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Bobingen

05.07.2018

So geht es nach dem Kessler-Aus weiter

Bei der Firma Kessler in Bobingen bleiben die Tore geschlossen. Die Agentur für Arbeit sucht nun nach möglichst schnellen Lösungen für die Betroffenen.
Bild: Veronika Lintner

150 Menschen haben durch die Kessler-Insolvenz ihren Job verloren, die ersten Auszubildenden haben bereits eine neue Stelle gefunden. Wie es nun weiter geht.

Es war ein seltsames Bild, das so gar nicht zu der Situation gepasst hat: Auf dem Firmengelände von Kessler Druck + Medien haben am Montagabend mehrere Angestellte ein Grillfest veranstaltet, obwohl ihnen alles andere als zum Feiern zumute war. Wenige Stunden zuvor wurde den Mitarbeitern von Insolvenzverwalter Albert Wolff mitgeteilt, dass die Druckerei Kessler für immer ihre Tore schließt. Bei einigen langjährigen Angestellten in dem 1960 gegründeten Unternehmen flossen ob der Entscheidung die Tränen. Am Dienstag wurden von einer kleinen Gruppe die letzten Aufträge abgewickelt. „Das waren die letzten Zuckungen“, sagt ein Mitarbeiter im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit Mittwoch ist nun endgültig Schluss. Die Frage, die jetzt alle beschäftigt: Wie geht es weiter?

150 Mitarbeiter bei Kessler betroffen

150 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen, acht davon sind Auszubildende. Die Agentur für Arbeit in Augsburg befinde sich derzeit in Gesprächen mit den verschiedenen Kammern, sagt deren Pressesprecherin Daniela Ruhrmann. Gerade für die Auszubildenden sind sie auf der Suche nach schnellen Lösungen, Gespräche mit den betroffenen jungen Menschen haben bereits stattgefunden. „Es melden sich bei uns nach solchen Schließungen immer Betriebe, die ihre Hilfe anbieten“, sagt Ruhrmann. Laut der Industrie- und Handelskammer Schwaben haben zwei Auszubildende von Kessler bereits eine neue Stelle gefunden, ein weiterer absolviert im Sommer seine Abschlussprüfung. Fünf junge Menschen suchen noch nach einem Unternehmen, in dem sie ihre Ausbildung fortsetzen können. Im Wirtschaftsraum Augsburg gibt es laut IHK rund 90 Ausbildungsbetriebe im Druckereigewerbe.

Obwohl der Gläubigerausschuss noch am Freitag über eine Weiterführung des Betriebs mit kleinerer Belegschaft diskutierte, waren im Hintergrund schon die ersten Weichen für das Vorgehen nach der Schließung gestellt. Die Pressesprecherin des Landratsamts Augsburgs Kerstin Zoch erklärt, dass sich das Ende von Kessler schon vor dem vorläufigen Insolvenzverfahren abgezeichnet habe: „Mitarbeiter von Kessler hatten sich schon frühzeitig an die Stadt Bobingen gewandt.“

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Die Stadt habe daraufhin die Wirtschaftsförderung des Landkreises und die Agentur für Arbeit auf den Plan gerufen. So standen die drei Institutionen bereits während des vorläufigen Insolvenzverfahrens in Kontakt. Nachdem Insolvenzverwalter Albert Wolff in einer Betriebsversammlung die Schließung bekannt gab, saßen laut Ruhrmann ein Zimmer weiter schon sechs Berater der Agentur für Arbeit. Die Kessler-Mitarbeiter seien laut Zoch zu keiner Zeit „in ein Loch gefallen“ oder wurden allein gelassen. Mit allen Beschäftigten des Bobinger Unternehmens werden „zeitnah Einzelberatungsgespräche“ geführt, die Chancen stehen laut Ruhrmann aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation gut, dass sie „zeitnah wieder eine Stelle finden“.

Agentur für Arbeit ist zuversichtlich

Bei den Gesprächen geht es unter anderem um Weiterqualifizierungen, auch Eingliederungszuschüsse für neue Arbeitgeber seien möglich. Ruhrmann ist zuversichtlich gestimmt, dass auch ältere Betroffene eine neue Stelle finden. Der Landkreis selbst könne zwar niemanden einstellen, aber als Vermittler und Netzwerker könne er mit Kontakten zu regionalen Firmen weiterhelfen, sagt Zoch.

Das Insolvenzverfahren wurde mit dem Tag der Schließung eröffnet, erzählt eine Sprecherin des Amtsgerichts Dresden. „Der weitere Fortgang des Verfahrens wird mit dem Gläubigerausschuss, den beteiligten Sicherungsgebern, den Banken und Leasinggesellschaften, abgestimmt“, sagt Insolvenzverwalter Wolff. Die nächste Gläubigerversammlung findet am Mittwoch, 12. September, statt.

Firmengründer Caspar Kessler, der in unserer Redaktion vor einigen Wochen Vorwürfe gegen die neue Geschäftsführung erhob, möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zur Schließung des Unternehmens äußern.

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