Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. VW, Audi und Co: Wie der Mangel an Micro-Chips die Autoindustrie lähmt

Lieferketten

22.01.2021

VW, Audi und Co: Wie der Mangel an Micro-Chips die Autoindustrie lähmt

Die Autoindustrie hat mit Corona-Folgen zu kämpfen.
Bild: Hendrik Schmidt, dpa

Plus Wegen Corona brach im Frühjahr der Autoabsatz ein. Halbleiter-Hersteller stellten die Produktion um. Warum das nun dazu führt, dass es bei auch VW und Audi wieder Kurzarbeit gibt.

Die Produktion hat zwar wieder angezogen. Dennoch bereiten die diversen Auswirkungen der Corona-Pandemie der Automobilindustrie gerade neue Probleme. Die Branche hat beim Gasgeben quasi den Motor abgewürgt. Es geht dabei um unterbrochene Lieferketten, genauer gesagt um den Halbleiter-Nachschub.

Halbleiter sind für Autos wichtig, weil sie in Steuergeräten, für Microchips oder Sensoren verwendet werden. Und daran besteht gerade Mangel. Die Gründe dafür sind komplex: Zum einen mangelt es gerade an Silizium, dem für Halbleiter notwendige Rohstoff. Nicht weil es davon nicht genügend gäbe. Aber nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) stockt die Produktion im für die globale Produktion maßgeblichen China.

Produktion bei Audi, VW und Daimler gedrosselt

Ein Grund dafür soll sein, dass für bestimmte Schmelzanlagen Strom zur Produktion gefehlt habe. Weil es zu trocken war, fehlte es in einigen Regionen an Wasserkraft. Hinzu kämen zudem coronabedingte Produktionsausfälle. Zum anderen hatten Halbleiterhersteller ihre Produktion an anderen Kunden ausgerichtet, nachdem in den Autofabriken weltweit zu Beginn der Pandemie im ersten Lockdown die Bänder stillstanden. Inzwischen läuft das Geschäft wieder. Bloß fehlen jetzt Halbleiter.

Nur zum Beispiel: Bei Audi, VW und Daimler musste deshalb die Produktion wieder gedrosselt werden. Alle drei Hersteller haben haben deshalb Kurzarbeit angemeldet. Die Audi-Werke in Ingolstadt und Neckarsulm sind betroffen, VW-Standorte in Wolfsburg, Emden, Braunschweig und Kassel ebenfalls. Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) geht es aber um die weltweite Automobilindustrie. In einem Statement heißt es: „Global wird intensiv daran gearbeitet, die Versorgung mit Halbleitern – insbesondere auf der Ebene der Chip-Hersteller – sicherzustellen.“ Der VDA habe deshalb bereits Gespräche mit der Bundesregierung aufgenommen.

Bis wann das Problem gelöst wird, ist noch unklar. Während ein Audi-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage mitteilte, dass man aktuell davon ausgehe, an den deutschen Standorten im Februar das geplante Produktionsniveau „wieder weitestgehend erreichen zu können“, sagte ein VW-Sprecher: „Wir erwarten eine Entspannung ab dem 2. Quartal 2021.“

Auto-Experte Stefan Bratzel: Problem könne noch Monate dauern

Auto-Experte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, sagte unserer Redaktion: „Das ist ein größeres Problem“, das noch Monate dauern könne. Chip-Lieferanten könnten ihre Produktionsprozesse, die spezifisch an den Kunden ausgerichtet seien, auch nicht kurzfristig umstellen. Zudem habe die Chip-Nachfrage der Entertainment-Industrie in der Corona-Pandemie auch nicht nachgelassen.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) bestätigt, dass die Autohersteller im Frühjahr 2020 ihre Bestellungen bei den Chipproduzenten deutlich zurückgenommen hätten, in der Erwartung, dass der Automarkt stark nachlassen würde. Die frei gewordenen Kapazitäten seien danach von Unternehmen aus der Unterhaltungselektronik und Medizintechnik übernommen worden. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, rechnet damit, dass die Sache dauert: "Die Chipproduktion erfolgt global und stark arbeitsteilig. Ein Chip umkreist zweieinhalb mal die Erde, bevor er verbaut wird. Die Produktion lässt sich deshalb nicht auf Knopfdruck umstellen“. Es werde noch einige Monate dauern, bis die Belieferung der Automobilhersteller wieder vollends läuft.

Auto-Fachmann Stefan Bratzel empfiehlt den Herstellern, zu überlegen, wie sie künftig strategisch mit ihren Lieferanten umgehen. Diese seien eben nicht mehr so abhängig von den Bestellungen der Autokonzerne. (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren