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Interview

11.11.2018

Trigema-Chef Grupp: Verzicht auf Affe war "ein Riesenfehler"

Wolfgang Grupp sagt, was er denkt. Der Textil-Unternehmer spricht auch gerne über Politik. Ja, er räumt sogar ein, welche Partei er wählt.
Bild: Trigema

Plus Der Textil-Unternehmer Wolfgang Grupp hat Respekt vor den Grünen. Ansonsten bleibt er der CDU treu. Wen er sich als Merkel-Nachfolger wünscht.

Am Anfang steht der Affe. In der Empfangshalle der Textilfirma Trigema im baden-württembergischen Burladingen ist er allgegenwärtig. Schon draußen prangt ein Foto des Werbe-Tiers auf dem firmeneigenen Hubschrauber. Ein Papp-Affe mit roter Brille und dem Slogan „Hallo Fans“ begrüßt den Gast. Weit und breit kein Mensch im Foyer. Ist das überhaupt die Eingangshalle? Draußen bejahen Mitarbeiter das und raten: „Nehmen Sie den weißen Hörer beim Papp-Affen ab. Dann holt sie jemand ab.“

So sollte es kommen. Eine Dame kommt die Treppe herab: „Ich bin Frau Grupp. Ich begleite Sie zu meinem Mann.“ Der Weg führt in ein riesiges Großraumbüro mit viel Luft zwischen den Schreibtischen. Dort – mitten unter den Beschäftigten – befindet sich der Arbeitsplatz des 76-jährigen Firmeninhabers Wolfgang Grupp. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Hirschgeweih. Der Unternehmer hat eine Eigenjagd im Oberallgäu.

Was fasziniert Sie an der Jagd?

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Wolfgang Grupp: Ich liebe die Natur. Dort im bayerischen Allgäu erhole ich mich in meinem Jagdhaus vom beruflichen Stress. Wie jedes Jahr bin ich am 1. November noch in der Badehose vor meinem Jagdhaus gelegen, so mild war das Wetter. Ich bin gerne in Bayern. Das ist ein tolles und wirtschaftsstarkes Bundesland. Ich bewundere die CSU und es ist schade, dass diese erfolgreiche Partei nun die absolute Mehrheit verloren hat. Im Übrigen schätze ich Horst Seehofer wie auch Markus Söder. Beide sind extrem fähige Politiker.

Sie sind politisch als treuer CDU-Wähler bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg fremdgegangen und haben grün gewählt. Werden Sie zum Wiederholungstäter?

Grupp: Auf Bundesebene habe ich danach wieder CDU gewählt. Und ich habe in Baden-Württemberg nur grün gewählt, weil ich von Winfried Kretschmann überzeugt bin. Er ist ein sehr guter Ministerpräsident und Landesvater, der auch die Interessen der Unternehmer berücksichtigt. Wenn Herr Kretschmann wieder antritt, werde ich ihn erneut wählen. Das bin ich ihm und seiner Leistung schuldig.

Doch anfangs waren Sie skeptisch gegenüber Kretschmann.

Grupp: Bei seiner ersten Wahl zum Ministerpräsidenten habe ich noch CDU gewählt und danach gesagt, dass es eine Schande ist, dass wir als erstes Bundesland eine grün-rote Regierung bekommen haben. Nach fünf Jahren habe ich aber festgestellt, dass Herr Kretschmann mehr ein CDU-Mann als ein Grüner ist.

Trigema-Chef Grupp hofft auf Merz als CDU-Parteichef

Wie sind Ihre Vorlieben auf Bundesebene? Wer ist der richtige CDU-Chef: Friedrich Merz, Jens Spahn oder Annegret Kramp-Karrenbauer?

