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14.10.2010

Hoher Ausländeranteil überrascht Bürgermeister

Dis Muslime in Gersthofen haben seit 2008 eine Moschee. Archivfoto: Merk

Landkreis Augsburg Menschen mit Migrationshintergrund sind derzeit das beherrschende Thema - auch im Landkreis, auch in Gersthofen. Dort ist der Anteil der Ausländer und von Menschen mit Migrationshintergrund sehr hoch. Dies überraschte sogar Bürgermeister Jürgen Schantin, als die Migrationsbeauftragte im Landratsamt, Julia Wörle, ihren Bericht im Hauptausschuss mit den Gersthofer Zahlen vorlegte.

Definition Als Menschen mit Migrationshintergrund gelten Ausländer (keine deutsche Staatsangehörigkeit), deutsche Staatsangehörige, die nach 1955 zugewandert sind oder deren Eltern oder ein Elternteil sich seither für ein permanentes Bleiben entschieden haben. Julia Wörle betont: "Ein hoher Ausländeranteil ist an sich nichts Negatives. Die Herausforderungen für die Kommunen und die Einwohner werden allerdings dadurch größer." Erfolge und Probleme der Integration seien auf kommunaler Ebene am deutlichsten zu spüren. "Die Kinder gehen in den Kindergarten oder zur Schule."

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Aufgabe sei nun, die Integration als ressortübergreifende Aufgabe in der Verwaltung der Gemeinde zu verankern. "Dies kann über Beauftragte aus dem Rathaus oder dem Stadtrat, aber auch über Menschen aus dem öffentlichen Leben geschehen." Außerdem müssten vor Ort die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Akteure besser eingesetzt werden. Das bedeutet, Vereine und Organisationen, Politiker und Unternehmen müssen zusammenarbeiten. Dazu gehört laut Julia Wörle, den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in den Verwaltungen zu erhöhen, aber auch deren bürgerschaftliches Engagement - beispielsweise in einem Ausländerbeirat - zu unterstützen.

Augsburger Land "Im Landkreis Augsburg mit seinen 239 898 Einwohnern leben 14 986 oder 6,24 Prozent Ausländer", so Julia Wörle. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liege hier bei zwölf bis 14 Prozent. "Wir können diese Werte nur schätzen, weil sie statistisch sehr schwer erfassbar sind." Schließlich hätten viele von ihnen einen deutschen Personalausweis. Ihre Wurzeln haben diese Menschen in insgesamt 140 Staaten.

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Bayernweit liegt die Ausländerquote mit 1,1 Millionen bei 8,8 Prozent, deutschlandweit sind es 6,7 Millionen (8,2 %). Einen Migrationshintergrund haben in Bayern 2,4 Millionen (19,2 %), in Deutschland 15,4 Millionen (19 Prozent).

Gersthofen "Sehr überrascht" zeigte sich Bürgermeister Jürgen Schantin über den hohen Anteil der Menschen mit fremdem Ursprung in Gersthofen. Immerhin liegt hier der Ausländeranteil bei 11,2 Prozent. Von allen Landkreiskommunen leben nur in Langweid mit 12,43 Prozent mehr Menschen aus dieser Gruppe. Einwohner mit Migrationshintergrund hat Gersthofen rund 20 Prozent. Sie stammen aus 72 Staaten. Mit knapp 39 Prozent liegt die Türkei vorne, gefolgt von Italien (8,7) und Kroatien (7,9).

An den einzelnen städtischen Kindergärten schwankt der Anteil laut Julia Wörle zwischen 42,4 und 16,7 Prozent und bei den Schülern zwischen 48,9 und 28,7.

Schantin verwies auf die Bemühungen Gersthofens um ein harmonisches Miteinander. Ein deutliches Zeichen sei die im Juli 2008 erbaute Moschee an der Augsburger Straße. "In enger Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und der türkisch-islamischen Gemeinde ist es gelungen, einen schönen Bau ohne Minarett entstehen zu lassen."

Die Verwaltung will nun den Bericht Julia Wörles auswerten, dann sollen die Ratsgremien über Integrationsmaßnahmen speziell für Gersthofen beraten.

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