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Augsburger Panther

17.03.2021

AEV-Kapitän Brady Lamb: Nach der Pleite gegen Schwenningen krachte es

Brady Lamb, Kapitän der Augsburger Panther, richtet mahnende Worte an sein Team.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Brady Lamb spricht über die Zwischenbilanz der Panther, seine eigene Statistik, die Schwäche des AEV in Überzahl und eine Teamsitzung, in der laute Worte fielen.

Zehn Siege, 14 Niederlagen und lediglich der vorletzte Platz in der Südgruppe stehen nach der Doppelrunde in der Panther-Statistik. Wie beurteilt der Kapitän den ersten Saisonteil?

Brady Lamb: Wir sind nicht dort, wo wir sein wollten, nämlich unter den ersten Vier. Wir hatten einen schwachen Start mit vier Niederlagen und am Ende mussten wir ebenfalls kämpfen. Deshalb kommt die kurze Pause jetzt vor den Gruppenspielen mit dem Norden zum richtigen Zeitpunkt. Wir müssen kurz regenerieren und dann angreifen.

Sie konnten gegen die Spitzenteams Mannheim und München gewinnen, kassierten jedoch gegen den Vierten Schwenningen drei Niederlagen in vier Duellen. Wie ist das zu erklären?

Lamb: Da sind wir wieder bei der ersten Frage: Uns hat die Konstanz gefehlt. Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, mit den stärksten Gegnern mitzuhalten, aber das haben wir nicht immer abgerufen. Das muss anders werden, wir dürfen nicht mehr so viel Punkte herschenken.

Die Südgruppe mit Mannheim, München und Ingolstadt sehen Experten stärker als den Norden, in dem sich die Eisbären Berlin durchsetzten. Wie beurteilen Sie die Kräfteverhältnisse?

Lamb: Das werden wir jetzt erfahren. Die Topscorer des Nordens haben höhere Werte als die im Süden. Wir müssen den Fokus mehr auf unsere Defensive legen.

Antreiber, Torschütze und Kapitän der Augsburger Panther: Brady Lamb.
Foto: Siegfried Kerpf

AEV-Kapitän Brady Lamb: "Manchmal wollen wir zu viel"

Welche Erklärung haben Sie dafür, dass die Panther noch im Vorjahr eines der besten Powerplay-Teams stellten und nun auf den letzten Platz in Überzahl abgerutscht sind?

Lamb: Wenn es darauf eine einfache Antwort geben würde, hätten wir sie längst gegeben. Das hat auch mit unserer Konstanz zu tun. Wenn nicht jeder Spieler in jedem Match bereit ist, alles zu geben, dann schlägt sich das auch in unserem Überzahlspiel nieder. Manchmal wollen wir zu viel, passen ein Mal zu oft und verkrampfen dabei. Wir müssen zurück zu einem einfachen System finden: Den Puck aufs Tor schießen, dort müssen unsere Spieler dem Torwart die Sicht nehmen und auf Abpraller lauern. Wenn unser Powerplay funktionieren sollte, wäre das für uns ein großes Schritt in die richtige Richtung.

Mit 22:19 Minuten weisen Sie die durchschnittlich längste Eiszeit aller AEV-Spieler auf, haben vier Tore, sieben Vorlagen und -5 in der Plusminus-Statistik. Sind Sie zufrieden mit der eigenen Zwischenbilanz?

Lamb: Ich hätte lieber ein paar mehr Siege für unser Team auf dem Konto. Ich bin vielleicht nicht der beste Offensivverteidiger, aber in Überzahl könnte ich die Scheiben öfter aufs Tor bringen. Die Plusminus-Statistik erzählt nicht die ganze Wahrheit, aber mein Ziel ist es, in der Abwehr härter zu arbeiten und den Wert ins Plus zu drehen. Das hilft der Mannschaft.

Lamb: Jeder muss seinen Beitrag in seiner Rolle spielen

Nach dem 0:5 gegen Schwenningen hat es eine Aussprache innerhalb der Mannschaft gegeben, in der auch laute und deutliche Worte gefallen sind. Was wurde gesprochen?