Grupp: Das ist für mich keine Frage: natürlich Friedrich Merz. Ich könnte mir ihn auch gut als Kanzler vorstellen. Es wird Zeit für personelle Veränderungen an der Spitze der CDU. Frau Merkel hat sicher vieles richtig gemacht. Sie hat zunächst in der Flüchtlingspolitik auch korrekte Entscheidungen getroffen. Die Aufnahme der Migranten war grundsätzlich in Ordnung. Doch der große Fehler Merkels war es, ihre Flüchtlingspolitik später nicht zu korrigieren, als sie erkannt hat, dass unter dem Flüchtlings-Deckmantel Menschen ins Land kamen, die kein Recht auf Asyl haben. Frau Merkel hätte sagen müssen: Flüchtlinge: Ja, Schein-Flüchtlinge: Nein. Das hat sie leider nicht getan und somit viele Wähler zum Protest getrieben.

Was heißt das für das Rennen um den CDU-Vorsitz?

Grupp: Für mich ist Friedrich Merz mit all seiner Erfahrung die beste Wahl. Er würde die Partei wieder zu alten Werten führen und Stimmen von der AfD zurückholen. Nachdem die Bürger die Große Koalition längst abgewählt haben, bräuchten wir im Prinzip Neuwahlen, sonst endet der Niedergang der beiden Volksparteien CDU und SPD nicht.

Ihrer Firma geht es gut. Was ist Ihre Philosophie als Unternehmer?

Grupp: Ich bin der Überzeugung, dass mein Unternehmen nur so groß werden darf, dass ich es noch persönlich voll überblicken kann. Wenn Sie mir bei einem Betriebsrundgang eine Frage stellen würden, muss ich in der Lage sein, sie zu beantworten. Könnte ich dies nicht, müsste ich Ihnen meine Firma schenken.

Das käme auf einen Versuch an.

Grupp: Sie wissen, wie ich das meine. Denn wenn ich mich in meinem Betrieb auskenne, wird kein Mitarbeiter, wenn er einen Fehler macht, diesen verteidigen. Wenn er aber wüsste, dass ich keine Ahnung habe, wird er den Fehler verteidigen und dies wäre fatal.

Sie haben früh die Mechanismen der Medien durchschaut und nutzen sie für Marketing in eigener Sache. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Grupp: Nur ein Beispiel: Bei einem Pressegespräch habe ich eher beiläufig in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gesagt, dass selbstverständlich unsere Mitarbeiter für ihre Kinder einen Arbeitsplatz garantiert bekommen. Mit dieser Aussage bekam ich in der Presse eine große Schlagzeile, weil die Journalisten ein solches Verhalten zu den Mitarbeitern aus anderen Unternehmen nicht kannten.

Das ist Ihr Trick.

Grupp: Ich stehe Journalisten immer Rede und Antwort. Ich sage ungeschminkt meine Meinung, ob es mir guttut oder nicht.

Machen wir die Probe aufs Exempel. Was halten Sie von einer Quote für Frauen im Beruf?

Grupp: Ich bin gegen Quoten für Frauen. Ich halte nichts davon, Leute nur wegen ihres Geschlechts einzustellen. Bei uns bekleiden viele Frauen leitende Funktionen, weil sie durch ihre Leistung überzeugen. Sie haben als Lehrlinge angefangen und sind durch Leistung in die führenden Positionen aufgestiegen.

Ein sprechender Schimpanse? Mit diesem Gag machte sich das Bekleidungsunternehmen Trigema bundesweit bekannt.
Bild: Patrick Seeger, dpa (Archiv)

Ihr bester Werbeträger ist der berühmte Trigema-Affe. Warum haben Sie auf ihn in der Werbung vorübergehend verzichtet?

Grupp: Das war ein Riesenfehler. Natürlich bekam ich immer wieder von ganz Gescheiten Briefe, der Affe sei nicht mehr zeitgemäß. Und Tierschützer meldeten sich kritisch zu Wort. Doch ich ärgere mich heute noch darüber, dass ich mich 2014 und 2015 überreden ließ, einen Werbespot für 100.000 Euro ohne Affen drehen zu lassen, der angeblich besser zum Zeitgeist passt.

"Ich mache diesen Zeitgeist nicht mit"

Weshalb sind Sie vor dem Zeitgeist eingeknickt?

