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Großaitingen

13.12.2018

Erdöl vom Lechfeld bringt nicht nur Sprit

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Auch zur Förderstelle bei Schwabmünchen wurde eine Pipeline gelegt.
Bild: Pitt Schurian

Plus Seit 40 Jahren kommt hier Öl aus dem Boden. Am Ende kann es in vielerlei Alltagsprodukten stecken.

Am 1. Mai 2006 hatten es Brauchtumsfreunde tatsächlich geschafft: Die Tankstelle in Großaitingen pries Benzin der Marke „Aitinger Oil“ an – und zwar „aus eigener Förderung“. Lange vor dem Boom der Direktvermarktung propagierten sie mit ihrem Freinacht-Scherz die Eigenverwertung dessen, was ständig aus den Tiefen unterm Augsburger Land gepumpt wird: Erdöl. Auslöser war der schon damals als ungehörig empfundene Benzinpreis. Der Werbepylon der Tankstelle zeigte an diesem Tag andere Preis – allerdings nur für Einheimische gültig: 0,29 Euro für Benzin, 0,26 Euro für Diesel. Der reguläre Preis für einen Liter Super war damals innerhalb von vier Monaten um zehn Cent auf 1,34 Euro geklettert.

Aus dem Boden in die Pipeline

Seit dem hat die Preistafel schon viele Sprünge rauf und runter erlebt. Unbeirrt davon fördern Pumpen auf dem Ölfeld Aitingen tagein tagaus kontinuierlich Erdöl zu Tage. In kleinen Pipelines fließt es zum Ölwerk an der Bahnlinie zwischen Groß- und Kleinaitingen. Dort wird es grob gereinigt. Mit aufgestiegenes Erdgas strömt von hier ins Netz von Erdgas Schwaben. Das Erdöl füllt die Kesselwagen langer Güterzüge, die regelmäßig nachts zu einer Raffinerie in Niedersachsen rollen. Und das seit nun bald 40 Jahren.

Seit 1979 gehört der Landkreis Augsburg zu den Erdöl produzierenden Regionen. Weltwirtschaftlich betrachtet spielt er natürlich keine Rolle. Doch unbedeutend ist es auch nicht, was da zwischen Bobingen und Schwabmünchen, zwischen Lech und Wertach gut einen Kilometer tief in einer Sandsteinschicht steckt. Das deutsche Förderunternehmen Wintershall holt weltweit Erdöl und Erdgas an die Oberfläche. Ob in der libyschen Wüste, auf der tosenden Nordsee oder aus dem Permafrost Sibiriens. Die Heimat von Wintershall ist jedoch Deutschland. Hier stecken die Wurzeln des BASF-Tochterunternehmens. Im Vergleich zu den Gesamtfördermengen sind die einzelnen Standorte in Deutschland winzig. Doch sie können kaum unwirtschaftlich werden. Die ältesten Standorte befinden sich in Niedersachsen und sind schon 66 bis 88 Jahre alt. 

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Kontinuierlicher Nachschub

Das Öl sprudelt bei Großaitingen zwar nicht in Fontänen aus dem Boden, doch einmal angezapft, geben die Bohrlöcher kontinuierlich und verlässlich Nachschub ab. Zwischenfälle, die die Umwelt betreffen, hat die Redaktion dieser Zeitung aus dem Augsburger Land nie vernommen.

Die Erschließung einer einzelnen Förderstelle im Voralpenraum kostet samt Erkundungsbohrung zwar nach eigener Recherche heute gute zweieinhalb bis über drei Millionen Euro, doch wenn das Bohrloch einmal zur Förderleitung wurde, macht der Erdölpreis auch kleine Lagerstätten zu dauerhaften Goldgruben – und das bei vergleichsweise sehr wenig Personalaufwand. Kein Wunder dass alle Förderunternehmen auch kleine Förderstellen schätzen. Auf Dauer bringt jede von ihnen eine Tonne nach der anderen.

Es reicht immer für zehn  bis 20 Jahre 

Auf Dauer? Der Begriff ist freilich gewagt: Erdölvorkommen sind endlich. Wie lange wird das Erdöl im Aitinger Feld also reichen? Die Antwort ist hier seit 40 Jahren die gleiche: Man wolle nicht spekulieren, aber zehn bis 20 Jahre sollten es schon werden. So hieß es schon nach ersten Erkundungen ab dem Jahr 1976. Der Zeithorizont verrät nämlich wenig über das tatsächliche Vorkommen. Er entspricht lediglich den Mindesterwartungen, die nach seismischen Voruntersuchungen und Erkundungsbohrungen an jede große Investition gestellt werden.

Ein erfahrener Geologe der Branche hat 2016 seine Schätzung verraten: Am Lechfeld sei noch nicht einmal die Hälfte jenes Erdöls gewonnen, welches mit heutigen Fördertechniken erreichbar ist.

Kleine Perlen im Voralpenland

Ein Firmensprecher von Wintershall bestätigt auf Anfrage zumindest: „Wir fördern in der Region Großaitingen insgesamt rund 35.000 Tonnen Erdöl jährlich. Der bayerische Wintershall-Standort ist damit der mit Abstand größte Ölförderbetrieb im Alpenvorland.“

Und davon gibt es mehrere. Zwischen Iller und Chiemsee reihen sich die Erdölvorkommen wie an einer Perlenkette aneinander. Ihre Lage hat etwas mit der Erdgeschichte vor der Auffaltung der Alpen zu tun.

Wie sich Ölpreis und Benzinpreise entwickeln, ist hingegen unbekannt. Auch über die Zusammenhänge der beiden will der Pressesprecher nichts sagen. Was aus dem Lechfelder Erdöl wird, entscheidet sich ja auch erst in der Raffinerie und auf dem Markt. Es muss nicht Benzin sein, obwohl gerade die leichte, am Lechfeld vorkommende Sorte zur Verarbeitung zum Sprit gut geeignet ist. Erdöl ist jedoch auch ein sehr wichtiger Rohstoff für eine Vielzahl von Alltagsprodukten.

Lesen Sie auch unseren Artikel Ölsucher bauen wieder Bohrturm am Lechfeld auf

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