Bundeswehr

03.11.2012

Tiger werden Panther

Bei besonderen Anlässen flogen die Lechfeld Tigers ohne Tarnanstrich, dafür mit einer Lackierung, die jedem zeigte, wer da kommt.
Bild: Bundeswehr

Erste Lechfeldstaffel aufgelöst. Tiger-Piloten fliegen künftig mit dem Panther aus Schleswig als Wappentier

Bobingen Medienvertreter waren nicht eingeladen, als vorige Woche die erste Staffel des Jagdbombergeschwaders 32 (JaboG 32) offiziell aufgelöst wurde. Aus einer Presseerklärung der Luftwaffe ist nun herauszulesen, dass der militärische Appell mehr als nur ein Routineakt im Zuge der Bundeswehrreform war.

Das Wappen der 1. Staffel war der Tiger und bei besonderen Anlässen flogen ihre Maschinen mit plakativen Sonderlackierungen, welche die Bisskraft der Raubkatze zeigte. Die traditionsreiche Lechfelder Tigerstaffel war von einer innigen, beinahe schon familiären Kameradschaft geprägt, sagen ihre Vertreter. Und nicht von ungefähr galt lange der Spruch: „Once a Tiger - always a Tiger!“ Einmal Tiger, immer Tiger.

Die Ironie des Schicksals schließt nun mit Teilen der Staffel einen Kreis. Die Geschichte des JaboG begann vor 54 Jahren mit einem Panther als Wappentier. Jetzt wechseln mehrere Mitglieder des JaboG nun zum Aufklärungsgeschwader 51 nach Schleswig. Und dieses fliegt wiederum mit dem Panther am Leitwerk.

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Internationale Begegnungen mit Wettbewerbscharakter

In dem halben Jahrhundert ihres Bestehens beteiligten sich die Angehörigen der ersten Lechfeldstaffel an unzähligen sogenannten Hochwertübungen – internationale Begegnungen mit Wettbewerbscharakter. Die Presseinformation der Bundeswehr erinnert außerdem: „Bei der erfolgreichen Beteiligung der Crews im Kosovokonflikt – der erste bewaffnete Kampfeinsatz deutscher Flugzeuge nach dem Zweiten Weltkrieg – und auch im Rahmen von Aufklärungsflügen über Afghanistan zeigten die Besatzungen, dass sie eine eingeschworene Fliegergemeinschaft sind.“

Ihrem Wappentier wurde die Staffel seit bald 20 Jahren ebenfalls auf internationaler Ebene gerecht. 1994 wurden die „Lechfeld Tigers“ zu einem „NATO Tiger-Meet“ nach Cambrai in Frankreich als Mitglied auf Probe eingeladen. Mit der zweiten Einladung nach Beja in Portugal erhielten die „Lechfeld Tigers“ die Gelegenheit, die Fähigkeit des damals neuen Tornado ECR zu demonstrieren. Die bei verschiedenen Übungen gezeigten Leistungen überzeugten alle teilnehmenden Nationen. Die NATO Tiger-Association nahm daraufhin die „Lechfeld Tigers“ 1996 als voll aktives Mitglied auf. Seitdem gehörte das in der Regel jährlich stattfindende „NATO Tiger-Meet“ zu einem begehrten Pflichtprogramm der 1. Staffel.

In Anlehnung an das Staffelwappen von 1958 bis 1961 entstand das aktuelle Abzeichen der 1. Jagdbomberstaffel. Hieraus leitet sich auch die Bezeichnung „Lechfeld Tigers“ ab.

Auslöser für die Auflösung der Staffel ist die gegenwärtige Bundeswehrreform. Auch die Luftwaffe nimmt dabei eine neue Struktur ein. Oberstleutnant Thomas Früh, Kommandeur der fliegenden Gruppe, erläuterte beim Appell: „Da das JaboG 32 mittlerweile kein Regenerationspersonal mehr erhalten hat, aber gleichzeitig viele Luftfahrzeugbesatzungen ausgeschieden sind beziehungsweise zu anderen Dienststellen oder Verbänden versetzt wurden, ist die Antretestärke bereits stark abgesunken und sinkt rapide weiter. Deshalb wurden in einem ersten Schritt Ende Mai Teileinheiten im Stab Fliegende Gruppe aufgegeben und die beiden Jagdbomberstaffeln ablauforganisatorisch zu einer fliegenden Staffel zusammengelegt.“ Und damit war auch das Ende der zweiten Staffel am Lechfeld besiegelt. Die „Monsters“ gibt es in ihrer alten Form ebenfalls nicht mehr.

Doch mit der offiziellen Auflösung der Staffeln ist der Flugbetrieb am Lechfeld noch nicht beendet, wie die abendlichen Nachtflugübungen für alle am Lechfeld hörbar vernehmen ließen. Der nächste Schritt der Reform wird am 15. November vollzogen. Dann gibt es den letzten Appell für das ganze Jagdbombergeschwader 32.

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