Grupp: Leider habe ich damals nachgegeben. Da wollte ich mich mal offen für das Neue zeigen. Doch der Schuss ging nach hinten los. Überall wo ich hinkam, wurde ich als der Herr mit dem Affen vorgestellt. Und alle fragten mich: Wo ist Ihr Affe? Warum verzichten Sie auf den Affen in der Werbung? Dann habe ich mir gedacht: Sind wir eigentlich verrückt geworden, auf diesen tollen Werbeträger zu verzichten?

Welche tierischen Konsequenzen haben Sie aus dem Affentheater gezogen?

Grupp: Ich habe gesagt: Jetzt ist Schluss. Der Affe muss zurück. Wir haben einen neuen Spot mit digitalisiertem Affen gedreht. Jetzt können mich die Tierschützer nicht mehr ärgern. Das freut mich. Auch ich bin natürlich in dem Spot zu sehen. Wir müssen die alten Werte aufrechterhalten, solange dies ankommt.

Warum verweisen Sie immer wieder darauf, dass Sie als Unternehmer voll für Ihr Tun haften?

Grupp: Das haben früher alle Unternehmer, die das Wirtschaftswunder geschaffen haben, so gehalten. Wenn Sie einen gravierenden Fehler begangen haben oder Konkurs machten, war das eine Schande für den Unternehmer. Dieses hohe Maß an Verantwortung brauchen wir wieder. Die Unternehmer müssen sich auf diese Tugend besinnen. Ich verlange ja auch von meinen Mitarbeitern eine gewisse Verantwortung. Das gilt schon für Lehrlinge und ich muss die Verantwortung vorleben. Wie ich mich im Unternehmen verhalte, so verhalten sich meine Mitarbeiter mir gegenüber. Ich halte etwa Lehrlingen die Tür auf. Kennt der Auszubildende so was von zu Hause nicht, merkt er, wie angenehm Höflichkeit ist, und macht es genauso.

Halten Sie wirklich Lehrlingen die Tür auf?

Grupp: Selbstverständlich. Ich lasse doch nicht jemandem, der hinter mir herläuft, die Tür ins Gesicht fallen. Und ich spreche meine Lehrlinge mit Sie und dem Nachnamen an. In vielen Betrieben werden sie ja geduzt. Wenn die neuen Lehrlinge mir in ihren ersten Tagen im Betrieb vorgestellt werden, sind sie top angezogen, weil sie wissen, dass ich es auch so halte.

Sie tragen unverdrossen Krawatte und Einstecktuch. Daimler-Chef Dieter Zetsche zieht längst Jeans und Sneakers an. Wann werden Sie lässiger?

Grupp: Ich mache diesen Zeitgeist nicht mit. Krawatte und Einstecktuch bleiben. Verrückten Trends, die aus Amerika kommen, passe ich mich nicht an. Nehmen Sie nur Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Den Mann habe ich nie mit Krawatte gesehen. Als Zuckerberg dann im Kongress aussagen musste, habe ich mir zuvor schon gedacht: Jetzt bin ich mal gespannt, wie er dort auftritt. Und siehe da, Zuckerberg erschien mit Anzug und Krawatte. Das heißt, wenn er vor den anderen eine gewisse Achtung hat, kann er sich plötzlich anständig anziehen. Ich ziehe mich öffentlich immer korrekt an, ob ich einen Lehrling, einen Journalisten oder einen Kunden treffe, ungeachtet der Person. So erweise ich allen meinen Respekt.

Was haben Sie in Ihrem Leben besser gemacht als der einstige Drogeriemarkt-König Anton Schlecker, dessen Imperium pleiteging?

Grupp: Zunächst einmal: Erfolg zu haben ist keine Kunst. Die Kunst ist Erfolg durchzustehen. Herr Schlecker war lange erfolgreich. Er hat aber den Erfolg nicht durchgestanden, weil er den Wandel der Zeit nicht erkannte. Ob ich den Erfolg durchstehe, weiß ich nicht. Auch ich könnte ja irgendwann der Gier oder dem Größenwahn erliegen oder Fehlentscheidungen treffen, die mich dann in der Öffentlichkeit zum Versager machen. Ob ich erfolgreich bin oder nicht, darf erst geschrieben werden, wenn ich offiziell abgedankt habe oder wenn Sie an meinem Grab stehen und die Firma immer noch okay ist.

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