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Audi hat sich entschieden: Jetzt kann die Region die Zukunft planen

Audi hat sich entschieden: Jetzt kann die Region die Zukunft planen
Kommentar Von Stefan Küpper
27.11.2019

Plus 7500 Stellen streicht die VW-Tochter Audi bis 2025. Der Stellenabbau wird vergleichsweise glimpflich abgehen. Für die Region ist es wichtig, Gewissheit zu haben.

Was war das nun bei Audi? Das große Beben? Oder schon der Aufbruch in eine neue „Ära“, wie das Unternehmen am Dienstag reichlich pompös schrieb? Beides eher nicht. Es war eine Erschütterung mit Ansage, die Festschreibung des Kommenden mit nüchternen Zahlen. Und die Beteiligten wirken am Dienstag eher erleichtert, dass nun endlich öffentlich ist, wie viele Stellen der wichtigste und größte Arbeitgeber der Region streicht, und dass die Audi-Mitarbeiter, die Stadt Ingolstadt, die Auto-Zulieferer, dass alle nun planen können.

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9500. Das Ausmaß des Abbaus wirkt zunächst einmal wuchtig. Jede sechste Stelle. Und die Zahl steht, wenn man so will, für das, was in den letzten Jahren bei der einstmals so von Erfolgen verwöhnten VW-Tochter alles schief gelaufen ist: Da ist der noch längst nicht ausgestandene Abgas-Skandal, der sehr viel Vertrauen gekostet hat. Damit verbunden ist zwangsläufig ein zeitraubendes Kreisen des Unternehmens um sich selbst, samt Verlusten beim „Spitzenpersonal“. Dann gab es die nicht unerheblichen Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgastestzyklus WLTP. Und da ist die im internationalen Vergleich viel zu spät eingeleitete Wende hin zu alternativen Antrieben.

Audi schafft gleichzeitig neue 2000 Stellen

2000. So viele neue Expertenstellen sollen geschaffen werden, weshalb von den 9500 noch 7500 übrig bleiben, aufgeteilt auf beide Standorte, Ingolstadt und Neckarsulm. Dazu muss man wissen: Bei Audi verlassen derzeit pro Jahr rund 700 bis 1000 Mitarbeiter das Unternehmen über natürliche „Fluktuation“. Sprich: Sie haben einen neuen Job oder gehen dann in Ruhestand. Wenn man das bis 2025 hochrechnet, kommt man zu dem Ergebnis: Der Stellenabbau bei Audi wird vergleichsweise glimpflich zu bewältigen sein. Zudem ist er sozialverträglich geregelt. Kündigungen wird es keine geben. Ein zuletzt gewaltig gewachsenes Unternehmen schrumpft sich jetzt gesund. Wie „attraktiv“ die Vorruhestandspakete dann werden, muss sich allerdings erst noch zeigen und ausgehandelt werden.

Der Sparplan von Audi steht nach monatelangen Verhandlungen. Peter Mosch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, erklärt, was das für Arbeitnehmer bedeutet.
Video: Stefan Küpper, Ida König

2029. Dieses Datum ist, gerade aus Arbeitnehmersicht, die zweite bedeutsame Zahl in der Grundsatzvereinbarung. Denn bis dahin schließt das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen aus. Das gibt der Stammbelegschaft, die noch weit vom Ruhestand entfernt ist, Sicherheit. Der Betriebsrat kann es mit Recht als Erfolg verbuchen, dass die Jobgarantie – wie auch schon bei der Konzernmutter VW – in der Vereinbarung steht. Gleiches gilt für den Erhalt der Erfolgsbeteiligung. Ob die Zeit bis 2029 der Realität standhält, kann jetzt natürlich niemand sagen. Aber sollte es die deutsche Automobilbranche in den kommenden Jahren schlimm erwischen, dann verbessert diese festgeschriebene Frist zumindest die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer, sollten – wofür es derzeit keine Anzeichen gibt – tatsächlich einmal betriebsbedingte Kündigungen anstehen.

Die Audi-Mitarbeiter bekommen den dritten Chef in weniger als zwei Jahren

6. So viele Milliarden Euro spart Audi zusätzlich zu bereits angesetzten 22 Milliarden. Mit dem Geld werden die notwendigen Investitionen in die Zukunft abgesichert. Zum Beispiel, die mehr als 30 neue elektrifizierten Modelle, die bis 2025 auf den Markt kommen. Dass beide Standorte künftig beides – Verbrenner und Elektro-Autos – produzieren können, ist - aus Arbeitnehmersicht - für die Audianer sicherlich ein Vorteil im großen VW-Reich.

3. Den dritten Chef in weniger als zwei Jahren werden die Audianer im April 2020 bekommen. Der Stadler-Nachfolger Bram Schot musste aufräumen, was sein Vorgänger ihm hinterlassen hatte. Das hat Schot angepackt. Und der nächste Neue, Markus Duesmann, kann nun wirklich den Aufbruch angehen. Ob daraus eine Ära wird? Abwarten. Aber aufbrechen muss Audi jetzt. Und zwar richtig.

Lesen Sie auch dazu: Die Folgen der Diesel-Krise: In Ingolstadt wird das Wohnen billiger.

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