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Analyse

17.01.2021

Was Laschets Wahl für die CSU, für Söder und für Bayern bedeutet

Nach der Wahl von Laschet zum neuen CDU-Chef stehen auch in der CSU wichtige Entscheidungen an. Nicht sofort, aber im Frühjahr. Dann muss auch Markus Söder Farbe bekennen.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Plus Markus Söder kann sich nach der Wahl bei der CDU erst einmal beruhigt zurücklehnen. Dass er erst nach Ostern eine Entscheidung will, hat einen tieferen Grund.

Die CDU hat sich für Armin Laschet entschieden, für die CSU ändert sich damit erst einmal gar nichts. Bei Norbert Röttgen oder Friedrich Merz wäre das anders gewesen. Zwar haben die Christsozialen in München vor der Vorsitzenden-Wahl bei der Schwesterpartei größtmögliche Gelassenheit demonstriert: „Egal, was kommt, wir können mit jedem.“ Jedes andere Wahlergebnis aber hätte die Ausgangslage im Jahr der Bundestagswahl erheblich verändert.

Mit Röttgen als CDU-Chef hätte CSU-Chef Markus Söder nicht nur einmal pro Woche, sondern vermutlich mehrfach pro Tag die Frage beantworten müssen, wie er es denn nun hält mit der Kanzlerkandidatur. Mit Merz wäre diese Frage sehr wahrscheinlich endgültig erledigt gewesen. Niemand in der CSU glaubt, das Merz freiwillig verzichtet hätte, und kein Stratege in der CSU würde einen offenen Streit der Unionsparteien über die Frage der Kanzlerkandidatur riskieren wollen. „Das geht nur einvernehmlich, alles andere wäre politischer Irrsinn“, heißt es quer durch die Führungsriege der Christsozialen.

Für eine Kandidatur Söders müssen drei Bedingungen erfüllt sein

Weitgehend Einigkeit besteht in der CSU zudem darin, dass für eine Kanzlerkandidatur Söders mindestens drei Bedingungen erfüllt sein müssten. Erstens: Laschet und mit ihm möglichst alle maßgeblichen Köpfe in der CDU in West und Ost müssten Söder die Kandidatur auf dem Silbertablett anbieten. Zweitens: Er müsste überzeugt sein, dass er die Wahl im Herbst gewinnt. Drittens: Er müsste sich trauen.

Dass es ein Angebot aus der CDU geben könnte, gilt in der CSU nach der Wahl Laschets zwar als äußerst unwahrscheinlich, aber eben auch nicht als völlig ausgeschlossen. „Überlegen Sie doch mal“, sagt einer, der in der Partei schon Jahrzehnte vorne mit dabei ist, „wenn es in den kommenden Wochen oder Monaten dabei bleibt, dass Söder in den Umfragen mit weitem Abstand vor Laschet liegt, dann kann sich daraus innerhalb der Union eine Dynamik entwickeln, der Söder sich nicht mehr entziehen kann“.

Dann würden alle Register gezogen – mit Zuckerbrot („Du bist unser bester Mann“) und mit Peitsche („Du kannst dich doch nicht vor der Verantwortung drücken“). Auf seinen Standardsatz „Mein Platz ist in Bayern“ könnte sich der CSU-Vorsitzende dann jedenfalls nicht mehr zurückziehen. Er müsste Farbe bekennen und im Falle einer Absage das Risiko auf sich nehmen, an Renommee zu verlieren.

Warum will Söder die Kanzlerfrage verzögern?

Einstweilen freilich ist das reine Spekulation, und für die CSU bleibt erst einmal alles beim Alten. Die Situation wird als „durchaus komfortabel“ beschrieben. Zwar gibt es einige Besorgnis, ob es Laschet gelingen wird, die zerstrittenen Lager in der CDU wieder einigermaßen zusammenzuführen. Davon hängt schließlich auch das Schicksal der CSU in der Bundespolitik ab. Mit sich selbst und ihrem Chef aber ist die Partei weitgehend im Reinen.

Söders politischer Einfluss in der Union sei umso größer, je länger die Frage der Kanzlerkandidatur in der Schwebe bleibe. Solange stehe er weder im Feuer noch müsse er sich unterordnen. Das ist neben grundsätzlichen wahlstrategischen Überlegungen offensichtlich auch der tiefere Grund für Söders zügig vorgetragene Forderung, mit der Nominierung des Kanzlerkandidaten der Union mindestens bis Ostern, lieber sogar noch länger zu warten.

Der frühere Vorsitzende der Unionsfraktion und Kandidat um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, hat im Rennen um den Parteivorsitz verloren.
Bild: Michael Kappeler, dpa

Laschet war, wie berichtet, nicht der Wunschkandidat der CSU für den CDU-Vorsitz. Keiner der drei Kandidaten war das. Dennoch ist Laschet, relativ gesehen, der CDU-Chef, der der CSU am wenigsten Sorgen bereitet. Mit Merz hätte sich im Parteiengefüge einiges verschoben. Traditionell gilt die CDU als der liberalere Teil der Union und die CSU als konservatives Korrektiv. Mit Merz hätte es einen Rechtsruck der CDU gegeben, und die CSU hätte ihr Profil neu justieren müssen. Diese Aufgabe bleibt den CSU-Parteistrategen nun erspart.

Mit Merz hätte es wohl häufiger gekracht

Hinzu kommt, dass Söder mit Laschet persönlich angeblich deutlich besser zurechtkommt. „Merz und Söder“, so scherzt ein alter Parteistratege, „wären doch zu ihren Treffen mit der Handgranate in der Tasche angereist. Da hätte es erst einmal gekracht.“ Zumindest wäre „jede Menge Testosteron im Raum“ gewesen. „Mit Merz“, so die Überzeugung in der CSU, „hätten wir mehr Ärger gehabt“. Laschet dagegen gilt bei den Parteifreunden in Bayern als „der angenehmere Verhandlungspartner“.

Damit allerdings ist aus Sicht vieler CSU-Politiker zugleich die Kehrseite des CDU-Ergebnisses beschrieben. Die Zweifel an der Entschlusskraft Laschets sind nicht ausgeräumt. Und dann bleibt da noch die größte Sorge: Wer künftig auf dem Feld der Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Union steht, ist ohne Merz völlig offen.

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