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Höchste Zeit: Die deutsche Autoindustrie setzt zur Aufholjagd an

Höchste Zeit: Die deutsche Autoindustrie setzt zur Aufholjagd an
Kommentar Von Stefan Stahl
12.08.2020

Lange haben die heimischen Hersteller Tesla unterschätzt und das Thema Elektromobilität nicht ernst genug genommen. Umso mehr Gas müssen sie nun geben.

Der US-Elektro-Autobauer Tesla ist an der Börse mehr wert als der VW-Konzern, Daimler und BMW zusammen. Ist das eine typisch-hysterische Übertreibung von Aktionären, die glauben, das ganz große Ding entdeckt zu haben? Oder wird Tesla zum Apple der Autoindustrie, während deutsche Unternehmen dagegen das triste Nokia-Schicksal ereilt?

Die Finnen hatten den von Apple-Mitbegründer Steve Jobs gesetzten Trend verschlafen, dass sich Handys zu tragbaren Alles-Könner-Computern mit nur einem Knopf entwickeln. Tesla-Chef Elon Musk erinnert in seiner ruppigen und visionären Kraft an Jobs. Der Smartphone-Rebell erwischte den Riesen Nokia kalt und stürzte ihn in den Abgrund – ein brutaler Prozess, wie er in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder auf massive Innovationsschübe folgt. Musk jedenfalls baute Elektroautos längst zu rollenden Smartphones um, was Kunden weltweit verzückt. Die deutschen Auto-Platzhirsche haben sich dagegen zu lange in ihrem Premium-Glanz großer Marken und immer ausgefeilterer Verbrennungsmotoren gesonnt. Die Bosse wähnten sich derart unangreifbar, dass sie höher hinauf zur Sonne strebten und dabei selbst vor Betrug nicht zurückschreckten, als die Reise nicht schnell genug ging.

Deutsche Autobauer konzentrierten sich zu spät auf E-Mobilität

Ob VW, Audi oder Daimler: Statt schon vor fünf Jahren alle Kraft in die Elektromobilität zu pumpen, schummelten sich die Konzerne durch die längst angezählte Verbrennerwelt und beschädigten das Image der Marken. Der von ihnen zu lange unterschätzte Tesla-Chef nutzte die skandalbedingte Selbstbeschäftigung der Hersteller für seine Attacke aus. Besonders schlecht hat sich dabei Daimler geschlagen, unterlag doch Ex-Chef Dieter Zetsche der Fehleinschätzung, in Sachen „E-Mobilität“ nichts zu verschlafen. Die Stuttgarter glaubten, es sei ungefährlich, Tesla wie einen jungen Hund herumtollen zu lassen. Am Ende, so die irrige Meinung der Schwaben, würden die Amerikaner sich verlaufen und es sei ein Leichtes für Daimler, sie elektrisch einzuholen.

 

Diese (Nach)Lässigkeit rächt sich bis heute. Zetsche-Nachfolger Ola Källenius muss eine Aufholjagd starten. Das Unternehmen gilt als Sanierungsfall. Auch BMW-Lenker Oliver Zipse hat erkannt, dass es falsch war, nach einem frühen Elektro-Auftakt auf die Bremse gedrückt zu haben. Der VW-Konzern setzt nun unter Herbert Diess und Audi-Chef Markus Duesmann, beides bekennende Elektro-Freunde, alles daran, Tesla nachzueifern.

Der Fall "Nokia" muss sich nicht in der deutschen Autoindustrie wiederholen

Noch haben die Amerikaner, was Software und automatisiertes Fahren betrifft, einen Vorsprung von etwa zwei Jahren. Bei Volkswagen rumpelte es zuletzt gewaltig bei den allzu ehrgeizigen Software-Plänen. Immerhin Audi hat die Fährte zu Tesla aufgenommen: Das Modell e-tron eroberte den Rang des weltweit am meisten verkauften Elektro-SUV der Oberklasse. Die Ingolstädter vermitteln den Eindruck, sie seien die deutschen Chef-Tesla-Jäger. Aber auch BMW, VW und Daimler werden 2021 stärker elektrisch aufhorchen lassen.

 

Die deutschen Anbieter standen zwar viel zu spät unter Strom, strengen sich aber kräftig an, dem üblen Nokia-Schicksal zu entgehen. Die Chancen dafür stehen gut, wenn die heimischen Konzerne ihre Stärken ausspielen, eben weltweit begehrte Autos in hohen Stückzahlen mit einem enormen Maß an Sicherheit und Qualität zu bauen. Doch Vorsicht vor Hochmut: Musk wird auch dank der neuen Fabrik bei Berlin Maß an deutschen Kardinal-Produktionstugenden nehmen. Wenn in einem Tesla nichts mehr scheppert und viele Kinderkrankheiten ausgeheilt werden, sind die Amerikaner ein Rivale auf Augenhöhe für Audi, VW, BMW, Daimler und Porsche.

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13.08.2020

Nur 2 Jahre Vorsprung? Es darf gelacht werden:

Und so sieht es zunächst so aus, als hätte sich Volkswagen bei seinem modernen Elektroauto-Erstling nicht nur auf der Software-Seite nicht mit Ruhm bekleckert: Schon bekannt war, dass bei den ersten ausgelieferten ID.3 in diesem September noch Updates per Funk fehlen (over the air oder OTA – dieses Problem hat auch der Porsche Taycan aus demselben Konzern) sowie drei weitere Funktionen.

Einschränkungen beim VW Elektro #ID3 (WLTP 540km, real deutlich weniger)
- nur 4-Sitzer
- kein Panoramadach
- keine AHK
- kein Fahrradträger
- Fahrergewicht beschränkt(!)

und dann die Preise ansehen...
#Elektroauto #TESLA
https://youtube.com/watch?v=jJUum25iJGs

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13.08.2020

Dann schauen wir uns doch mal die Preise an: ID.3 Max abzgl Herstellerbonus rd. 42500€, Tesla Model 3 Standard Range 42900€ (beide rd. 410-420km WLTP, 5 Sitzplätze, Panoramadach).

Im Gegensatz zu Tesla gibt es bei VW: LED-Matrixscheinwerfer, Verkehrszeichenerkennung inkl. Verknüpfung zum Abstandstempomat (nicht bei 150km/h abgeregelt wie bei Tesla), Massagesitze, Head-Up Display (ab Jahresende mit AR-Funktion), Spurwechselassistent (bei Tesla nur im Paket mit teilweise nicht lieferbaren Funktionen für 7500€ Aufpreis), einen Tacho hinterm Lenkrad und last but not least eine zeitgemäße Verarbeitungsqualität bzgl. Spaltmaße und Lack.

Fehlende Funktionen gibt es auch bei Tesla zum in der Regel stark verspäteten Auslieferungsstart.

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