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Königsbrunn

19.06.2020

Corona-Demo: Was eine ehemalige Patientin zum Protest sagt

Diese Teilnehmer protestierten mit Masken von Angela Merkel und Markus Söder und großen Tafeln gegen die Linie von Politik und vielen Medien in der Corona-Krise. Bereits zum dritten Mal trafen sich Gegner der staatlichen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu einer Kundgebung auf dem Königsbrunner Marktplatz. Trotz feuchtkalter Witterung kamen am Mittwochabend etwa 40 Personen, teilweise auch aus Augsburg.
Bild: Hermann Schmid

Plus Etwa 40 Menschen demonstrierten in Königsbrunn gegen die Corona-Auflagen. Stadträtin Barbara Jaser berichtet am Rande über ihre Erfahrungen – sie hatte das Virus.

Es war bereits die dritte Protestveranstaltung gegen die staatlichen Auflagen in der Corona-Krise, die im Juni auf dem Königsbrunner Marktplatz stattfand. Veranstalter Volker Pajonk, ein 54-jähriger Ingenieur aus Königsbrunn, hatte erstmals nicht nur in einschlägigen Internetforen darauf hingewiesen, sondern auch in der Tagespresse. So kamen am Mittwochabend um 19 Uhr bei Nieselregen etwa 40 Menschen – alle ohne Mundschutz – ins Zentrum.

Unter dem Motto „Für Wahrung der Grundrechte und sofortige Beendigung des Lockdowns“ trugen fünf Redner mit unterschiedlichen Schwerpunkten ihre Kritik an den staatlichen Maßnahmen vor. Der Augsburger Manfred Richter präsentierte eine Zusammenstellung einiger Äußerungen von Gesundheitsminister Jens Spahn aus den vergangenen Monaten zur Test-Strategie. Wolfgang Kauth aus Diedorf trat als Kabarettist auf, der „Pointen“ zur Anreise unter Corona-Bedingungen schilderte. Eine Rednerin namens „Natascha“ sprach von Beschwerden durch das Tragen von Mund-Nasen-Masken und riet, sich für ein entsprechendes Attest einen Arzt zu suchen, „der euch ernst nimmt“.

Rednerin befürwortete Corona-Auflagen zunächst

Den längsten Redebeitrag hielt Michaela Königsberger. Die 49-jährige Königsbrunnerin sagte, sie habe „in den ersten drei Monaten hinter den Auflagen unserer Regierung gestanden“. Jetzt sehe sie das sehr kritisch, denn von dem, was Robert-Koch-Institut oder Weltgesundheitsorganisation vorhergesagt hatten, sei so gut wie nichts eingetreten. „Aber wir stehen vor einem Scherbenhaufen!“ Das „Unterrichts-Puzzle“ an den Schulen habe zu „unzumutbaren Zuständen“ geführt. Der Gastronomie hätten die staatlichen Auflagen „und die Angst, die Politiker dem eigenen Volk eintrichtern“, jegliche Basis für wirtschaftliches Überleben genommen. Dass für Busunternehmen und Hotels in Bayern gerade in den Pfingstferien sehr viel strengere Auflagen galten als in Österreich, nannte sie „respektlos“.

 

Der Corona-Bonus für Eltern von 300 Euro sei eine „undurchdachte Aktion“, die Auszahlungen im September und Oktober kommen zu spät, „und mindestens ein Drittel geht an die Falschen“. Auch die befristete Senkung der Mehrwertsteuer sei „keine durchdachte Aktion: Wer sich jetzt ein Auto kaufen kann, der hat nicht wirklich ein Problem“. Sie forderte stattdessen „eine Steuersenkung für arme Schichten und eine massive Steuererhöhung für die Millionäre“. Zudem sollten Landrat und Bürgermeister Hilfsaktionen vor Ort organisieren, Supermärkte für Spendenorganisationen gewinnen „und einige Familien würden sicher auch ihren 300-Euro-Bonus weitergeben“. Sie regte an, die eigenen Freiheiten zu nutzen und den Urlaub in der Region zu verbringen, „nicht andere Länder mit unserem Geld finanzieren“.

 

Spontane Buhrufe der Corona-Demonstranten

Die Teilnehmer hörten meist ruhig zu, bei Stichworten wie „Corona-App“, „Mundschutzpflicht“, „Impfstoff“ oder „Professor Drosten“ gab es spontane Buhrufe. Zwei Teilnehmer hatten sich Pappmasken von Angela Merkel und Markus Söder übergezogen und hielten Tafeln mit Parolen wie „Ziviler Ungehorsam gegen politischen Wahnsinn“ und „Selbst denken statt Tagesschau“ hoch. Volker Pajonk warf der Politik vor, dass mit den Corona-Maßnahmen „Angst künstlich erzeugt werde, sie soll offensichtlich aufrechterhalten werden“. In etwa zehn Metern Entfernung verfolgte auch CSU-Stadträtin Barbara Jaser – mit Mundschutz – die Reden. Nach dem Ende der Aktion unterhielt sie sich mit Michaela Königsberger und Volker Pajonk. Dabei schilderte sie die Sichtweise einer Betroffenen – sie war, ebenso wie Mann, Schwester und Schwager, Mitte März selbst mit dem Coronavirus infiziert worden. „Ich lag zwei Wochen mit bis zu 39,5 Grad Fieber im Bett. Das war schon heftig. Meine Schwester musste sogar einige Tage ins Krankenhaus.“ Aus dieser Erfahrung heraus halte sie die staatlichen Auflagen für sehr sinnvoll. Eine Covid-19-Erkrankung sei sicherlich keine Lappalie.

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