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Union

06.07.2020

Kommt es zum Duell zwischen Merz und Söder?

Friedrich Merz will CDU-Chef und Kanzlerkandidat werden.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Die Kanzlerkandidatur wird zum Richtungsstreit um die Strategie der Union. Friedrich Merz setzt auf Wirtschaftskompetenz, Söder auf Erfahrung im Kampf gegen Corona.

Die Frage, wer für CDU und CSU als Kanzlerkandidat ins Rennen geht, ist weit mehr als eine Personalentscheidung: Es geht um den künftigen Kurs der Union. Am Wochenende haben sich zwei Anwärter in Position gebracht – und dabei recht unterschiedliche Richtungen für diesen Kurs vorgegeben.

Friedrich Merz machte deutlich, dass es nun auf einen Macher mit Wirtschaftskompetenz ankommt – also auf einen wie ihn. „Wir werden in den nächsten Jahren mit der Krise leben müssen, die jetzt vor allem eine ökonomische Krise wird“, sagte er im Interview mit unserer Redaktion. Deutschland sei schon vor Corona nicht gut genug gewesen. „Durch die Pandemie werden unsere Probleme nun wie unter einem Brennglas noch offensichtlicher.“

Merz glaubt nicht, dass Markus Söder als Kanzlerkandidat ins Rennen einsteigt

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hingegen hält praktische Erfahrung im Kampf gegen Corona und dessen Folgen für die wichtigste Eigenschaft, die ein Kanzlerkandidat mitbringen muss. „Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen“, sagte er dem Tagesspiegel. Merz ist bekanntlich ohne politisches Amt und konnte sich folglich bislang nicht beweisen.

Aussagen wie diese schüren die Spekulationen, dass Söder, der sich in Bayern als Krisenmanager bewährt hat und in Umfragen weit vor den möglichen Bewerbern der CDU liegt, doch selbst nach der Kanzlerschaft greifen könnte. Bislang betont er stets, sein Platz sei in Bayern. Und zumindest Merz glaubt auch nicht daran, dass ihm der CSU-Chef die Kandidatur streitig machen wird: „Historisch betrachtet war es bisher so, dass die CSU den gemeinsamen Kanzlerkandidaten dann gestellt hat, wenn die CDU mit ihrer eigenen Führung unzufrieden war. Das war 1980 so, das war 2002 so, und ich bin mir ziemlich sicher, dass das 2021 nicht so sein wird.“

Der 64-Jährige kämpft mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet und dem früheren Umweltminister Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz. Merz ist Hoffnungsträger der Konservativen; bei jüngeren Wählern genießt er allerdings weniger Rückhalt. Nun geht er offensiv auf diese Zielgruppe zu: „Wir laden der jungen Generation eine so hohe Staatsverschuldung auf, das lässt sich nur rechtfertigen, wenn diese Generation auch der größte Nutznießer sein wird“, sagte er über den teuren Kampf gegen die Corona-Folgen und forderte einen „neuen Generationenvertrag“.

Erst der Vorsitz, dann die Kanzlerfrage

Merz will den bisherigen Kurs auf den Prüfstand stellen. „Ehe wir von der Verlängerung einzelner Maßnahmen reden, sollten wir erst einmal sehen, welche Wirkung sie denn tatsächlich haben.“ Söder verteidigte die hohen Ausgaben, um die Wirtschaft zu stabilisieren. „Wiederaufbauen ist zehn Mal schwieriger, als Substanz zu bewahren. Außerdem stünden den hohen Summen auch hohe Rücklagen gegenüber, sagte der 53-Jährige. Er betonte aber auch, noch mal eine Neuverschuldung von 218 Milliarden Euro sei nicht zu stemmen.

Die CDU wählt im Dezember ihren neuen Vorsitzenden. Erst danach, da sind sich Merz und Söder einig, wollen die Unionsparteien über einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten für 2021 reden. Ob Merz als neuer CDU-Chef hier Söder den Vortritt lassen würde? „Mit solchen Was-wäre-wenn-Fragen beschäftige ich mich grundsätzlich nicht“, sagte er in unserem großen Interview.

Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 der erste deutsche Bundeskanzler. Von 1950 bis 1966 war er zugleich CDU-Vorsitzender. Mit 90 Jahren gab er sein Amt ab.
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Bild: dpa

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06.07.2020

Wodurch ist denn die Wirtschaftskompetenz, die sich Merz immer wieder ungefragt selbst attestiert, belegbar?
Dadurch, dass er es schaffte, als Bediensteter einer "Heuschrecke", auch kräftig in die eigene Tasche zu wirtschaften?
Einer "Heuschrecke" übrigens - von anderen auch Schattenbank genannt -, die wegen des Verdachts krummer „Cum-Ex“-Geschäfte schon mal von Polizei und Staatsanwälten besucht wurde.
Was Merz allerdings bestätigt werden kann ist, sehr erfolgreicher Vertreter und Strippenzieher einer gierigen Finanzindustrie gewesen zu sein, die 2008 von den Staaten mit zig Milliarden Steuergeldern vor den Folgen ihrer Zockerei bewahrt werden musste. Dass er in diese Position kam steht in unmittelbarem Zusammenhang mit marktradikalen neoliberalen Sprüchen während seines politischen Engagements als CDU-Fraktionsvorsitzender.

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