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Königsbrunn

22.11.2017

Lange Freiheitsstrafe für einen Feuerteufel

Der 24-jährige Angeklagte legte zu Prozessbeginn vor dem Augsburger Amtsgericht ein Geständnis ab.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein Mann steckt Müllcontainer in Brand und zündelt in Toiletten. Eines Nachts versucht er sein Kinderzimmer anzuzünden.

Ein junger Mann ist kurz vor Mitternacht in der Haunstetter Straße in Königsbrunn unterwegs. Sein Ziel: Müllcontainer anzünden. Dabei bleibt es aber nicht, Monate später versucht er, in der Wohnung seiner Eltern sein Zimmer anzünden. Nun wurde er am Augsburger Amtsgericht unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der 24-jährige Angeklagte legte gleich zu Beginn ein Geständnis ab. Er gab zu, drei Container in Brand gesteckt zu haben. Der Schaden betrug rund 500 Euro. Das war der Auftakt zu mehreren Zündeleien, die sich der junge Mann in den nächsten Wochen erlaubte. Mehrmals legte er in einem Schnellrestaurant Feuer, sowohl Abfalleimer als auch Klorollenspender zündete der Angeklagte an. Die Brände wurden bemerkt und schnell gelöscht. Außerdem trieb er in zwei Königsbrunner Bars sein Unwesen. Auch dort zündelte der junge Mann auf den Toiletten.

Er wusste nur noch, dass er viel Alkohol trank

Der Schaden belief sich insgesamt auf rund 6000 Euro. Die Hintergründe der Taten sind auch nach der Verhandlung noch unklar. Ob es ihm einen Kick gebe, wollte Richterin Rita Greser wissen. Eine Antwort darauf blieb ihr der Angeklagte schuldig. Er wusste nur noch, dass er viel Alkohol trank. Bis zu einer Flasche Wodka sei es an einem Tag gewesen. „Der Alkohol hat alles kaputtgemacht, ich kann nicht aufhören zu trinken“, sagte der 24-Jährige.

Im Juni dieses Jahres dann der schlimmste Vorfall. Der 24-Jährige, der in der elterlichen Wohnung lebt, sitzt gegen 3.40 Uhr nachts in seinem Zimmer. Er nimmt ein Feuerzeug und setzt seine Sporttasche, in der einige seiner Kleidungsstücke liegen, in Brand. Danach haut er aus der Wohnung ab, schnappt sich sein Fahrrad und fährt ziellos umher. Die Freundin seines Bruders wacht in der Zwischenzeit auf, bemerkt einen komischen Geruch in der Wohnung. Sie rufen die Feuerwehr und verlassen das Gebäude. Das Kinderzimmer des 24-Jährigen ist verrußt. Ein Gutachter stellt fest, dass es „lediglich geglimmt“ habe. Ein größerer Brand sei durch den Sauerstoffmangel im Zimmer verhindert worden. Der Schaden betrug 5000 Euro.

Ohne Therapie schafft er das nicht

Die Polizei fand den jungen Mann schließlich nicht weit von der Wohnung entfernt. Er war mit seinem Fahrrad unterwegs, fuhr „ruhig und gerade“, erinnerten sich die Polizisten. Umso erstaunter waren sie, als sie den Alkoholwert des Mannes erfuhren: mehr als 2,6 Promille.

Verteidiger Moritz Bode nennt seinen Mandanten ohne Zweifel alkoholkrank, dies habe der 24-Jährige inzwischen auch erkannt. „Ich brauche unbedingt eine Therapie, ich schaffe das nicht selber“, sagte der Angeklagte. Er trinkt nach eigenen Angaben seit fast acht Jahren regelmäßig Alkohol.

Erhebliche Probleme mit nicht-alltäglichen Dingen

Ein Sachverständiger ging bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Augsburg nicht nur auf die Alkoholprobleme des Mannes ein. Er sprach von einer „Minderbegabung“; von einem mehrfach vorbestraften Mann, der erhebliche Probleme mit nicht-alltäglichen Dingen habe. Der Sachverständige empfahl eine langfristige Therapie und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, schränkte aber zugleich ein: „Das ist nicht ganz ideal, aber ich habe keinen besseren Vorschlag.“

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung regten dies ebenfalls an. Während Bode allerdings eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren als ausreichend erachtete, forderte die Staatsanwältin eine Strafe von drei Jahren und acht Monaten: „Er ist irgendwie ein lieber Kerl, aber nach dem Alkoholkonsum wird er zum Feuerteufel.“

Richterin Greser sprach von dreisten Taten und einer Gefahr für die Allgemeinheit, falls er nicht therapiert werde. Sie verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren. Weiterhin wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

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