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Friedrich Merz ist ein grottenschlechter Verlierer

Kommentar Von Michael Stifter
27.10.2020

Weil die Wahl des CDU-Vorsitzes verschoben wurde, wittert Merz eine Verschwörung gegen sich. Er argumentiert dabei wie ein Populist - und nimmt in Kauf, die Partei zu spalten.

Im Poker um den CDU-Vorsitz ist sich Friedrich Merz sicher, momentan das beste Blatt auf der Hand zu haben. Deshalb setzt er nun alles auf eine Karte und erwartet, dass seine Gegner gefälligst mitspielen. Doch beim Pokern kommt es eben nicht nur auf gute Karten an, sondern auch auf gute Nerven. Und die hat Merz offenbar nicht.

Seine beleidigten Attacken auf die eigene Partei könnten das Blatt wenden. Dass die Wahl eines neuen CDU-Chefs wegen Corona aufgeschoben wurde, will er nicht glauben. Er vermutet dahinter vielmehr den letzten Teil der Aktion „Merz verhindern“.

Friedrich Merz will CDU-Vorsitzender werden

Wieder einmal wirkt der Sauerländer wie ein Mann, der schwer damit klarkommt, dass ihn nicht alle so großartig finden wie er sich selbst. Ein Mann, dem es um alte Rechnungen geht. Dem die eigene Karriere wichtiger ist als die Partei oder das Land. Sein Geraune, das „Establishment“ der Partei habe sich verbündet, um ihn aufzuhalten, ist nicht nur peinlich für ihn, sondern auch brandgefährlich für unser Land.

So argumentieren Populisten und Verschwörungsideologen, die den Menschen suggerieren, dass es irgendwelche geheimen Mächte gibt, die im Hintergrund die Fäden ziehen – gegen den Willen des Volkes. Schon nach seinem Scheitern gegen Annegret Kramp-Karrenbauer im Kampf um den CDU-Vorsitz vor zwei Jahren hatten seine Leute Gerüchte gestreut, man habe Merz während seiner Bewerbungsrede absichtlich das Mikrofon leiser gedreht, um ihn zu schwächen.

Drei sind zwei zu viel: Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz wollen Vorsitzender der CDU werden.  
Bild: Michael Kappeler, dpa

Merz wirkt dünnhäutig wie Donald Trump

Viel wahrscheinlicher ist: Der 64-Jährige ist ein grottenschlechter Verlierer. Das hatte er schon im Machtkampf mit Angela Merkel vor zwei Jahrzehnten bewiesen. Deswegen will er dieses Mal unbedingt der Sieger sein – selbst wenn der Preis dafür ist, dass er damit die Union spaltet, die immer dann besonders stark war, wenn sie zusammengehalten hat. „Ihr. Zermürbt. Mich. Nicht!“, dröhnte er in einem seiner vielen Interviews der vergangenen Stunden – und wirkte dabei dünnhäutig wie Donald Trump, wenn dieser mal wieder in GROSSBUCHSTABEN twittert.

Ja, in Umfragen unter Parteimitgliedern liegt Merz vor seinen Konkurrenten. Daraus die Legende zu stricken, er sei der Mann des einfachen Volkes, der es sich als einziger traue, es mit denen da oben im „Establishment“ aufzunehmen, ist für einen Mann mit seinem Lebenslauf allerdings grotesk. Abgesehen davon: Wenn er sich seiner Überlegenheit so sicher ist: Warum glaubt Merz dann, dass seine Zustimmungswerte in den kommenden Wochen auf jeden Fall bröckeln werden? Wegen der geheimen Verschwörung? Oder vielleicht, weil viele Bürger in dieser Krise gerade spüren, dass breitbeiniges Machtgehabe Marke Trump keine Lösung ist, wenn es darauf ankommt?

Lesen Sie dazu auch den Pro-Kommentar: Merz hat in der Sache Recht

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.10.2020

Merz als "grottenschlechten Verlierer " zu bezeichnen ziegt von wenig Format und Wissen.
Er ist der Einzige mit wirtschaftpolitischer Kompetenz im Führungszirkel in der CDU/CSU und genau diese ist mehr denn je von Nöten.
Deutschland steht vor dem Abgrund und das Erwachen wird bitter

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28.10.2020

Herr Stifter Sie sollten einfach mal das Parteiengesetz lesen!

https://www.gesetze-im-internet.de/partg/

>>
§ 9 Mitglieder- und Vertreterversammlung (Parteitag, Hauptversammlung)

