Newsticker

Bund schlägt Ausschankverbot für Alkohol und Beschränkung auf 25 Personen bei privaten Festen vor
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Die Kirche bleibt im Dorf

05.10.2009

Die Kirche bleibt im Dorf

Region Wertingen Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Jahr 2008 bundesweit dramatisch angestiegen. Waren in den Jahren 2005 bis 2007 jeweils rund 90 000 Austritte zu verzeichnen, verließen 2008 über 121 000 Katholiken die Glaubensgemeinschaft. Ein Blick in die Region zeigt: Die Austritte sind eher ein städtisches und kein ländliches Problem.

Region Wertingen Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Jahr 2008 bundesweit dramatisch angestiegen. Waren in den Jahren 2005 bis 2007 jeweils rund 90 000 Austritte zu verzeichnen, verließen 2008 über 121 000 Katholiken die Glaubensgemeinschaft. Ein Blick in die Region zeigt: Die Austritte sind eher ein städtisches und kein ländliches Problem.

In der Stadt Gersthofen ist die Krise an den Austrittszahlen deutlich zu erkennen. "2007 hatten wir 30 Austritte, 2008 sogar 70", berichtet Stadtpfarrer Ralf Gössl. 2009 verringerte sich die Zahl der Austritte auf bisher 28. Ein Ende des Trends?

Wertingens Stadtpfarrer Michale sieht keinen Trend

Die Kirche bleibt im Dorf

In Wertingen sieht Stadtpfarrer Ludwig Michale keinen Trend. Bei rund 3 400 Katholiken treten jährlich durchschnittlich zehn aus. Zwölf Austritte im Jahr 2008 waren zwar zwei mehr als im Vorjahr - kein Vergleich zur hohen Zahl von 1992. Damals traten 20 Wertinger aus der katholischen Kirche aus. Zwar ist die Ansicht des Seelsorgers: "Jeder, der austritt, ist einer zuviel." Aber: "Nur selten gibt es eine Gesprächsmöglichkeit, bevor der Schritt gemacht wird." Das Pfarramt erhalte die Mitteilung lediglich vom Standesamt. Immer wieder fällt Pfarrer Michale dabei auf, dass die Neubürger die Anmeldung mit dem Kirchenaustritt verbinden. Eine Kontaktaufnahme danach sei nicht gewünscht, weiß er aus Erfahrung. "Wenn einige Zeit vergangen ist, überlegen sich manche diesen Schritt wieder." Damit weist der Pfarrer auf die Wiedereintritte hin, von denen zwei bis vier pro Jahr im Kirchenbuch der Pfarrgemeinde Wertingen verzeichnet sind.

In der Pfarreiengemeinschaft Bliensbach gibt es bei etwa 2 600 Gläubigen wenige Kirchenaustritte, jeweils fünf in den Jahren 2007 und 2008. Im laufenden Jahr sind es sechs - in sechs Pfarrgemeinden: Bliensbach, Hirschbach, Prettelshofen, Laugna, Osterbuch/Asbach und Modelshausen. In Prettelshofen trat beispielsweise 2009 eine Person aus der Kirche aus, in den beiden Vorjahren niemand.

Pfarrer Joseph Kaniamparambil findet trotzdem jeden Austritt schade. "Die Menschen haben die Taufe empfangen und wurden in die Gemeinschaft aufgenommen."

Anscheinend fühlen sie sich in dieser Gemeinschaft nicht wohl, folgert er. Ansonsten würde die Kirchensteuer wohl nicht die große Rolle spielen. Andere wiederum bedenken nicht die Folgen eines solchen Schritts, zum Beispiel: "Wer ausgetreten ist, kann nicht Pate bei einer Taufe sein."

In Unterthürheim halten sich die Austritte mit fünf bis zehn jährlich ebenfalls im Rahmen, berichtet Pfarrer Thomas Schilling. "Meistens sind es junge Leute, die ich nie gesehen habe", erklärt der Seelsorger, der seit September 2007 für die Pfarreiengemeinschaft zuständig ist. Bei den finanziellen Belastungen, die durch den Neubau eines Hauses auf die jungen Paare zukämen, würde eben auf dieser Seite gespart. Und der Austritt direkt beim Standesamt ist bequem: Niemand muss sich einen Grund überlegen.

Die evangelische Kirchengemeinde in Wertingen hat dieselben Erfahrungen mit Kirchenaustritten gemacht. "Ich schreibe die Leute dann an, und weise sie darauf hin, welche Folgen der Austritt hat", erläutert Pfarrer Johannes Schuster. Ebenso wie im katholischen Glauben reichen diese vom nicht mehr möglichen Patenamt bis zur kirchlichen Beerdigung. Auch er freut sich über jeden Wiedereintritt, auch wenn er erst später erfolgt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren