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Konjunktur

08.01.2020

Iran-Konflikt: So stark steigen die Preise an der Tankstelle

An den Tankstellen haben die Preise angezogen.
Bild: Jan Woitas, dpa

Exklusiv Der Konflikt zwischen Iran und USA stellt die Welt vor Sorgen. Was die Konfrontation mit den USA für die deutsche Wirtschaft bedeutet.

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, doch schon hält die Welt wieder den Atem an. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran spitzt sich dramatisch zu. Was der Politik schwere Sorge macht, lässt die Wirtschaftsexperten noch kalt. „Wenn sich die Situation nicht weiter verschlimmert, wird der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland überschaubar sein“, sagt der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, unserer Redaktion.

IfW-Chef Gabriel Felbermayr: Krieg oder Blockade der Meerenge von Hormus wären fatal  

Der Grund: Deutschland importiert heute kaum noch Öl aus der Krisenregion. „Die Produktivität, mit der wir heute Öl einsetzen, hat sich im Vergleich zu den 70er Jahren verdreifacht“, erklärt der IfW-Chef. Gefährlich für die Konjunktur würde es erst, wenn Washington und Teheran einen Krieg anzetteln würden und das Mullah-Regime die Meerenge von Hormus blockierte.

Durch den 40 Kilometer schmalen Flaschenhals laufen 20 Prozent der weltweiten Ölexporte. Wäre er verschlossen, käme es zu einem Ölpreisschock, der dann das ohnehin schwache Wachstum in Deutschland zum Stillstand bringen könnte. Im Sommer waren auf der Wasserstraße zwei Tankschiffe angegriffen und sabotiert worden. Die USA, Großbritannien und Saudi-Arabien machten damals den Iran verantwortlich.

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Dass US-Präsident Donald Trump im Wahljahr und die saudischen Herrscher eine Blockade der Straße von Hormus akzeptieren würden, ist nicht vorstellbar. Dass der Iran mit der größten Militärmacht der Welt und dem reichsten Land der Nachbarschaft in den offenen Krieg zieht, eigentlich ebenso wenig. „Wenn es beim Säbelrasseln bleibt, hat das keine Auswirkungen auf die Konjunktur. Das haben wir in den letzten 30 Jahren gesehen“, meint auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Spritpreise haben rund um den Jahreswechsel bereits angezogen

Nachdem der Ölpreis für die Nordseesorte Brent am Montag die Marke von 70 Dollar je Fass (159 Liter) übersprungen hatte, gab er am Dienstag wieder nach. Die Auswirkungen der Konfrontation werden hierzulande zunächst die Autofahrer zu spüren bekommen. Nach den Zahlen des ADAC hatten die Preise an den Zapfsäulen bereits um den Jahreswechsel angezogen. Im bundesdeutschen Schnitt kostete der Liter Super E10 1,42 Euro, der Liter Diesel 1,31 Euro. Beide Kraftstoffarten zogen am Silvestertag um knapp drei Cent je Liter an. Es dauert etwa eine Woche, bis sich ein Preishoch, wie jüngst nach der Ermordung des iranischen Generals durch die USA, an den Tankstellen niederschlägt.

 

Die Commerzbank-Volkswirte haben mit einer Faustformel ausgerechnet, wie stark die Spritpreise klettern. Kostet das Fass Öl über einen längeren Zeitraum fünf Dollar mehr, verteuert sich Super-Benzin um rund drei Cent je Liter. Für Diesel werden rund 2,5 Cent mehr fällig. In den 70er Jahren hatten die Ölkrisen die westlichen Staaten hart getroffen und einen Abschwung ausgelöst. Anders als damals sind die USA aber heute ein großer Ölexporteur. „Das Überangebot am Ölmarkt ist beträchtlich“, heißt es einer Analyse der Commerzbank.

Prognosen rechen mit rund einem Prozent Wachstum 2020

Nachdem die deutsche Wirtschaft das alte Jahr mit einem Plus von rund einem halben Prozent abgeschlossen haben dürfte, sind die Volkswirte für das neue zuversichtlicher. Die Prognosen pendeln um die Marke von einem Prozent. Ein Faktor dafür sind allerdings die vier zusätzlichen Arbeitstage im Vergleich zu 2019. Während die Industrie mit Branchen wie dem Autobau in der Rezession steckt, tragen Dienstleistungen, Konsum und der Bau die Konjunktur.

Einen Strich durch diese Rechnung könnte abermals Trump machen. Lässt er seiner Drohung Taten folgen und geht nicht nur gegen den Iran vor, sondern auch gegen die deutschen Autohersteller, könnten bei Konzernen und Zulieferern noch mehr Stellen gestrichen werden als angekündigt.

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09.01.2020

Ich kann Herr Mair hierbei nur bestätigen.

Jedes mal, wenn irgendetwas im nahen Osten ist, "gieren" sich die Konzerne gegenseitig nach oben
und freuen sich über das kollektive Abzocken der Autofahrer.

Hier in Österreich interessiert das nicht. Die Preise sind und bleiben stabil und ziehen nicht nach oben.

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08.01.2020

Was für eine Verarschung. Immer wenn irgendwas geopolitisches passiert, schreien die Spekulanten den Preis hoch und jubeln. Was für ein riesiger Betrug!!

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08.01.2020

Ich denke Sie wurden um Ihre Bildung betrogen, wenn Sie einen Konflikt an der Straße von Hormus als nicht relevant für das globale Öl-Angebot einschätzen.

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