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18.04.2017

Was Deutsche und Franzosen verbindet

Die beiden Nachbarländer sind wirtschaftlich eng verflochten. Deswegen hat die bevorstehende Präsidentschaftswahl auch für viele Firmen und Beschäftigte eine große Bedeutung

Europas Wirtschafts-Schwergewichte Deutschland und Frankreich sind eng miteinander verbunden. Nun geht die Sorge um, dass die Chefin der rechtspopulistischen und europafeindlichen Partei Front National, Marine Le Pen, die anstehende Präsidentschaftswahl gewinnen könnte. „Ich würde das fast schon als eine Katastrophe bezeichnen“, sagt Analyst Stefan Mütze von der Landesbank Helaba. Die Partei steht für EU-Austritt und Handelsschranken.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, warnte aber zugleich vor überzogenen Erwartungen an den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron. „Ein Sieg Macrons heißt nicht, dass dann alle Probleme gelöst sind“, sagte der Ökonom. „Die Vorstellung, dass Macron an die Macht kommt und es dann leichter möglich wird, die erheblichen Probleme anzugehen – das ist für mich überhaupt nicht sichergestellt.“ Macron habe kein klares Reformmandat, sagte Fuest.

Der erste Durchgang bei den Präsidentschaftswahlen findet am 23. April statt, die Stichwahl folgt am 7. Mai. Zuletzt lagen in Umfragen die Favoriten Macron und die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, gleichauf. Doch der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Mélenchon holte auf. Bei der ersten Wahlrunde am 23. April treten neun Männer und zwei Frauen an.

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Aus Sicht von Fuest muss sich zunächst zeigen, ob es Macron schafft, eine Mehrheit im Parlament zu bekommen. „Was Frankreich braucht, sind Reformen. Die Frage ist, ob die in dieser Konstellation auch umsetzbar sind.“ Auf alle Fälle steht bei der Wahl für Frankreich und Deutschland einiges auf dem Spiel. Ein Überblick:

Zusammen stehen Deutschland und Frankreich für mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union – auch dank des intensiven Handels miteinander. Dabei geht es um Autos, Luftfahrt, Chemie und – natürlich – Wein.

Für Deutschland war Frankreich im vergangenen Jahr nach den USA, aber vor Großbritannien, den Niederlanden, China, Italien und Österreich das wichtigste Exportland. Mit keinem anderen europäischen Staat treibt Deutschland demnach mehr Handel als mit Frankreich. Im vergangenen Jahr gingen nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes Güter „Made in Germany“ für 101,4 Milliarden Euro nach Frankreich. Französische Firmen führten Waren im Wert von 65,8 Milliarden Euro nach Deutschland aus. Für Frankreich sei das Nachbarland der wichtigste Handelspartner, sagt Helaba-Analyst Mütze. Für Bayern ist Frankreich wirtschaftlich nicht ganz so bedeutend wie für Deutschland insgesamt. Was den Freistaat betrifft, lagen zuletzt die USA vor China, Österreich, Großbritannien vorne. Frankreich nimmt aber schon Rang fünf ein.

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Frankreich liegt seit Jahren auf mehr oder weniger gleichbleibend hohem Niveau. Die wechselseitigen Investitionen sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes ebenfalls „auf hohem Niveau stabil“. Zahlen der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer zufolge investierten im vergangenen Jahr deutsche Unternehmen in knapp 200 Projekte in dem Nachbarland. Aus keinem anderen Land der Welt kamen demnach mehr Direktinvestitionen nach Frankreich.

Wenig überraschend hat Frankreich beim Wein die Nase deutlich vorn. Roter, Weißer und Rosé im Wert von 688 Millionen Euro wurden 2016 nach Deutschland importiert. Nach Frankreich dagegen ging deutscher Wein nur im Wert von 33 Millionen Euro. Bei wenigen anderen Gütern sind die Kräfteverhältnisse bei Im- und Export zwischen beiden Ländern derart klar verteilt wie beim Wein.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus gilt als das europäische Vorzeigeprojekt. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem Frankreich, Deutschland und Spanien beteiligt sind, beschäftigt etwa direkt 137000 Mitarbeiter, darunter direkt und indirekt insgesamt rund 15000 Beschäftigte an den Luftfahrtstandorten in Augsburg, Donauwörth und Manching. Auch in der europäischen Autoindustrie bahnt sich eine grenzüberschreitende Fusion an. Mit der Übernahme von Opel durch PSA (Peugeot, Citroën) soll einer der größten europäischen Autobauer entstehen. Es wäre, gemessen am Marktanteil, der zweitgrößte Hersteller hinter VW. Tausende deutsche Firmen haben Niederlassungen in Frankreich – umgekehrt gilt das genauso.

Angeführt wird die Liste der beliebtesten Handelsgüter zwischen beiden Euro-Schwergewichten von Fahrzeugen und Maschinen. Für mehr als 42 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen 2016 Autos, Fahrzeugteile, Schiffe, Flugzeuge, Pumpen und Turbinen in das Nachbarland exportiert. Die Franzosen führten nach Deutschland Fahrzeuge und Maschinen von aber nur rund 28 Milliarden Euro aus. Dieses Ungleichgewicht verärgert den Präsidentschaftskandidaten Macron. (dpa, AZ)

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