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Neue DEL-Saison: Das kluge Zögern der Augsburger Panther

Kommentar Von Milan Sako
17.11.2020

Plus Vor wenigen Wochen schien ein Start der Augsburger Panther nicht realistisch. Jetzt sagt der Klub ja zur DEL. Warum es klug war, so lange zu rechnen.

Indianern und Eishockey-Profis gilt eines gemeinsam: Sie kennen keinen Schmerz. Aus Augsburg ist überliefert, dass Verteidiger Arvids Rekis mit dem Kopf unter dem Arm zwei Stunden vor Spielbeginn im Curt-Frenzel-Stadion auftauchte und an seinem Platz die Schlittschuhe inspizierte. Auf die Frage des damaligen Trainers „Iron Mike“ Stewart, selbst mit über 100 Stichen im Gesicht keine Sisi, was er denn hier wolle, antwortete der mit stoischer Ruhe gesegnete Lette: „Spielen, was sonst?“. Stewart kam der Fürsorgepflicht für sein tapferes Schäfchen nach und schickte den mehrfachen Olympia- und WM-Teilnehmer nach Hause.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Augsburger Curt-Frenzel-Stadion, gefüllt mit tausenden Zuschauern. Die Realität sieht im Moment anders aus, gerade einmal 20 Prozent Zuschauerauslastung sind erlaubt. Zu wenig, sagen die Klubs.
Bild: Ulrich Wagner

Kein gebrochener Knöchel, verdrehter Arm oder gesplitterter Daumen konnte den Kämpfern in der dicken Montur den Garaus zu machen. Doch das zwei Nanometer winzige Coronavirus schien ein schier unüberwindlicher Gegner.

Alle 14 Vereine der DEL gehen wohl am 18. Dezember an den Start

Lange zögerten die Eishockey-Bosse den Saisonstart hinaus. Von Mitte September über November sind die Eishackler jetzt in der Vorweihnachtszeit gelandet. Neun Monate lang dauert nun schon die Pause der deutschen Eliteklasse, die Anfang März wenige Stunden vor den Play-offs freiwillig in den Lockdown gegangen war. Am Donnerstag will die Deutsche Eishockey-Liga nun entscheiden ob alle 14 Klubs am 18. Dezember loslegen. Aller Voraussicht nach ohne Zuschauer. Es sieht danach aus, dass alle 14 Vereine an den Start gehen.

Konkurse gab es genügend, auch Augsburg hat seine Lehren gezogen

Kritiker argumentierten, dass die Puck-Branche zu lange gezögert hat. Die Argumente: Die DEL sei nicht kreativ genug, jammere nur und hoffe auf staatliche Hilfen aus dem Corona-Topf der Bundesregierung. Im Profi-Fußball mit seinem enormen finanziellen Potenzial kann man sich offenbar ausgiebige Testreihen und aufwendige Hygienekonzepte leisten. Doch schon ein Blick in den Handball oder Basketball zeigt die Schwierigkeit, vor die das Virus die Sportarten stellt.

Drew LeBlanc wird auch in den kommenden beiden Spielzeiten für die Augsburger Panther auflaufen.
29 Bilder
Der bisherige AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

Zahlreiche Bundesliga-Partien sind in den Ballsportarten bereits ausgefallen und es droht das Spielplan-Chaos. Auch finanziell wird der eine oder Verein im Basketball oder Handball über kurz oder lang auf der Kippe stehen. Diese Erfahrungen hat die Eishockey-Branche vor zwanzig oder dreißig Jahren ausreichend gemacht. Nach Gründung der Deutschen Eishockey-Liga 1994 gingen gleich mal die als Meister gestarteten Mad Dogs aus München vor die Hunde. Oder die Adler Kaufbeuren stürzten ab, weil der ESVK zwar haufenweise Tradition, aber wenig Geld zu bieten hatte.

Augsburger Panther rechnen erst und specken ihren Saisonetat ab

Jetzt hat die DEL erst gründlich gerechnet, bevor sie sich in eine Saison ohne Zuschauer begibt, die sonst so essenziell für diese Sportart sind. In Augsburg ist der Saisonetat von ursprünglich geplanten sieben Millionen auf nun rund 2,5 Millionen mehr als halbiert worden.

Die Spielzeit wird mit einem gedrängten Spielplan und wahrscheinlichen Corona-Fällen in den mit 25 Spielern vergleichsweise großen Kadern genügend Abenteuer bieten. Pannen sind in Corona-Zeiten vorprogrammiert, aber zumindest Pleiten will die DEL nicht riskieren.

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