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Die katholische Kirche sollte sich von Maria 2.0 inspirieren lassen

Kommentar Von Daniel Wirsching
20.02.2021

Die katholische Kirche ist oft unfähig zu Reformen, braucht immer wieder Anstöße. Zum Beispiel von den Frauen der Initiative Maria 2.0 -auf die sie hören sollte.

Es gibt auch gute Nachrichten aus der katholischen Kirche. Wie die, dass engagierte, gläubige Frauen unablässig für eine bessere Kirche kämpfen. Die Initiative Maria 2.0 nahm 2019 in Münster ihren Anfang, kürzlich bildete sich in München eine Gruppe. Trotz Gegenwinds aus katholisch-konservativen Kreisen sind diese Frauen – und mit ihnen viele andere – nicht mehr zu überhören.

Auch wenn die Bewegung, die sich unter anderem für die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern der Kirche einsetzt, klein und zerstreut ist – sie hat bereits große Wirkung entfaltet. Frauen wollen sich nicht länger als Bittstellerinnen fühlen, sie stellen Forderungen. Nicht um der Amtskirche, diesem Männerklub, zu schaden. Sondern um sie „menschlicher“ zu machen. Die Frauen von Maria 2.0, die sich am Wochenende erneut bundesweit mit Aktionen Gehör verschaffen werden, zählen zur treuesten Mitglieder-Gruppe der Kirche und ermöglichen durch ihr Engagement Gemeindeleben vielerorts überhaupt erst. Selbst sie jedoch fragen sich, was sie noch hält – bei all dem Grauen, das immer wieder zutage trete. Auszutreten wäre deutlich leichter und ist doch keine Option für diese Frauen.

Die katholische Kirche bricht in atemberaubend schnellem Tempo auseinander

Nun mahlen die sprichwörtlichen Mühlen der katholischen Kirche extrem langsam und haben schon die Hoffnungen so vieler auf Veränderung pulverisiert. Dennoch ist weder das Ringen innerkirchlicher Bewegungen um Reformen noch das von Missbrauchsopfern um Aufklärung, Aufarbeitung und Gerechtigkeit vergebens: Ohne Druck von innen wie außen zeigt sich die Kirche weitgehend unfähig zu Reformen.

Dazu genügt ein Blick auf ihren Umgang mit Skandalen, vor allem mit dem Missbrauchsskandal. Der Kölner Kardinal Woelki, der ein unabhängiges Missbrauchsgutachten unterdrückt, zerstört gerade die letzten Reste an „moralischer Führerschaft“, die die Kirche sonst für sich reklamiert.

Sie befindet sich in einer historischen Umbruchphase. In Deutschland bricht sie in atemberaubend schnellem Tempo auseinander: An der Spitze herrscht Uneinigkeit, an der Basis herrschen Wut oder Gleichgültigkeit. Das Kölner Amtsgericht musste jüngst die Zahl der Termine zum Austritt aufstocken.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki - wegen ihm treten gerade viele Katholiken aus der Kirche aus.
Bild: Federico Gambarini/do/dpa

Nächste Woche sprechen die Bischöfe bei ihrer digitalen Frühjahrs-Vollversammlung auch über „Kirchenaustritte und Kirchenverbleib“. Umso unverständlicher, dass mancher von ihnen unverdrossen glaubt, seine Institution habe schon ganz andere Zeiten überstanden. Die angebrachte Reaktion wäre, Kritikern sehr genau zuzuhören und ihnen dankbar zu sein. Etwa den Frauen von Maria 2.0, denen die katholische Kirche im Unterschied zu Millionen anderen nicht egal ist.

Der Kölner Kardinal Woelki zerstört gerade die letzten Reste an Glaubwürdigkeit

Auch ihnen ist es zu verdanken, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Sätze wie diesen (noch etwas holprigen) sagte: „Die Thematik Frau in der Kirche ist die dringendste Zukunftsfrage, die wir haben.“ Oder dass mehr Führungspositionen in der Kirche mit Frauen besetzt werden. Oder dass das Erzbistum München und Freising sich verstärkt um geschlechtergerechte Sprache bemüht und sogar genderte, als es vor kurzem von „Kirchenmusiker*innen“ schrieb.