(1) Die Mitglieder- oder Vertreterversammlung (Parteitag, Hauptversammlung) ist das oberste Organ des jeweiligen Gebietsverbandes. Sie führt bei Gebietsverbänden höherer Stufen die Bezeichnung "Parteitag", bei Gebietsverbänden der untersten Stufe die Bezeichnung "Hauptversammlung"; die nachfolgenden Bestimmungen über den Parteitag gelten auch für die Hauptversammlung. Die Parteitage treten mindestens in jedem zweiten Kalenderjahr einmal zusammen.
(2) Vorstandsmitglieder, Mitglieder anderer Organe des Gebietsverbandes sowie Angehörige des in § 11 Abs. 2 genannten Personenkreises können einer Vertreterversammlung kraft Satzung angehören, dürfen aber in diesem Fall nur bis zu einem Fünftel der satzungsmäßigen Gesamtzahl der Versammlungsmitglieder mit Stimmrecht ausgestattet sein.
(3) Der Parteitag beschließt im Rahmen der Zuständigkeiten des Gebietsverbandes innerhalb der Partei über die Parteiprogramme, die Satzung, die Beitragsordnung, die Schiedsgerichtsordnung, die Auflösung sowie die Verschmelzung mit anderen Parteien.
(4) Der Parteitag wählt den Vorsitzenden des Gebietsverbandes, seine Stellvertreter und die übrigen Mitglieder des Vorstandes, die Mitglieder etwaiger anderer Organe und die Vertreter in den Organen höherer Gebietsverbände, soweit in diesem Gesetz nichts anderes zugelassen ist.
(5) Der Parteitag nimmt mindestens alle zwei Jahre einen Tätigkeitsbericht des Vorstandes entgegen und faßt über ihn Beschluß. Der finanzielle Teil des Berichts ist vor der Berichterstattung durch Rechnungsprüfer, die von dem Parteitag gewählt werden, zu überprüfen.
<<

Es gibt keine demokratische Rechtfertigung diese zentralen Entscheidungswege im digitalen Zeitalter zu verschieben!

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28.10.2020

"Es gibt keine demokratische Rechtfertigung diese zentralen Entscheidungswege im digitalen Zeitalter zu verschieben!"

Inzwischen wird massiv bis tief in den privaten Bereich in Grundrechte nach dem GG eingegriffen und das aus Gründen des wichtigeren Rechtsgutes Gesundheitsschutz völlig zu recht. Großzügige Auslegungen des Parteiengesetzes und Verstöße dagegen waren gerade bei der CDU nicht so selten, wurden kaum geahndet und interessieren in diesen Corona-Zeiten kaum jemand.

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28.10.2020

Demokratie? Diesen staatstragenden Mantel hat man doch vor etwa 8 Monaten ausgezogen. Ob er je wieder angezogen wird erscheint fraglich denn wer einmal hauptsächlich via Diktat und ohne Parlament regiert hat Blut geschmeckt.

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28.10.2020

Ja wenn er doch nur verloren hätte bei einer demokratischen Wahl. Dann wäre er ein "grottenschlechter Verlierer". Aber die Parteispitzen wollen offensichtlich keine Wahl. Wer mit vorgeschobenen Infektionsschutz demokratische Wahlen verhindert, muss sich schon fragen lassen warum er das macht. Die Einwände ließen sich ja ganz leicht durch ein digitales Format entkräften. Aber Laschet ist wohl zu schwach, um jetzt offen gegen Merz anzutreten. Vermutlich erleben wir jetzt monatelange Medienberichte, wie toll Laschet ist und wie "unsozial" Merz und Blackrock ist.

Die Einschätzung wird auch von Herrn Falter geteilt im Interview:

"Entsprechend erbost war die Reaktion von Merz. Er vermutet, dass „beachtliche Teile des Partei-Establishments“ ihn ganz gezielt als Parteichef verhindern wollen. Liegt er richtig?

Falter: Das vermute ich auch. Er sieht sich derzeit sozusagen in der Poleposition, und glaubt, dass man sie ihm zu nehmen versucht."

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Experte-zu-verschobenem-CDU-Parteitag-Natuerlich-geht-es-auch-um-Machtpolitik-id58427541.html

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28.10.2020

Dazu passt ein Leserkommentar aus der ZEIT:

"Dear Friedrich,

you are a real fighter and a tough guy. Please ignore the german Fake Press and the Angela Establishment. I know: As a Reichskanzler, you we will make a fantastic job. You can make Germany great again.

Your friend Donald

(ironiemodus aus)"

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28.10.2020

"Dazu passt ein Leserkommentar aus der ZEIT:"

Was da passend sein soll, erschließt sich wohl nur einem Linken. Für Demokratie war diese ja nie bekannt. Eher für Propaganda und Agitation. Das Ansehen von Personen in den Schmutz zu ziehen, oder lächerlich zu machen, ist eine gängige Kampfstrategie der Agitatoren.

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27.10.2020

Wieso wurde mein Kommentar gelöscht, wenns ihnen nicht passt was ich schreibe, sperrt mich doch! Habe nur Georg KR geantwortet.

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28.10.2020

Lieber Herr G.,

bei uns kam kein Kommentar von Ihnen an und wir haben auch nichts gelöscht. Bitte posten Sie gegebenenfalls erneut.

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27.10.2020

Friedrich Merz ist nach 10 Jahren BlackRock für ein Amt in der Politik ungeeignet, da zu viele "Finanz-Leichen im Keller".

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27.10.2020

"Sein Geraune, das „Establishment“ der Partei habe sich verbündet, um ihn aufzuhalten, ist nicht nur peinlich für ihn, sondern auch brandgefährlich für unser Land"

Sehr treffend. Mit solchen Äußerungen und nicht nur damit wird er dem Großmaul im Weißen Haus immer ähnlicher.

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