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Finningen

27.03.2016

Das Saxofon spielt bei ihr die erste Geige

Die Finningerin Eva Sing hat es ins Polizeiorchester geschafft. Die 21-Jährige spielt dort als erste Tenor-Saxofonistin.
Bild: Tobias Epp

Eva Sing musiziert seit der dritten Klasse mit dem Blasinstrument. So gut, dass sie nun hauptberuflich im bayerischen Polizeiorchester angestellt ist.

11. Dezember 2015. Das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen. Eva Sing lacht. Diesen Tag wird sie nie vergessen. Wochenlang hat sie sich darauf vorbereitet. „Das war ganz schön aufregend. Aber es hat sich ja gelohnt und das habe ich nicht erwartet“, sagt sie bescheiden. Denn an diesem Tag in der Adventszeit hat es die Finningerin geschafft, eine internationale Fachjury und eine starke Konkurrenz von sich zu überzeugen – und das gleich drei Mal. Sie war mit ihrem Saxofon angetreten zum Vorspielen beim bayerischen Polizeiorchester. Zwei Durchgänge spielte sie hinter einem Vorhang, um neutral bewertet werden zu können. Beim dritten Vorspiel musste sie ein ihr unbekanntes Stück vor der Jury präsentieren. Eva Sing war so gut, dass sie nun seit 1. Februar ganz offiziell Mitglied des Polizeiorchesters ist. Sie spielt die erste Tenor-Saxofonistin. Mit 21 Jahren. „Ich freue mich sehr darüber. Ich bin ganz glücklich, dass ich mit meiner Musik beruflich untergekommen bin.“

Schon früh, erzählt die Finningerin, war ihr klar, dass sie mit ihrer Musik, ganz speziell mit dem Saxofon, beruflich etwas machen möchte. Seit der dritten Klasse ist das Instrument ihre Leidenschaft, wie sie sagt. Die 21-Jährige nahm Unterricht, spielte unter anderem bei der Stadtkapelle Wertingen und nahm schnell an zahlreichen Wettbewerben teil – und sahnte dabei beste Platzierungen und Preise ab. „Es war recht schnell klar, dass ich mit dem Saxofon Erfolg haben könnte“, erinnert sie sich und wird ein wenig rot dabei. Sie ist bescheiden und geht bescheiden mit ihrem Erfolg um, wie Mama Christine sagt. Die Familie hat die Tochter früh unterstützt und ihr auch die Wahl gelassen, was sie nach dem Fachabitur am musischen Zweig der Montessori-Schule in Wertingen macht. Für Eva Sing war klar: „Es ist die Musik.“

Ein Jahr lang bereitete sie sich auf die Aufnahmeprüfungen für das Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg vor und schaffte diese auch. Aktuell ist sie im fünften Semester, unterrichtet gleichzeitig an einer Musikschule und ist seit wenigen Wochen hauptberuflich im Polizeiorchester angestellt. Langweilig wird es der 21-Jährigen gerade nicht. „Ich kann das alles sehr gut parallel machen und bin auch froh darum. Ich darf unterrichten und trotzdem selbst Saxofon spielen. Das ist es, was ich mir gewünscht habe.“ Beim Polizeiorchester – ein entsprechendes Führungszeugnis war übrigens unter anderem ein Einstellungskriterium – arbeitet sie hauptberuflich. Das ist schon deshalb eine Besonderheit, weil es für Saxofonisten in Deutschland nur wenige Plätze in einem professionellen Blasorchester gibt, wie Eva Sing erklärt.

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Die Studentin wohnt in Augsburg und pendelt zu den Proben nach München. Die finden in der Kaserne statt, dort hat sie auch eine Matratze und ein Bett. „Das ist manchmal ganz praktisch, wenn wir nachts von Auftritten kommen“, sagt sie. Das Orchester trifft sich immer mittwochs und donnerstags, nach Bedarf auch freitags. Geprobt wird den ganzen Tag, die Wochenenden oder Feiertage sind mit Konzerten belegt. Circa hundert Auftritte haben die Musiker des Polizeiorchesters, bei dem übrigens gerade noch drei oder vier „richtige“ Polizisten mitspielen, wie die 21-Jährige verrät. Alle anderen sind professionelle Musiker, die die bayerische Polizei öffentlich vertreten – in Uniform und mit Ausweis.

An den freien Tagen liegt das Saxofon bei Eva Sing auch nicht in den Ecken. Im Gegenteil. Sie erzählt, dass sie täglich bis zu drei Stunden probt. Das sei wichtig. Der Nachwuchs beziehungsweise die Konkurrenz sei so stark, man müsse immer am Ball bleiben. Aber das macht ihr nichts aus, wie sie erzählt. Das Saxofon ist ihre Leidenschaft. „An der Musik bin ich hängengeblieben“, sagt sie und lächelt. Daneben schlägt ihr Herz noch für die Reiserei – umso weiter weg, desto besser. Zwar könne sie dann nicht üben, „aber am zweiten Tag ohne habe ich ein schlechtes Gewissen.“

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