Das ist nicht nichts. Es wird aber weitaus mehr Katholikinnen und Katholiken brauchen, die nicht nur an Gott glauben, sondern auch daran, dass ihre Kirche Zukunft hat. Eine, in der beispielsweise Frauen den Platz in ihr finden, der ihnen als – so Bätzing – „Repräsentantinnen Christi in der Welt“ in einer modernen Gesellschaft zukommt. Die Rolle der Bittstellerinnen ist das nicht. Die Gottesmutter Maria möge ihnen und der Kirche helfen!

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23.02.2021

Mich freut es wen ich sowas lese das immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren. Eine Kirche die immer noch im Mittelalter lebt und keine Lust hat auf Reformen und nur immer redet und nichts anpackt wird es nie lernen. Die Kirchensteuer und das die Bischöfe von Steuergeld gezahlt wird gehört gestrichen.

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21.02.2021

@ Wolfgang B. Nun sicher 2000 Jahre hat man Überstanden aber seit der Säkularisation der Zeit der Aufklärung geht's Bergab. Die Drohungen und das kleinmachen der Gläubigen funktioniert nicht mehr. Die Menschen werden Mündig! Ächtung bei Scheidung, Angst vor der Hölle, Ausschluss der Frauen von Kirchlichen Ämtern (warum nur bei den Evangelischen geht´s doch auch mit ihnen), überholte Tanzverbote, Missbrauchsskandale, Protz Bischöfe, usw...... Glauben sie wirklich das eine Aufgeklärte Welt, die Wissenschaftlich schon soviel von den Hirngespinsten der Kirche widerlegt hat, den Katholizismus die Stange hält. Ohne die Kritischen Menschen wäre die Erde immer noch eine Scheibe. Schauen sie mal genau hin, was dieses System an Leid über Menschen gebracht hat. Missbrauchsopfer, Ausgeschlossene, in Frühzeit verfolgte (Hexen, Ketzer) Scheiterhäufen und Folter! All das Im Namen Gottes.
Sicher die Kirche tut auch Gutes Kindergärten, Altenheime usw... aber wenn man dann genau hinschaut, stellt man meist fest das das ganze gar nicht so uneigennützig ist. Heutzutage gibt es gut ausgebildete Psychologen, die jeder für sein Selenheil nutzen kann und Sozialarbeiter leisten auch hervorragendes ohne den Zauber des Weihwasserschwengels.
Warten wir mal noch ein paar Jahre, wenn die Anzahl der Schaffe so geschrumpft ist, das Rom an seine Geldreserven gehen muss. Dann ist Schluss mit Lustig! Ablasshandel funktioniert heute nicht mehr!
Sicher wird es immer ein paar "Erleuchtete" geben, aber die werden immer weniger. Selbst auf dem Land, der Basis geht der Schwund schnell vor sich, wer soll da nachkommen! Auch die Amtsträger sind ein Problem, da sind einige dabei die könnten die Messe wieder in Lateinisch halten, Dialekt und Sprache Ihrer Heimatländer machen es den Gläubigen teil weise recht schwer was zu verstehen . Aber die Katholiken sind ja Selbstaufgabe, Selbst Läuterung und Leiden gewohnt, die wollen das so!

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20.02.2021

Maria 2.0? War die bisherige Maria nicht gut genug?

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20.02.2021

Sollte sie? Die katholische Kirche hat 2000 Jahre z.T. unruhiges Wasser hinter sich. Sie wird auch die nächsten 2000 Jahre ohne größere neumodische Inspirationen über die Runden kommen.

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21.02.2021

Nein, wird sie nicht. Die Austritts-Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Zeiten, in denen sich Menschen von der Kirche Angst machen ließen, sind zum Glück vorbei. Heute wird hinterfragt und nachgedacht. Auch laut und mit Konsequenzen. Es würde der kath. Kirche gut stehen, wenn sie intern aufräumen würde.

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22.02.2021

Nehmen Sie mal der Kirche die Zwangsabgabe weg, dann schauen wir mal, wie diese Kirche die nächsten 2000 Jahre überlebt.

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22.02.2021

Gut - wir 3 werdens wohl nicht mehr erleben wie's mit der katholischen Kirche ausgeht. 2 Anmerkungen meinerseits: 1. Zwangsabgabe: stimmt (eingeschränkt). Gibts nicht in allen Ländern. 2. Wenn es der Bevölkerung (jetzt mal weltweit gesehen) schlecht oder nicht gut geht, einige Stichworte:arm/reich, Klimawandel, wird der Zulauf zu den Kirchen wachsen.

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