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Kreis Augsburg

06.02.2015

Mutter (21) setzt Neugeborenes aus - jetzt muss sie vor Gericht

In diese Damen-Sporttasche war der Bub gebettet, als er in Bobingen gefunden wurde.
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In diese Damen-Sporttasche war der Bub gebettet, als er in Bobingen gefunden wurde.
Bild: Polizei

Am Montag muss sich die 21-Jährige, die ihr Kind in einer Wohnanlage in Bobingen ausgesetzt hat, vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau eine Gefährdung des Babys vor.

Die Mutter des Bobinger Findelkindes muss sich am Montag vor dem Amtsgericht in Augsburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sie habe in Kauf genommen, dass ihr Baby nach der Aussetzung im Juli vergangenen Jahres in der Kornstraße in Bobingen Schaden nähme. Allerdings geht der Vorwurf nicht so weit, dass der Tod des wenige Tage alten Buben von ihr riskiert worden wäre.

Bobingen: 21-Jährige setzte ihr neugeborenes Baby aus

Der Fall hatte nicht nur in der großen Wohnanlage im Süden von Bobingen Aufsehen erregt und stellte sich nach einer zweiwöchigen Fahndung und weiteren Ermittlungen der Kripo so dar: Es war ein Mittwoch kurz nach Mitternacht. Die 21-Jährige hatte zuvor alleine in ihrer kleinen Wohnung einen Buben zur Welt gebracht. Sie fühlt sich überfordert und zu jung, um die Verantwortung für das Kind zu tragen. So nimmt sie den Neugeborenen, wickelt ihn in eine Wolldecke, bedeckt ihn mit einem Handtuch und setzt ihm eine Wollmütze auf den Kopf. Sie legt ihn in eine Sporttasche. Gegen 00:55 Uhr stellt sie die Sporttasche mit Baby vor der Eingangstüre eines Mehrfamilienhauses ab.

Die Außentemperatur, so ermittelte die Kriminalpolizei später, liegt bei etwa 15 bis 16 Grad. Die Angeklagte klingelt bei verschiedenen Bewohnern und entfernt sich vom Mehrfamilienhaus. Sie vertraut darauf, dass das Baby zeitnah gefunden werden wird. Gegen 2 Uhr hört ein Bewohner durch ein geöffnetes Fenster ein weinendes Baby, schaut nach und findet es vor der Eingangstüre. Er ruft die Polizei. Laut einer ersten Untersuchung durch einen Kinderarzt ist der Säugling wohlauf. Er zeigt eine normale, unauffällige Entwicklung und wird zur weiteren Versorgung in die Kinderklinik Augsburg gebracht.

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Schöffengericht: 21-Jährige hat Schwangerschaft verheimlicht

Zwei Wochen später führten Fahndungsaufrufe der Polizei auf die Spur der Mutter. Ein entscheidender Hinweis kam aus der Bevölkerung. Obwohl die junge Frau ihrem Umfeld die Schwangerschaft verborgen hatte, war jemandem die Veränderung an ihr aufgefallen. Nach Aussagen aus gut informierter Quelle schien die Mutter des Babys selbst auf Hilfe angewiesen zu sein. Sie wurde ärztlich beziehungsweise psychologisch betreut. Einen sozialen Rückhalt durch ihr nahestehende Personen soll es in keinem ausreichenden Umfang gegeben haben.

Das Amt für Jugend und Familie am Landratsamt in Augsburg nahm sich des Babys an, brachte es bei Pflegeeltern unter und sprach auch mit der Mutter. „Wir haben es hier mit einer Ausnahmesituation zu tun“, sagte damals der stellvertretende Amtsleiter Hannes Neumeier.

Ob die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der darauffolgenden weiteren Ermittlungen Anklage wegen Kindesaussetzung erhebt, war im Sommer vergangenen Jahres noch unklar. Laut Rechtslage ist sie dazu verpflichtet. Allerdings zeigt ein Vergleich mit ähnlichen früheren Fällen in Bayern, dass eine Aussetzung immer dann verneint worden war, wenn die Mutter selbst dafür gesorgt hatte, dass ihr Baby schnell gefunden wurde. In Bobingen hatte sie dies durch das Klingeln an der Haustüre getan. Andererseits fragten sich diesmal mit dem Fall befasste Beamte, warum die Mutter nicht eine sogenannte Babyklappe in Augsburg nutzte.

Mit diesen Details wird sich nun am Montag ein Schöffengericht befassen.

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