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FC Bayern

05.04.2020

Plötzlich wichtig: Der neue Marktwert des Hansi Flick

Der Vertrag von Bayern-Trainer Hans-Dieter Hansi Flick wurde bis 2023 verlängert.
Bild: Lg

Hansi Flick ist einer der entscheidenden Faktoren für die mittelfristige Zukunft des FC Bayern. Das zeigt sich unter anderem in der Laufzeit seines Vertrags.

Unerhört, was sich Robert Lewandowski, Serge Gnabry und Thomas Müller an dem 9. November des vergangenen Jahres herausgenommen hatten. Die drei liefen an jenem Samstagabend die Dortmunder Defensivspieler von Beginn an mit einer Vehemenz an, dass ihnen nach einer halben Stunde zwangsläufig die Zunge bis zur Grasnarbe hängen musste. Dazu noch die bemitleidenswerten Mittelfeld- und Abwehrspieler der Münchner, die ja allesamt schleunigst aufrücken mussten, um die großformatigen Löcher zu stopfen, die sich zwangsläufig im Rücken des Offensivtrios auftaten. Bemerkenswert: Offenbar war jene konditionelle Ressourcenverschwendung vom Trainer genau so gewollt.

Hansi Flick hatte erst wenige Tage zuvor das Amt von Niko Kovac übernommen, nachdem sich die Mannschaft beim 1:5 in Frankfurt hilflos präsentiert hatte. Kovac hielt sein Team nicht für fähig, den Gegner dauerhaft unter Druck zu setzen. "Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen", sagte der Trainer vor einem Pokalspiel gegen Bochum.

Flick hat keine Angst, dass der Motor platzt

Flick ließ nun also von der ersten Minute an das Gaspedal durchdrücken. Rein in den roten Bereich und dann halten. Es war eine Frage der Zeit, bis der Motor platzen würde. Er ging aber nicht hoch. Ganz offensichtlich waren die Spieler glücklich, endlich die PS auf die Straße zu bringen. Die Dortmunder konnten sich am Ende glücklich schätzen, die Heimreise lediglich mit einem 0:4 im Gepäck anzutreten.

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Kurzfristige Effekte sind schon häufiger nach Trainerwechseln beobachtet worden, weshalb sich die Münchner aus verständlichen Gründen zierten, Flick schnell einen langfristigen Vertrag anzubieten. Dass der 55-Jährige am vergangenen Freitag nun einen bis 2023 laufenden Kontrakt unterschrieb, ist begründet in jenen Spielen, welche die Münchner der Dortmunder Demontage folgen ließen.

Flick gewann einfach immer weiter. Bewies nach zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach, dass er es versteht, gelassen mit unerwarteten Rückschlägen umzugehen. In 21 Spielen holte er 18 Siege und verlor nur zwei Mal. Je häufiger er gewann, desto leiser wurden die Rufe nach Wenger, Mourinho, Tuchel oder ten Hag. Als Flick in der Liga einen Sieben-Punkte-Rückstand in einen vier Zähler großen Vorsprung verwandelte, war klar, dass jener edle Kugelschreiber zum Einsatz kommen würde, den Karl-Heinz Rummenigge Flick nach dem 3:0 beim FC Chelsea geschenkt hatte.

Ehe Flick sein komplettes Cheftrainer-Gehalt bezieht, vergeht aber mindestens ein Montag. Im April verzichten Spieler und Führung des Vereins noch auf 20 Prozent ihres Einkommens. "Mit dem Geld ist gewährleistet, dass kein normaler Angestellter beim FC Bayern weniger netto in der Tasche hat", sagte Karl-Heinz-Rummenigge der Bild. Sollte Flick seinen Vertrag erfüllen, wäre in den vergangenen 30 Jahren lediglich Ottmar Hitzfeld (1998 bis 2004) länger Coach der Münchner. Die reine Vertragsdauer sagt freilich nichts darüber aus, ob es Flick vergönnt ist, sie komplett als Münchner Trainer zu erleben. Allerdings geht er die Aufgabe mit jenem Selbstbewusstsein an, dass für diese exponierte Stellung unerlässlich ist. "Wir haben zusammen die Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt", lässt sich Flick in der Pressemitteilung bezüglich seiner Vertragsverlängerung zitieren. Flick war vor der Saison als Co-Trainer verpflichtet worden. Nun ist er maßgeblich bei der Ausrichtung des größten deutschen Fußball-Klubs. Der nette Hansi weiß seinen Marktwert gut einzuschätzen.

Flick überzeugt die Bayern-Bosse mit Expertise und Empathie

Was ihn so wertvoll macht, ist neben seiner fußballerischen Expertise ein empathischer Zugang zu seinen Spielern. Unter ihm entwickelte sich der von Kovac kaum benötigte Thomas Müller zurück zu jenem Kreativ-Hasardeur, den sämtliche Abwehrreihen fürchten. Sogar der ungewollt in München gestrandete Jérôme Boateng stabilisierte sich so weit, dass die bayerische Abwehr wieder die beste der Liga ist und er sogar Muße findet (wie im letzten, fast vergessenen Spiel, gegen Augsburg) Tore mit seinen präzisen Zuspielen vorzubereiten.

Ab Montag darf er wieder mit Kleingruppen auf dem Feld trainieren. In Vierer- und Fünfer-Gruppen üben die Spieler mit Rasen unter den Füßen. Dabei soll penibel darauf geachtet werden, dass sich die einzelnen Gruppen nicht begegnen. Das von Flick präferierte Spieltempo legt nahe, dass die Einheiten schweißtreibend werden. Geduscht wird allerdings erst zu Hause.

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