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Rabattschlacht

28.11.2019

Der Fluch des Black Friday: Warum billig nicht alles ist

Der Handel hat mit dem Black Friday seit einigen Jahren einen neuen Aktionstag entdeckt und wirbt mit hohen Preisnachlässen massiv um Kunden.
Foto: Filip Singer, dpa

Plus Der "Black Friday" bietet auch 2019 wieder große Preisnachlässe. Händler sehen den Tag mit gemischten Gefühlen. Auch Verbraucher müssen aufpassen.

Als Verbraucher kommt man der Rabattschlacht kaum aus. An diesem Freitag soll sie ihren Höhepunkt erreichen. Der Handel hat mit dem Black Friday seit einigen Jahren einen neuen Aktionstag entdeckt und wirbt mit hohen Preisnachlässen massiv um Kunden. Einige Möbelhäuser werben mit 40 Prozent Rabatt, Versandhändler wie Otto versprechen unschlagbare Angebote und der Elektronikhändler MediaMarkt hat im Vorfeld eine ganze Aktionswoche gestartet – "5 Tage, 5 Preiskracher". Doch Verbraucher müssen aufpassen. Und die Händler sehen den Black Friday mit gemischten Gefühlen. Das zeigt gerade das Beispiel Media-Markt.

Die Elektronikkette aus Ingolstadt hat mit dem Black Friday anfangs nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Dafür reicht ein Blick in den Herbst 2017. Damals sorgte der Black Friday bei Media-Markt und Saturn erst für Euphorie. Es war der "umsatzstärkste Tag in der MediaMarktSaturn-Geschichte", berichtete der damalige Chef der Muttergesellschaft Ceconomy, Pieter Haas. Danach aber kam ein böses Erwachen: Die Dezember-Umsätze rund um Weihnachten waren "nicht mehr so stark wie erwartet", sagte Haas. Die Vermutung: Die Verbraucher hatten die Weihnachtseinkäufe zum Teil auf den Black Friday vorgezogen. Dabei muss man wissen, dass der Konzern bereits damals unter Druck stand. Media-Markt hat inzwischen ein Sparprogramm aufgesetzt, der damalige Ceconomy-Chef Haas ist nicht mehr im Amt, sein Nachfolger ebenfalls nicht. Die Probleme von Media-MarktSaturn liegen nicht nur im Black Friday 2017 begründet. Die Episode zeigt aber, dass die Rabattschlacht auch schwierige Seiten mit sich bringt.

Post rechnet mit elf Millionen Paketen täglich rund um "Black Friday"

Ursprünglich stammt der Black Friday aus den USA. Dort nutzen die Bürger den Tag nach Thanksgiving häufig als Familientag zum Shopping. Der Cyber Monday am Montag danach zieht das Geschäft bis in die neue Woche. In Deutschland sind Black Friday und Cyber Monday eine recht junge Erscheinung. Vor allem die Online-Händler machten die Tage hierzulande in den 2010er Jahren populär. Mittlerweile sind sie ein weltweites Phänomen: Amazon berichtete 2018, dass der Black Friday Rekorde aufstellte und der Cyber Monday "der größte Einkaufstag in der Geschichte des Unternehmens war" – mit mehr bestellten Produkten weltweit als an jedem anderen Tag. "Black Friday und Cyber Monday brechen weiterhin Jahr für Jahr Rekorde bei Amazon", sagte damals Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber. Das Geschäft beschert den Paketzustellern viel Arbeit: Die Deutsche Post rechnet in diesem Jahr rund um den Black Friday mit bis zu elf Millionen Paketen pro Arbeitstag, normal sind fünf Millionen.

Amazon berichtete 2018, dass der Black Friday Rekorde aufstellte und der Cyber Monday "der größte Einkaufstag in der Geschichte des Unternehmens war".
Foto: Douglas Barrie, dpa

Bayerns Händler sehen den Tag trotzdem mit zwiespältigen Gefühlen, ja "mit Bauchschmerzen", wie Bernd Ohlmann sagt, Sprecher des Handelsverbandes Bayern. "Der Black Friday geht ab wie eine Rakete", berichtet er. Erwartet wird, dass der Aktionstag im Freistaat dieses Jahr rund 400 Millionen Umsatz bringt, das wären 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschlandweit geben Online-Einkäufer im Schnitt 54 Euro an den beiden Tagen Black Friday und Cyber Monday aus, berichtet er. Trotzdem aber sind die Händler nicht nur glücklich.

