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Kommentar: "Mister Wasserstoff" Hubert Aiwanger muss realistisch bleiben

Kommentar

"Mister Wasserstoff" Hubert Aiwanger muss realistisch bleiben

Michael Kerler
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    Hubert Aiwanger fährt zwar im Wasserstoff-Auto, doch das Gas könnte anfangs zu knapp sein, um es gleichzeitig in Pkw, Lkw, Haushalten und Industrie einzusetzen.
    Hubert Aiwanger fährt zwar im Wasserstoff-Auto, doch das Gas könnte anfangs zu knapp sein, um es gleichzeitig in Pkw, Lkw, Haushalten und Industrie einzusetzen. Foto: Jonathan Mayer

    Es gibt ein Thema, bei dem Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geradezu ins Schwärmen gerät: Wasserstoff. Das Gas ist für ihn die Lösung für die Energiewende. Wird Wasserstoff mit erneuerbarer Energie erzeugt, kann er den Unternehmen helfen, klimaneutral zu produzieren. Wasserstoff soll Erdgas zum Heizen von Gebäuden ersetzen. Und wenn er von Termin zu Termin fährt, steigt der Minister bereits heute in ein Wasserstoff-Auto. "Mr. Wasserstoff" ist es auf alle Fälle zu verdanken, das relevante Thema wie wenige andere Politikerinnen und Politiker im Land nach vorn gebracht zu haben. Doch das Gas ist kein Zaubermittel. Die Politik muss sich hüten, Erwartungen zu wecken, die sich nicht einhalten lassen. Davor gibt es in der Geschichte der Energiewende viele Beispiele, sei es, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen Haushalt im Monat nicht mehr kostet als eine Kugel Eis (Jürgen Trittin), sei es, dass kleine Atomkraftwerke einer neuen Generation in Deutschland bald sichere Energie in Hülle und Fülle liefern könnten (AfD).

    Tatsächlich kommt bei Wasserstoff derzeit vieles in Bewegung. Der Technologie-Konzern Bosch will bis 2026 rund 2,5 Milliarden Euro in die Technologie investieren. Der Bund arbeitet an einer ambitionierteren nationalen Wasserstoffstrategie. Bayern macht es konkret und startet dieses Jahr ein Förderprogramm für Geräte zur Wasserstoff-Erzeugung. Und die Gasnetzbetreiber haben gerade den Entwurf für ein Wasserstoff-Netz vorgelegt.

    Zahlreiche Länder beteiligen sich am Wasserstoff-Wettlauf

    Es ist auch nicht so, dass Wasserstoff ein verqueres Hobby allein der deutschen Politik ist. International ist ein Zug in Bewegung geraten. Die USA haben eine eigene Wasserstoff-Strategie aufgelegt und fördern die Herstellung von klimafreundlichen "grünen" Wasserstoffs massiv. Länder wie Norwegen und Kanada zeigen Entschlossenheit, Wasserstoff zu produzieren und zu exportieren. Und die EU hat den Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen für Lkw entlang der Fernstraßen beschlossen. Einem Ingenieursland wie Deutschland steht es gut zu Gesicht, in neue Technologien einzusteigen, statt sie kleinzureden. Dieser Fehler ist mit dem Elektroauto passiert, bei dem China aktuell die deutschen Hersteller alt aussehen lässt. 

    Gerade angesichts der großen Hoffnungen muss die Politik in ihrer Kommunikation mit den Wählern umso mehr Wert darauf legen, welche Fortschritte realistisch sind. Bisher ist grüner, klimafreundlich erzeugter Wasserstoff tatsächlich ein Phantom. Es gibt ihn – abgesehen von Pilotprojekten – kaum. Auch das Wasserstoff-Transportnetz muss erst geschaffen werden. Das bisherige Tempo der Energiewende deutet darauf hin, dass der Aufbau einer Wasserstoff-Produktion und zugleich einer Transport-Infrastruktur nicht in kurzer Zeit machbar sein wird. Fachleute schätzen, dass grüner Wasserstoff erst ab 2030 in hinreichendem Maß zur Verfügung steht. 

    Der Fokus wird zuerst auf der Industrie und dem Lkw liegen, nicht dem Heizen und Autofahren

    Dazu kommt, dass in der Kette von der Wasserstoff-Herstellung über den Transport und die Speicherung Verluste entstehen. Statt Wasserstoff direkt zum Heizen zu verwenden, ist es Fachleuten zufolge vier- bis fünfmal effizienter, mit grünem Strom eine Wärmepumpe anzutreiben, die ja auch die Umgebungswärme zum Heizen nutzt. 

    Es spricht derzeit viel dafür, dass grüner Wasserstoff sich zuerst in der Industrie und im Schwerlastverkehr durchsetzen wird. Der Einsatz in Gasheizungen und Autos ist – von Nischen abgesehen – anfangs unwahrscheinlicher. Diese Ehrlichkeit muss sich die Debatte leisten.

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