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Augsburger Panther

30.10.2019

Tölzer und Moeser im Interview: "Jeder Rekord wird einmal gebrochen"

Steffen Tölzer ist Kapitän der Augsburger Panther und ab Freitag alleiniger Rekordspieler des Klubs.
Bild: Siegfried Kerpf

Plus Steffen Tölzer wird am Freitagabend in Ingolstadt Duanne Moeser als Rekordhalter ablösen. Ein Gespräch über Treue, alte Zeiten, neue Trends und die Bedeutung von Bestmarken.

Herr Tölzer, können Sie sich noch an Ihr erstes Pflichtspiel für die Augsburger Panther erinnern?

Steffen Tölzer: Ich glaube, das war gegen Berlin in den Play-offs. Benoit Laporte war noch Trainer. Oh Mann, das ist lange her. Nein, halt. Das war schon die zweite Saison. Mein erstes Spiel war ja in der Saison 2003/04. Da ging es am Ende um nichts mehr und ich durfte noch drei Spiele machen.

Wie haben Sie damals erfahren, dass Sie bei den Profis spielen dürfen?

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Tölzer: Da bekommst du einen Anruf und der Trainer sagt dir, dass du heute dein erstes DEL-Spiel machst. Man hat ja schon bei den Profis trainiert und auf einen Einsatz spekuliert. Die Freude ist natürlich riesig.

Herr Moeser, wie war Ihr erstes Spiel?

Duanne Moeser: Keine Ahnung. Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich dafür an mein erstes Spiel in Augsburg erinnern, damals noch mit Sonthofen. Wir sind spät am Stadion angekommen und mussten oben aussteigen, die Treppen runterlaufen durch die ganzen Fans in die Kabine. Und ich weiß noch meine erste Trainingseinheit dann in Augsburg im August 1989. Aber von dem ersten Spiel weiß ich nichts mehr.

Duanne Moeser ist den Panthern bis heute treu geblieben.
Bild: Ulrich Wagner

Anders gefragt: Welches Ihrer 705 Spiele für die Panther ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?

Moeser: Das letzte Punktspiel in meiner letzten Saison weiß ich noch. Wir mussten gewinnen, um in die Play-offs zu kommen. Das war gegen Iserlohn und ich habe das Siegtor geschossen. Oder in der Saison 95/96, als wir Schwenningen rausgehauen haben. Wir waren Zwölfter und sie Fünfter. In einem Spiel sind wir nach Rückstand wieder zurückgekommen und haben in der Verlängerung gewonnen. Ansonsten ist es schwer, ein Spiel herauszupicken. Wir hatten so viele harte Phasen in diesen Jahren. Damals war viel mehr Negatives, durch das wir uns kämpfen mussten. Die Saison 1995 haben wir furchtbar angefangen. In den ersten 18 Spielen habe ich kein Tor geschossen. Es hat nichts zusammengepasst. Erst Ende November haben wir angefangen, Spiele zu gewinnen. Oder 1999 das 0:10 in München, wo wirklich gar nichts mehr gegangen ist. Das war ein Spiel, das war einfach nur furchtbar. Die Einstellung jedes einzelnen Spielers war falsch. Ich glaube, Tölzi kann da eher ein paar Spiele finden, die richtig geil waren. 2010 zum Beispiel oder vergangenes Jahr.

Tölzer: Oder in der Champions Hockey League.

Moeser: Solche Sachen stechen heraus, das gab es zu meiner Zeit noch nicht.

Aber das steht ja auch sinnbildlich für die Entwicklung des Vereins.

Tölzer: Das stimmt. Ein Highlight war natürlich 2010 das Halbfinale gegen Wolfsburg. Ausverkaufte Hütte. Alle sind komplett durchgedreht, als wir das Finale klargemacht haben. Das war gefühlt schon so, als wenn wir Meister geworden wären. Keiner hatte damals mit uns gerechnet, aber wir hatten einfach einen Lauf. Tja, und dann kam halt Hannover. Das war dann das Deprimierende an der Geschichte. Wir sind in drei Spielen raus. So ein Finale will keiner spielen.

Gegen eine Mannschaft, die vermutlich der schlechteste Gegner in den Play-offs damals war.

Tölzer: Gegen die hätten wir eigentlich am ehesten gewinnen können.

Moeser: Ich sage, es wäre besser gewesen, wenn wir das entscheidende Spiel gegen Wolfsburg in Wolfsburg gewonnen hätten – und nicht hier in Augsburg. Hier wurde gefeiert, als seien wir schon Meister geworden.

Tölzer: Im Finale musst du ja eigentlich noch einmal einen draufsetzen, und das war schwer. Dazu kam, dass Hannover ein System gespielt hat, das uns gar nicht lag. Die standen mit vier Leuten hintendrin, damit sind wir nicht zurechtgekommen.

