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Wahlkampf

01.10.2018

Mit Gummibärchen und Blasmusik auf Wählerfang

Mit Gummibärchen und Blasmusik auf Wählerfang
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Mit Spannung erwartet wurde in Villenbach Staatssekretär Hans Georg Reichhart. Warum der CSU-Politiker sich im Landkreis Dillingen bestens auskennt. Und er und seine Parteikollegen schwere Themen leicht rüberbrachten

Villenbach Prominente CSU-Redner haben bei einer Wahl- und Informationsveranstaltung in Villenbach mit Vehemenz darauf hingewiesen, dass die gegenwärtige Stimmungslage bei den Bürgern keineswegs mit der Faktenlage übereinstimmt. Vor rund drei Dutzend Zuhörern stellten Kommunal- wie Landespolitiker dem Freistaat Bestnoten aus und bemängelten teilweise die Wertschätzung der im Deutschland-Vergleich glänzenden Leistungen in fast allen Lebensbereichen. Nach zweieinhalb Stunden leidenschaftlicher Redebeiträge und lebhafter Diskussionen wurde der Abend im Gasthaus Tölk stehend mit der Bayern- und Deutschlandhymne abgerundet.

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Beim Wirtshaus an der Hauptstraße der Zusamgemeinde warben draußen Tafeln zum Kauf von Villenbacher Schinkenspeck, Kochsalami, frischer Bratensulze sowie Brotzeitkümmelwammerl. Drinnen im Speisesaal wurde angesichts der herannahenden Landtagswahl am übernächsten Sonntag eher schwere Kost geboten. Die Debatten schwankten zwischen Themen wie AfD, Berliner Chaos, Flüchtlinge, Merkel und Weimarer Verhältnisse. Zur Einordnung dieser Fragen waren ein beherzter Bezirksrat Johann Popp und der quirlige Stimmkreisabgeordnete Georg Winter angetreten. Beide standen geduldig wie besonnen selbst bei heiklen Fragen Rede und Antwort. Sie konnten übrigens quasi verspeist werden in Form von Gummibärchen. Entsprechende Päckchen mit den angekreuzten Namen der CSU-Kandidaten lagen überall aus. Die meisten Vorschusslorbeeren der einladenden Partei galten jedoch dem Kabinettsmitglied und Staatssekretär beim Ministerium für Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Hans Georg Reichhart.

Der 1,85 Meter große Schwabe zeigte sich bei der Ankunft sehr amüsiert über den am Eingang aufgestellten „Pappkameraden“ mit seinem Konterfei und beurteilte ihn als „sehr gelungen“. Der 36 Jahre alte Vater zweier Kleinkinder kann nicht nur schwungvoll die Treppen zum ersten Stock hinter sich lassen, sondern auch richtig Schwäbisch. Als geborener Burgauer ist der Günzburger Kreisrat trotz hohem Amt im Münchner Ministerium in der Region bestens vernetzt und bekannt. Die ganze Zeit über wurde von dem studierten Rechtswissenschaftler denn auch nur von „unserem Hans“ gesprochen. Obendrein saß mit Johann Popp sein ehemaliger Chef mit am Podiumstisch, der das von ihm geführte Amtsgericht in Dillingen schmunzelnd als das „beste Amtsgericht in ganz Bayern“ bezeichnete. Als dortiger Jugend- und Betreuungsrichter hatte der stets gut gelaunt wirkende Karrieremann, der zudem das Amt des Landesvorsitzenden der Jungen Union ausübt, die Herausforderungen im Dillinger Land genauestens kennengelernt.

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Reichharts mit Spannung erwarteten Statements zur aktuellen Lage konzentrierten sich auf junge Familien, alte verdienstvolle Bürger, Pflegebedürftige sowie Innere Sicherheit, die er für besonders und gut gegeben in Bayern sehen wollte. „Im Gegensatz zur Veranstaltung in Hamburg hat es beim G7-Gipfel in Bayern keine einzige kaputte Scheibe gegeben.“ Der den ganzen Abend lang verbal eher zur Degendisziplin neigende Gast zückte hin und wieder mal das Schwert, etwa als es um das viel gescholtene Polizeiaufgabengesetz ging: „Wenn wir uns nicht mehr hinter unsere Polizei stellen dürfen und sie bei ihrer schwierigen Arbeit allein lassen, dann verstehe ich diese Welt nicht mehr“, lautete einer seiner sparsam angesetzten Seitenhiebe auf die politische Konkurrenz. So kritisierte der Vollblutpolitiker insbesondere die „in sich widersprüchlichen Grünen“ und deren falsche Vorstellung vom Landleben „als reines Naturmuseum“ mit allerlei Verboten zum Beispiel beim Flächenverbrauch.

Diplomatisch zurückhaltend wie nachdenklich gab sich Landtags-Routinier Georg Winter. Das „Arbeitstier“ (Ortsvorsitzender Hans Gerbing), dessen Büro „ständig unter Strom steht“ (Johann Popp), führte die Vorzüge im Landkreis Dillingen bei Bildung, Miethöhe, Infrastruktur und besondere Lebensqualität an, die „nicht einfach nur die Marken der CSU, sondern purer Fakt“ seien. Der ebenso im politischen Diskurs gestählte Johann Popp, der über die Sitzungen im Bezirkstag berichtete, warnte schon allein aufgrund der Umfragen vor einer schwierigen Regierungsbildung. Künftig sechs oder sieben Parteien seien nicht gut für die politische Arbeit. Winter wies auf die Probleme bei Koalitionsbildungen hin, die „immer schwerer und schließlich teurer ausfallen“ würden. Dennoch setzten die Organisatoren der kurzweiligen Veranstaltung gegen mögliche aufkommende Stimmungsschwere neben den weiß-blau geschmückten Tischen ein weiteres probates Mittel ein: Die feschen Damen und Herren der Zusamtaler Musikanten aus Buttenwiesen verbreiteten mit zünftigen Tönen einen gewissen Wiesn-Charme an der Zusam.

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