung, erklärt Sprecher Klemens Schulz.

Um Inzucht zu verhindern, müssten die Eber alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden, sagt Wesoly. "Je älter er wird, desto besser wird das Sperma." Und abhängig von der Rasse unterscheide sich auch das Ejakulat. So könne es zum Beispiel rein nach der Menge zwar vergleichsweise wenig sein, aber aufgrund vieler Spermien sehr dicht. Um die 40 Portionen ließen sich daraus im Schnitt abfüllen, die dann - je nach Eberart - für 3 bis 20 Euro pro Stück verkauft würden. (Marco Krefting, dpa)

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