Newsticker
Stiko will Empfehlung zum AstraZeneca-Impfstoff in Kürze ändern
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Erst ein Wheelie, dann ein Unfall und nun ein Fahrverbot

Prozess in Aichach

17.01.2019

Erst ein Wheelie, dann ein Unfall und nun ein Fahrverbot

Ein 22-Jähriger fährt in Affinger Ortsmitte auf dem Hinterrad. Dann kracht er in ein Auto. So entscheidet das Gericht. (Symbolfoto)
Bild: Alexander Kaya

Ein 22-jähriger Motorradfahrer fährt in der Affinger Ortsmitte auf dem Hinterrad. Dann kracht er in ein Auto. Nun stand er vor Gericht.

Wer mit dem Motorrad in der Affinger Ortsmitte einen Wheelie macht, der fällt auf. Das hat auch der junge Mann festgestellt, der es im April einmal ausprobiert hat. Eine 43-jährige Frau, die ihn dabei beobachtete, wie er auf dem Hinterrad seiner KTM-Geländemaschine mit straßentauglicher Bereifung und 690 Kubik durchs Dorf fuhr, kann sich jetzt im Aichacher Amtsgericht noch immer gut daran erinnern. „Der hat das nicht zum ersten Mal gemacht“, ist sie überzeugt. Auch der heute 22-Jährige weiß noch, wie es war: An diesem schönen Frühlingstag – der Blitzermarathon der Polizei lief gerade – hatte der Bauarbeiter eine Stunde früher Feierabend. „Aus einer Laune heraus“ habe er einen Wheelie mitten im Dorf gemacht und sei dann in nördliche Richtung weiter gefahren, erzählt er. Nur Sekunden später krachte es. Die Maschine knallte in einer Kurve an der Neuburger Straße in ein Auto. Der junge Mann wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Fast ein Jahr später sitzt er nun im Gerichtssaal in Aichach. „Ich bin auf dem Hinterrad gefahren“, räumt er ein. Bis zu der Kurve, an der er rechts abbiegen wollte, habe er noch 40 bis 50 Meter zum Bremsen gehabt. Er sei ordnungsgemäß in die Kurve gefahren, in der ihm der 45-jährige Mann in dem Auto mit Anhänger entgegenkam. Der Fahrer sei mit seinem Gespann zu weit auf die Gegenfahrbahn gekommen, ist der 22-Jährige überzeugt. Er selbst sei nicht Schuld an dem Unfall.

Motorradfahrer steht nach Unfall unter Schock

Die Polizei hatte jedoch nach dem Unfall einige Kerben im Straßenbelag gefunden. An diesen Stellen dürfte das Motorrad auf die Straße gefallen sein, wie ein Polizist im Gerichtssaal erklärt. Die Schlagmarken befanden sich auf der Straßenseite des Autofahrers, was dafür sprechen würde, dass der 22-Jährige auf die Gegenfahrbahn geraten war. Der Autofahrer sagt vor Gericht, dass er wahrscheinlich gerade in den Rückspiegel geschaut habe, um zu sehen, wie sich sein etwa drei Meter langer Anhänger in der Kurve verhält. Den Motorradfahrer habe er erst wahrgenommen, als der Lenker der Maschine die Fensterscheibe seiner Fahrertür zerschmetterte. Der Autofahrer war mit Scherben übersät. Er stand unter Schock. Der 22-Jährige kämpft bis heute mit den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs und einer Beckenfraktur. Er kann noch immer nicht arbeiten. Ob er im entscheidenden Moment auf zwei Rädern unterwegs war, kann auch die 43-jährige Zeugin im Gericht nicht sagen. Staatsanwältin Katharina Stoll und Verteidiger Patrick Plückthun beraten daraufhin kurz mit dem Richter hinter verschlossenen Türen weiter. Dann beschränkt der 22-Jährige seinen Einspruch darauf, dass ihm der Führerschein abgenommen wurde. Den bekommt er nun zurück.

Weil er nach Ansicht des Richters mit seinem Motorrad auf die Gegenfahrbahn geraten war, bleibt der Vorwurf der Gefährdung des Straßenverkehrs aber bestehen. Der 22-Jährige erhält ein dreimonatiges Fahrverbot und muss 2400 Euro Strafe zahlen. Richter Hell erklärt, es könne nicht festgestellt werden, ob der Wheelie ursächlich für den Unfall war: „Ich würde das aber grundsätzlich lassen, in einem Dorf auf dem Hinterrad zu fahren.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren