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08.02.2018

Wenn die GroKo eine Bühne wäre

Drei Darsteller – drei Strategien: Seehofer, Merkel und Schulz.
Bild: dpa

Theater-Mann Reese verteilt Noten

Berlin Wie viel Inszenierung steckt in der Präsentation der GroKo-Ergebnisse? Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, hat genau hingeschaut. Den überzeugendsten Auftritt legt aus Sicht des Theatermanns Horst Seehofer hin. „Der kommt ja ausgesprochen cool daher, jugendlich geradezu. Ist super ruhig, lächelt, strahlt gute Laune aus“ – so hat Reese den CSU-Chef nach dem Abschluss der Koalitionsgespräche am Mittwoch erlebt. „Er macht nur einen unfassbar souveränen Eindruck.“

Für das Dilemma der drei Parteichefs hat Reese viel Verständnis. „Die haben ja das Pech, dass wir alle so genervt sind, weil es so lange dauert“, sagt der 53-Jährige. Dabei sei das natürlich in erster Linie auf einen ersten gescheiterten Versuch der Regierungsbildung zurückzuführen. Als gute Inszenierung erlebt er die Pressekonferenz der drei Parteivorsitzenden Seehofer, Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz zwar nicht. Aber das sei auch ein wenig gewollt. „Die Leute sollen nicht das Gefühl haben, dass das mit toller Auftrittsmusik und gut beleuchtet und raffiniertem Hin und Her stattfindet.“ Was ihm dabei aber fehle, sei ein bisschen mehr Leidenschaft.

Schulz scheitere am Versuch, die Koalitionsergebnisse umfassend zu referieren, meint Reese. „Er will glänzen. Er will betonen, wie gut man gearbeitet hat, wie viel man erreicht hat. Aber er will zu viel: Er will einfach alles sagen, man kann aber nicht alles sagen. Weil dann niemand mehr etwas versteht.“ Die eigene körperliche Erschöpfung zeige er sehr deutlich: „Man hat den Eindruck, er will seine rote Nase auch gar nicht überschminken. Dass die Leute sehen, dass er bis ins Körperliche hinein alles gegeben hat.“

Die Bundeskanzlerin macht es aus Reeses Sicht besser. „Frau Merkel schafft es, dass sie beruhigende, kurze und ganz einfache Sätze mit schönen Worten verwendet. Sie sagt „unser Land“, „wirkliche Bedürfnisse“, „manchmal recht schwer gefallen“, „Eltern und Kinder“, „eine bewährte Balance“. Und sie sagt am Ende lächelnd: „Es hat Freude gemacht.“ Authentisch sei das durchaus, meint Reese.

Einer wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trete aber beeindruckender auf. „Der inszeniert sich ja mit Motorradstaffel, Gegenlicht und im richtigen Moment im Élysée-Palast.“ Ob das für Deutschland zu viel wäre? „Davon sind wir jetzt weit entfernt“, meint Reese. Ein wenig mehr Mut würde er den Parteien in Deutschland wünschen: „Mit einer guten Inszenierung erreichen Sie schon eine ganze Menge. Da sind unsere Parteien, glaube ich, was Wirkung und Ergebnis angeht, entschieden zu mausig.“ (dpa)

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