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Die Corona-Krise darf nicht auch noch die Banken erfassen

Die Corona-Krise darf nicht auch noch die Banken erfassen
Kommentar Von Michael Kerler
24.07.2020

Können Kunden ihre Kredite nicht bedienen, trifft das die Geldhäuser. Dabei sind Volksbanken und Sparkassen gerade so wichtig wie lange nicht.

Über der wirtschaftlichen Zukunft schwebt derzeit ein Fragezeichen. Und dieses ist so bedrohlich wie die außerirdischen Raumschiffe am Himmel in Science-Fiction-Streifen wie „Independence Day“. Die zentrale Frage: Erholt sich die Wirtschaft von den Auswirkungen der Corona-Krise bald? Oder wird mit einer zweite Virus-Welle alles noch schlimmer?

Deutschlands Banken sind bisher recht geräuschlos durch die Corona-Krise gekommen

Entscheidend könnte der Herbst sein. Wie die weitere Entwicklung aussieht, hat massive Folgen für Deutschlands Banken, die im Gegensatz zu Gastwirtschaften oder der Industrie bisher recht geräuschlos durch die Krise gekommen sind. Experten befürchten für die deutsche Wirtschaft eine Insolvenzwelle. Können viele Kunden ihre Kredite nicht mehr bedienen, würde das die Banken in die Enge treiben. Tragisch daran ist, dass Experten sich vor allem Sorgen um Sparkassen und Volksbanken machen. Dabei waren diese in der Finanzkrise 2008/09 der Stabilitätsanker.

 

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Die Finanzkrise damals hatte ihren Ursprung im Bankensektor. Das Platzen der Immobilienblase in den USA brachte erst amerikanische Institute, dann Europas Groß- und Landesbanken ins Schlingern. Die Commerzbank musste vom Staat gerettet werden, die Hypo-Real-Estate wurde abgewickelt. Diesmal ist die Krise anders gelagert. Das Herunterfahren in der Corona-Epidemie hat erst die Realwirtschaft erfasst – Gasthäuser, Friseure,Mittelständler,tausende Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze. Dies ist der Kern-Kundenkreis der Regionalbanken, sodass die Fachleute alarmiert sind.

Niedrigzinsen und Digitalisierung setzten den Instituten bereits vorher zu

Bayerns Sparkassen und Volksbanken hatten vergangenes Jahr im Schnitt noch gute Geschäfte gemacht. Ob es bald hart auf hart kommt, ist noch offen. Sicher aber ist schon jetzt, dass die deutschen Banken massiv im Umbruch begriffen sind. Druck kommt von mehreren Seiten. Die Nullzinspolitik sägt am Geschäftsmodell der Regionalbanken. Sie verdienen an den Krediten immer weniger. Und die Digitalisierung bringt es mit sich, dass Kunden kaum mehr in die Filialen kommen, dafür aber immer höhere Ansprüche an Banking-Apps haben. Das ist fatal für Regionalbanken, die ein teures Filialnetz vorhalten. Währenddessen machen ihnen Start-ups wie N26 die Neukunden abspenstig.

Dabei kommt es gerade in der Corona-Krise auf die Banken an. Zahlreiche Betriebe brauchen Geld, um die kritische Zeit überbrücken zu können. Kredite und Bürgschaften staatlicher Förderbanken wie der KfW und der bayerischen LfA werden über die Hausbanken ausgegeben. Für zahlreiche Mittelständler in der Industrie, für Hoteliers oder Händler waren und sind Sparkassen und Volksbanken dann die ersten Ansprechpartner. Der Beratungsbedarf gerade in der Anfangszeit der Corona-Krise war enorm. Den Regionalbanken haben für das Wirtschaftsgeschehen vor Ort eine große Bedeutung, die Finanz-Start-ups noch nicht füllen können. Im Idealfall ist Vertrauen über Jahre gewachsen. Die Banken dürfen den Kredithahn jetzt nicht zudrehen, werden ihre Kreditnehmer aber genau prüfen.

Banken müssen ihre Hausaufgaben machen, aber auch die Aufsicht

Die Regionalbanken müssen robuster für die Zukunft werden: Dazu gehört ein hinreichendes Netz an Filialen, um präsent zu sein, auch wenn die Zahl der Zweigstellen sinken wird – das gehört zur bitteren Realität dazu. Nachholbedarf besteht dagegen häufig bei den digitalen Bank-Angeboten. Einige Institute werden zudem über Fusionen nachdenken müssen. Aber auch die Bundesregierung muss die Banken wieder stärker im Blick haben: Regionalbanken werden in dieser Krise gebraucht wie lange nicht mehr. Sie müssen stabil sein, dürfen aber nicht durch Überregulierung gegängelt werden.

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