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Kreuz-Erlass: Söder will im Kreuz-Streit die Wogen glätten

Kreuz-Erlass

Söder will im Kreuz-Streit die Wogen glätten

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    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hängt öffentlichkeitswirksam ein Kreuz im Eingangsbereich der Staatskanzlei auf – und sorgt damit für anhaltende Diskussionen.
    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hängt öffentlichkeitswirksam ein Kreuz im Eingangsbereich der Staatskanzlei auf – und sorgt damit für anhaltende Diskussionen. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Die heftige Debatte um seinen Kreuz-Erlass hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kalt erwischt. Nun versucht er, die Wogen zu glätten und das angespannte Verhältnis zu den Kirchen zu befrieden. Über die Medien kündigte Söder einen Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes an. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Kritiker. Einladen will Söder Vertreter der beiden großen Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften sowie Vertreter aus Wissenschaft, Brauchtum und Kultur.

    Kirchenvertreter wie Sternberg und Glück sind skeptisch

    Hohe Kirchenvertreter reagierten zurückhaltend auf Söders Angebot. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bezweifelt die friedenstiftende Wirkung des Runden Tisches: „Vertrauen wächst erst aus dauerhafter Verlässlichkeit – dafür sind die Fristen noch viel zu kurz“, sagte Sternberg unserer Zeitung. In Wahlkampfzeiten seien politische Schritte schwer zu beurteilen. Der ehemalige ZdK-Chef und CSU-Landtagspräsident Alois Glück kritisierte die Art und Weise, wie der Kreuz-Erlass zustande gekommen ist: „Natürlich wäre es sehr viel besser gewesen, einen breiten Dialog an den Anfang zu stellen.“

    Grundsätzlich stößt Söders Einlenken aber bei Sternberg und Glück auf Zustimmung. Wie bei Theo Waigel: „Ich begrüße das Angebot zu einem breiten Dialog, weil er zum gesellschaftlichen und politischen Frieden beiträgt“, sagte der CSU-Ehrenvorsitzende. Er glaubt, dass Söders Angebot die Debatte befrieden kann. „Durch einen solchen Dialog könnte die Kritik an der Anordnung zum Anbringen von Kreuzen in Behörden entkräftet werden“, betonte Waigel.

    Pflicht-Kreuze in Landesbehörden werden kontrovers diskutiert

    Die Bayerische Staatsregierung hatte vor einigen Wochen angeordnet, im Eingangsbereich aller Landesbehörden Kreuze anzubringen. Das hatte massive Kritik auch von Kirchenvertretern zur Folge. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte kritisiert, die Kreuz-Anordnung löse „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ aus. Die Anordnung wird seither kontrovers diskutiert. Auch in den Kirchen gehen die Meinungen dazu auseinander.

    In unserem Podcast geht es ebenfalls um Söders Kreuz-Erlass. Hier können Sie reinhören:

    Marx selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Sein Sprecher Bernhard Kellner gab sich auf Anfrage zurückhaltend: „Es bleibt jetzt abzuwarten, wie sich der Runde Tisch konstituieren soll.“ Kardinal Marx habe bereits gesagt, dass die katholische Kirche Gespräche wünsche. Die evangelische Landeskirche zeigte sich ebenfalls zugeknöpft: „Wozu wir nichts wissen, können wir nichts sagen“, sagte ein Sprecher und verwies darauf, das Angebot nur aus den Medien zu kennen.

    CSU-Gesprächsangebot ist keine Kehrtwende

    Als Kehrtwende oder Einknicken will die CSU das Gesprächsangebot aber keinesfalls verstanden wissen. Sie sieht weiter die Mehrheit der Bürger hinter sich. Aus einer Civey-Umfrage unserer Zeitung geht das allerdings nicht hervor. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte: „Unsere Haltung zum Kreuz ist glasklar und findet auch die breite Unterstützung der Bayern.“ Seine Partei habe die christliche Prägung des Landes unterstrichen. Wichtig sei auf dieser Basis nun der gesamtgesellschaftliche Dialog, „weil es um das verbindende Miteinander und die Grundlagen des Zusammenlebens geht“. Daran müsse jeder ein Interesse haben, so Blume. Söder will zu dem Runden Tisch zwischen 20 und 30 Teilnehmer einladen. Die Gesprächsrunde solle weder zu groß noch zu exklusiv sein, hieß es aus der Staatskanzlei. Das erste Treffen soll im Juni stattfinden.

    Im Kommentar ordnet Gregor Peter Schmitz Söders Angebot ein. Auf Bayern erklären wir das Zerwürfnis zwischen der CSU und den Kirchen.

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