In 705 Ligaspielen für Augsburg schoss der Stürmer Moeser 269 Tore. Unser Bild stammt aus dem Jahr 1997.
Bild: imago/Oliver Behrendt

Aber grundsätzlich hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wie würden Sie den Trend beschreiben?

Moeser: Das ist wie auf dem Aktienmarkt. Es gibt immer Höhen und Tiefen, aber die Trendlinie geht nach oben. Ganz wichtig war natürlich der Umbau des Stadions. Wir entwickeln uns ständig weiter. Auf dem Eis, aber auch abseits des Eises. Das Umfeld mit den Trainern, Fitnesscoach, Ernährungsberater, Mentaltrainer und so weiter. Oder auch wenn man sich den Kader anschaut. Gegen Ende meiner Karriere hatten wir Ende August oft noch nicht alle Spieler beisammen. Das war furchtbar. Wir haben das Sommertraining mit einer halben Juniorenmannschaft angefangen. Inzwischen ist das alles anders geworden. Ich glaube, wir haben viel Gutes gemacht in den vergangenen Jahren. Vor allem durch den Stadionumbau haben wir die Möglichkeit, bessere Spieler nach Augsburg zu holen und auch hier zu halten. Jetzt sehen wir eine Kontinuität bei Spielern, wo wir früher keine Chance hatten. Das zeigt auch, dass Augsburg ein Top-Standort für Eishockey ist.

Eine Konstante ist Lothar Sigl, den Sie beide als Chef haben. Welchen Anteil hat er an dieser Entwicklung?

Tölzer: Einen sehr großen natürlich. Er zieht die Fäden, aber es gehören natürlich sehr viel mehr Leute dazu. Man spricht ja immer von der Panther-Familie – die gibt es wirklich. Egal, wo du hingehst, man kennt und grüßt sich. Es ist ein kleiner Kern und der arbeitet perfekt zusammen. Das macht uns aus.

Moeser: Ohne Lothar wären die Augsburger Panther nicht das, was sie jetzt sind. Er ist das Gesicht der ganzen Organisation. Er hat alles zusammengehalten in den 33 Jahren, die er das schon macht.

Zurück zum Thema Rekordspieler. Herr Moeser, hätten Sie gedacht, dass Ihre Bestmarke einmal geknackt werden könnte?

Moeser: Klar. Jeder Rekord wird irgendwann einmal gebrochen. Irgendwann wird auch einer den Punkterekord von Wayne Gretzky brechen.

Ist es Ihnen egal, dass Sie diese Bestmarke in Kürze los sind?

Moeser: Das ist mir eigentlich egal. Ich freue mich für Tölzi. Ich schaue gerne zurück, aber ich bin inzwischen eine andere Person. Ich bin nicht mehr der Eishockey-Profi. Die Zeit war super. Du spielst und spielst und spielst. Irgendwann ist es vorbei und du denkst dir: Hey, da ist ja einiges zusammengekommen.

Die Frage auch an Sie, Herr Tölzer: Was bedeutet Ihnen der Titel Rekordspieler?

Tölzer: Ich bin einfach nur froh, dass ich schon so lange hier spielen darf. Man merkt es an der Liga, wo jeder ständig wechselt. Auch ich war schon in der Versuchung, irgendwo anders hinzugehen. Aber ich bin froh, dass ich immer geblieben bin. Klar gibt es Höhen und Tiefen, aber es entwickelt sich immer weiter hier. Es macht richtig Spaß.

AEV-Kapitän Steffen Tölzer (links) wird Sportmanager Duanne Moeser bald als Rekordspieler überflügeln.
Video: Florian Eisele

Wann wäre es denn fast so weit gewesen, dass Sie gegangen wären?

Tölzer: Sobald ein Vertrag ausläuft, gibt es eigentlich immer die Situation, dass man sich mit anderen Teams unterhält. Und manchmal gibt es Angebote, die echt lukrativ sind. Das beruhigt einen ja auch als Spieler und zeigt eine Wertschätzung der eigenen Leistung. Aber ich habe mich immer für Augsburg entschieden. Das habe ich früh im Leben gelernt: Da, wo man sich wohlfühlt, kann man auch die besten Leistungen abrufen.

Wäre der Duanne Moeser von damals auch heute noch ein Torjäger?

Moeser: Wenn ich heute spielen würde, wäre ich natürlich auch fitter und ich hätte auch einen Schläger, mit dem man 150 Stundenkilometer schnell schießen kann. Ich wäre mitgewachsen. Heute wie damals muss man bereit sein, alles zu geben.

Wären Sie heute gerne Profi?

Moeser: Oh ja! In den 15 Jahren, in denen ich nicht mehr dabei bin, war die Weiterentwicklung extrem. Heute, das ist ein Traum für die Jungs. Wenn ich sehe, was die im Sommer alles machen. Jeden Tag haben die einen Fitnesscoach dabei.

