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Königsbrunn

14.06.2018

Wie die Grabungsfunde in die Ausstellung kommen

Fibeln und Schmuckgegenstände, die bei Ausgrabungen in Wehringen gefunden wurden, sind jetzt im Archäologischen Museum in Königsbrunn zu sehen.
Bild: Adrian Bauer

Königsbrunn lässt sich die Restaurierung der Wehringer Funde einiges kosten. Was die Stadt dafür bekommt, wurde jetzt vorgestellt.

Am kommenden Sonntag wird das Archäologische Museum bei der Eröffnung der Kulturellen Gautsch im Mittelpunkt stehen. Den Mitgliedern des Hauptausschusses wurde jetzt die letzte große Maßnahme vorgestellt: die Restaurierung der Schätze aus den frühmittelalterlichen Gräbern bei Wehringen, die jetzt in Königsbrunn ausgestellt werden.

Zwischen 2011 und 2016 hatten Archäologen auf dem Gelände eines neuen Gewerbegebiets zwischen Bobingen und Wehringen einige spannende Entdeckungen gemacht. Auf den zehn Hektar Land fanden sich menschliche Spuren aus der Zeit zwischen 4800 vor Christus und dem Mittelalter – von der römischen Via Claudia bis zu den besagten Grabstellen aus der Zeit der Merowinger. Die Gemeinde Wehringen hatte allerdings keine geeigneten Räume zur Verfügung, um die Fundstücke auszustellen. Deshalb sprang Königsbrunn ein. Im Gegenzug übernahm die Stadt einen Teil der Lohnkosten für eine Restauratorin, die beim Landesamt für Denkmalpflege angestellt wurde und die Fundstücke für die Nachwelt erhielt.

Toter Mann bekam seine Waffen und Schmuckkästchen

Ende Mai hatte Restauratorin Harriett Langewellpott ihre Arbeit abgeschlossen. Ihre Chefin, Diplom-Restauratorin Stephanie Gasteiger, erstattete den Ausschussmitgliedern jetzt Bericht. Die Höhepunkte der Ausgrabungen waren die Grabbeigaben, die die Hinterbliebenen ihren Verstorbenen für das Leben nach dem Tod mitgegeben hatten. Im Grab des Mannes wurden ein Schwert und mehrere kleinere Waffen gefunden, ebenso wie der Buckel eines Schildes, aber auch ein Kamm und Silberbeschläge, die wohl einst ein Kästchen geschmückt hatten.

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Bei der Frau fanden sich Ketten und Schmuckgegenstände, darunter eine ganz besondere Silberfibel, sagte Stephanie Gasteiger: „Diese zeigt Charakteristika, die man nur bei Gegenständen aus nordischer Fertigung findet und ist damit ein Beleg dafür, dass es Verbindung von hier nach Norddeutschland gab.“ Die Fundstücke aus Eisen mussten einer speziellen Konservierung unterzogen werden, um sie vor Korrosion zu schützen. Noch etwas mehr Arbeit war ein sogenanntes Scherbenpflaster. Die Forscher vermuten, dass es sich dabei um eine bronzezeitliche Opferstelle handelte. In diesen Stellen finden sich die Scherben zahlreicher Tongefäße. Diese mussten ebenfalls konserviert und sortiert werden.

Studenten forschen zu einem großen Bottich

Alle Gegenstände wurden nach wissenschaftlichen Standards lagerungsfähig gemacht, katalogisiert und archiviert. Das gesamte Projekt lief über 17 Monate, die Stadt steuerte etwa 30000 Euro für die Aufarbeitung des neuen Teils ihrer Sammlung bei.

Die Forschung beschäftigt sich weiter mit dem Fund. Freiburger Studenten befassen sich in einer Masterarbeit mit den am besten erhaltenen Stücken. Dazu gehört ein Metallbottich mit 45 Zentimeter Durchmesser, der unbeschädigt im Grab des Mannes gefunden wurde. „Solch ein Fund ist wohl bislang einmalig. Wir sind gespannt, was die Freiburger Wissenschaftler weiter herausfinden“, sagte Bürgermeister Franz Feigl. Stephanie Gasteiger regte an, die Pflege des im Depot gelagerten Inventars weiterhin nicht zu vernachlässigen. Rainer Linke vom Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte mache hier eine gute Arbeit, doch die Depotpflege sei für die langfristigen Planungen ein wichtiger Punkt.

Termin Die neuen Funde werden am Sonntag, 17. Juni, ab 14 Uhr bei der Eröffnung der Kulturellen Gautsch im Rathaus präsentiert.

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