Lamb: Es ging nicht um unseren Matchplan, sondern darum, dass jeder in den Spiegel schauen muss und sich fragen muss, ob er wirklich alles für die Mannschaft tut. Wir müssen nicht in Panik verfallen, es sind noch genügend Partien zu spielen. Wir können es uns nicht leisten, dass Spieler einen Einsatz, ein Drittel oder ein Spiel lang eine Auszeit nehmen. Jeder muss seinen Beitrag in seiner Rolle spielen: Tore schießen, checken oder Schüsse blocken. Es ist Zeit, an die Arbeit zurückzukehren.

Statistiken besagen, dass die Panther im Vergleich zu anderen Teams im letzten Drittel vergleichsweise wenige Tore schießen. Hat die Mannschaft ein konditionelles Problem?

Lamb: Körperlich sind wir in einer guten Verfassung. Es ist eher ein mentales Problem. Wir müssen mehr Widerstand zeigen nach einem schwachen Wechsel oder nach einem Gegentor. Es hat uns immer ausgezeichnet, dass wir nicht aufgesteckt haben und wirklich über 60 Minuten marschiert sind. Dorthin müssen wir zurückkommen. Es geht darum, die Chancen zu effektiver zu verwerten. Ein funktionierendes Powerplay wäre sehr hilfreich, um das Momentum auf seine Seite zu ziehen. Aber wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen, wenn das Überzahlspiel nicht wie gewünscht funktioniert.

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Foto: Www.imago-images.de

Die Corona-Saison ohne Zuschauer und mit mindestens drei Tests pro Woche ist weit fortgeschritten. Gewöhnen Sie sich an die komplett andere Eishockey-Zeit oder sind Sie genervt?

Lamb: Beides. Einerseits gewöhnt man sich an die neue Situation in der Umkleide und im Umfeld. Aber natürlich vermissen wir unsere Fans, insbesondere im Curt-Frenzel-Stadion. Wir erzählen unseren Neuzugängen, dass bei einem Derby gegen München oder Ingolstadt hier die Hölle los wäre. Aber das kann man nicht beschreiben, wie enthusiastisch unsere Anhänger sind und wie laut es hier werden kann. Das muss man erleben. An die permanenten Tests gewöhnt man sich. Auch daran, dass es in der Kabine viel strenger zugeht. Aber das Nervigste ist, dass es schwierig ist, ein Mannschaftsgefühl aufzubauen. Nach dem Training zusammen essen zu gehen oder auf einen Kaffee, das fehlt. Oder unser Sommerturnier in Südtirol. Dort finden wir zusammen. Wir Panther können nicht auf starke Einzelkönner bauen, sondern der Mannschaftsgeist hat uns über Jahre ausgezeichnet. Dieser Teamspirit kann in Corona-Zeiten nur schwer erzeugt werden.

Üblicherweise sind im März längst die Verträge der deutschen Spieler oder der stärksten Ausländer verlängert, bisher hört man nichts. Wie groß ist die Unsicherheit bei den Spielern?

Lamb: Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher als die Rückkehr zur Normalität. Aber keiner weiß, wann das passiert. Es ist keine einfache Situation für die Klubbesitzer, denn sie kennen ihr Jahresbudget nicht, wissen nicht, wann und wie viele Zuschauer wieder zugelassen werden. Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, eine Mannschaft zusammenzustellen. Andererseits könnten wieder viele Profis auf dem Markt und die Unsicherheit bei den Spielern groß sein.

Kehren Sie nach Ihrer Beinverletzung im Spiel am Sonntag bei den Eisbären Berlin wieder ins Team zurück?

Lamb: Ich bin am Dienstag zum ersten Mal wieder Schlittschuh gelaufen. Ich versuche alles, aber es könnte eng werden. Wir müssen alle fit sein, denn das Programm mit 14 Punktspielen in nur 28 Tagen hat es in sich. Das wird einen Monat lang Play-off-Hockey.

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