Tölzer: Das stimmt schon. Wenn heute einer nicht fit ist, ist er faul. Es gibt keine Ausreden mehr. Der Fitnesscoach sagt dir genau, was du trainieren musst. Das war früher nicht so. Als ich angefangen habe, habe ich geschaut, was Duanne trainiert hat. Und das habe ich dann eben auch gemacht. Da hat dir keiner gesagt, was richtig oder falsch ist. Jetzt steckt da richtig Fachwissen und Manpower dahinter. Das ist schon irre. Deshalb kann man es einfach schwer vergleichen, wie die Jungs damals gespielt haben und wie heute gespielt wird.

Was allerdings ähnlich geblieben ist, ist die Tatsache, dass im Eishockey ein reger Wechsel beim Personal stattfindet. Haben Sie eine Vorstellung, mit vielen Kollegen Sie im Laufe Ihrer Karriere zusammengespielt haben?

Moeser: Ich müsste mal die Nummern in meinem Handy durchzählen, da habe ich alle Namen der letzten 20 Jahre drin.

Tölzer: Ich gehe immer am Anfang einer Saison durch die Kabine und sammel von jedem eine Autogrammkarte ein. Die kommen dann in einen Ordner. Ich müsste da mal durchzählen, mit wie vielen Jungs ich zusammengespielt habe.

Seine gesamte bisherige Profi-Karriere hat der Verteidiger Steffen Tölzer für die Panther absolviert.
Bild: Ulrich Wagner

Moeser: Ich habe teilweise schon nach zwei Jahren vergessen, wer da alles in der Kabine war.

Tölzer: Ist schon verrückt, wie viel da zusammenkommt.

Gibt es einen, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Moeser: Es war schön, mit Jaroslav Pouzar zusammenzuspielen, der 1990/91 in Augsburg war. Mit einigen pflege ich immer noch Freundschaften, André Faust zum Beispiel. Du hast immer ein, zwei Jungs, die mehr sind als nur Teamkollegen. Einer von den verrücktesten Vögeln war wahrscheinlich Brendan Yarema, auch wenn ich mit dem nicht mehr zusammengespielt habe.

Tölzer: Der war schon extrem lustig, wie ein Clown. Aber wir hatten einige Klassiker. Auch ein Manuel Kofler zum Beispiel, ein Chaot – herrlich. Hat immer Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuspielen.

Trainer sind auch einige gekommen und gegangen. Welcher hat Sie am meisten geprägt?

Tölzer: Ich hatte ja eher wenige, weil Larry Mitchell so lange hier war. Tray Tuomie ist mein siebter Trainer. Es ging mit Benoit Laporte los, dann gab es ein paar zügige Wechsel. Laporte war schwierig. Der hat mir gleich gesagt, wie das Business funktioniert. Da habe ich gelernt: ,Du bist zwar besser, aber ich kann dich nicht spielen lassen. Den anderen habe ich geholt, der verdient mehr, also muss ich den fit bekommen.‘ Es war hart, aber es hat mich geprägt. Wenn du da nicht untergehst, wirst du automatisch besser. Und Laporte konnte klar trennen zwischen auf dem Eis und neben dem Eis.

Laporte hat Ihnen also den Sprung ins Profi-Eishockey ermöglicht?

Tölzer: Ja. Ich habe unter ihm einen Fuß in die Tür bekommen. Aber du hast es im Eishockey nie geschafft. Auch heute nicht. Du kannst dich nicht ausruhen. Wenn du zum Spiel gehst und denkst, du bist ja sowieso gesetzt – das funktioniert nicht. Bringst du keine Leistung, wirst du nicht spielen.

Moeser:Ich hatte elf oder zwölf Trainer in 15 Jahren. Jeder hatte seinen eigenen Stil. Mit Benoit Laporte habe ich noch Kontakt, den hatte ich ganz gern. Er hatte einen Plan und hat auch neben dem Eis schon sehr fortschrittlich gearbeitet. Aber nicht jeder ist mit ihm klargekommen.

Ist es heute für junge Spieler leichter oder schwieriger, den Sprung ins Profi-Eishockey zu schaffen?

Tölzer: Leichter ist es nicht. Aber die Jungen bekommen heute mehr. Früher gab es kein Auto, keine Wohnung. Da durftest du froh sein, das Trikot zu tragen. Das ist heute anders. Dafür bekommen sie aber auch mehr Verantwortung.

Moeser: Heute ist es für die jungen Spieler mehr wert, Eishockey-Profi zu werden. Die Aussichten sind viel besser. Jeder 15-Jährige will heute in der NHL spielen. Damals wolltest du es nur in die erste Mannschaft schaffen. Es gibt heute 17- oder 18-Jährige, die in Top-Teams eine tragende Rolle spielen. Wir wollen junge deutsche Spieler in der Liga haben. Der Nachwuchs ist uns wichtig. Es ist eine spannende Zeit für junge deutsche Spieler.

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