Denn: "Hohe Rabatte verhageln auch die Marge", erklärt Ohlmann. Das heißt, die Händler machen mit einem verkauften Produkt weniger oder keinen Gewinn. "Mit den Rabatten schießt man sich ein klassisches Eigentor", sagt er. Dazu kommt, dass die Kunden einfach manchen Geschenke-Einkauf vorziehen. Dabei sollte einen Tag später mit dem Adventssamstag eigentlich das klassische Weihnachtsgeschäft beginnen. "Manche Händler veranstalten inzwischen eine ganze Black-Friday-Woche – wo soll das enden?", fragt Ohlmann.

Media-Markt hat zwar nicht vom Black-Friday-Geschäft gelassen, lernt aber hinzu. Der Elektronikhändler scheint zu versuchen, das Online-Geschäft nicht in Konkurrenz zu den Läden treten zu lassen: "Während Media-Markt und Saturn den Tag vor Jahren noch ausschließlich mit Online-Aktionen begleitet haben, spielt er seit geraumer Zeit aber auch für unser stationäres Geschäft eine immer wichtigere Rolle", berichtet eine Sprecherin. Dies habe dem Tag einen erheblichen Aufschwung verliehen: "Für unsere Kunden ist es selbstverständlich, dass sie die Black-Friday-Angebote nicht nur im Onlineshop, sondern auch in den Märkten vor Ort erhalten."

Black Friday 2019: Außer Schnäppchen sind auch Mogelpackungen im Angebot

Aber ist dem Preis-Zauber zu trauen? Den Verbrauchern rät Handelsverbandssprecher Ohlmann, die Preise genau zu vergleichen und zu prüfen – "wie sonst auch", sagt er. Zur Vorsicht mahnt auch die Verbraucherzentrale: Die Rezepte, um Mogelpackungen von wirklichen Schnäppchen zu unterscheiden: Preise vergleichen, sich nicht unter Kaufdruck setzen lassen, nicht von Rabatten blenden lassen. Denn: "Durchschnittlich lagen die Preisreduzierungen an solchen Rabatttagen statt versprochener 50 Prozent oder mehr in Wirklichkeit oft bei unter 20 Prozent", warnen die Verbraucherschützer. Hintergrund ist, dass die Sparpreise häufig auf einem Vergleich mit unverbindlichen Preisempfehlungen beruhten. Die normalen Preise im Handel sind aber schon in normalen Zeiten meist niedriger.

Vielleicht sieht ein ehrlicher Umgang mit dem Black Friday so aus, wie ihn das Versandhaus Erwin Müller in Buttenwiesen im Kreis Dillingen pflegen will: Das Unternehmen verschickt vor allem Bettwäsche, Handtücher, Schlafanzüge und Unterwäsche – und betreibt auch ein Geschäft vor Ort. "Wir sind beim Black Friday dabei, weil unsere Kunden dies möchten", sagt Geschäftsführerin Rita Müller frei heraus. Zwei Dinge sind ihr aber wichtig.

Erstens: "Die Kunden wollen auch am Black Friday hochwertige Produkte, keine B-Ware, keine alten Lagerbestände", sagt Rita Müller. Der Black Friday biete dann die Chance, auch preisbewusste Käufer zu überzeugen. Diese zögern zum Beispiel, Satin-Bettwäsche für 100 Euro zu kaufen. Bei der Hälfte, bei 50 Euro, würden sie aber zuschlagen. Und zweitens: "Unser Familienunternehmen will seine Kunden durch eine ehrliche Rabattierung überzeugen", erklärt sie. Hohe "Mondpreise" anzusetzen und diese dann stark zu senken, hält die Geschäftsführerin für falsch.

Ob man den Black Friday mag oder nicht, eines steht für Handels-Experte Ohlmann fest. "Der Tag ist da, seine Bedeutung wird sich verstärken – das ist einfach so." Die Deutschen seien einfach "ein Volk der Schnäppchenjäger".

Lesen Sie dazu auch: Black Friday: Den Schnäppchenrausch gibt es nicht ohne Kater

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