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Historie

01.03.2012

In den Hollenbacher Wäldern verstecken sich Franzosen

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Mit einer originalen Kanonenkugel aus den Franzosenkriegen erläuterte der Ulmer Historiker Thomas Schuler die Feuerkraft französischer Geschütze.

Vortrag über dritten Koalitionskrieg. Aichacher litten unter Besatzern. Stadt-Retter Gerhauser am Ende verarmt

Aichach Bis heute bewegt Napoleon die Menschen. Mit dieser Aussage stieg der Historiker Thomas Schuler aus Ulm bei einer Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Aichach und des Heimatvereins im Stadtmuseum in seinen Vortrag ein. „Es gibt sehr viele Bücher über ihn und der Grund ist: Es scheiden sich da die Geister“, betonte Schuler vor über 60 Besuchern, denen er die Kriegsereignisse von 1805 in Bayern nahebrachte. Schwerpunkte waren das Gefecht bei Motzenhofen und der Aichacher Zeitzeuge Alois Gerhauser.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Wolfgang Brandner, erinnerte in seinem Grußwort an den 2002 vom ZDF gedrehten Vierteiler „Napoleon“, bei dem die in Klingen aufgewachsene Mavie Hörbiger Napoleons zweite Ehefrau spielte.

Anschließend schilderte Thomas Schuler spannend und lebendig, wie der dritte Koalitionskrieg (1805 bis 1807) ausgetragen wurde. Ihn fochten Frankreich und seine deutschen Verbündeten, darunter Württemberg, Bayern und Baden, mit den Alliierten um Großbritannien, Russland, Österreich, Schweden und Neapel aus. Es begann mit der Rheinüberquerung der Grande Armee, die immer weiter auf Aichach vorrückte, um einen Keil zwischen die österreichischen Truppen und deren Verbündete zu treiben.

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Auch in diesem Krieg litt Bayern unter wechselnden Besatzern. Schuler zitierte aus der Niederschrift von Alois Gerhauser: „Gewehrgerassel und Pferdegetrappel waren während der Kriegsjahre ständiger Begleiter der Bevölkerung; einige Male erschall auch Kanonendonner.“

Nach dem zweiten Koalitionskrieg hatte sich Bayern von seinem Verbündeten Österreich getrennt, um sich neutral zu verhalten. Als 1805 wieder Krieg zwischen Österreich und Frankreich auszubrechen drohte, erkannte der bayerische Kurfürst, dass Neutralität nicht möglich ist. Darum unterzeichnete er am 28. September 1805 einen Allianzvertrag mit Frankreich. Die Österreicher reagierten prompt und setzten am 6. und 7. Oktober ein 14000 Mann starkes Truppenkontingent Richtung Aichach in Marsch. Diesmal traten die Österreicher als Feinde auf. Den Bürgern und Bauern wurden rund um Aichach viele Pferde weggenommen und man versuchte, die um Aichach in Lagern deponierten Lebensmittelreserven zu requirieren.

Die Franzosen, die bereits im April 1805 um Donauwörth starke Truppenteile zusammengezogen hatten, dürften den Plan der Österreicher gekannt haben. Am 8. Oktober mussten die Österreicher der feindlichen Übermacht weichen. Die Franzosen hatten sich in den Wäldern um Motzenhofen und Hollenbach versteckt. Mit ihrer Artillerie und Infanterie nahmen die Franzosen alle österreichischen Truppenteile unter Beschuss. Schleunigst zogen sie sich wieder Richtung München zurück.

Für die Aichacher wurde es nicht besser. Die Franzosen unterschieden sich, obwohl sie Verbündete waren, von den Österreichern kaum. Nur die Kontributionen (Zwangserhebung von Geldern) und Brandschatzungen blieben aus.

Marschall Davoust, sechs Stabsoffiziere und deren gesamte Dienerschaft waren bei Gerhauser einquartiert. Die „Gäste“ tafelten fürstlich. Allein für Wein musste Gerhauser täglich zwischen 80 bis 90 Gulden an die Weinwirte zahlen. Das bedeutete Lebensgefahr für ihn: „An die Mauerwände hingeworfen, gedrosselt und geprügelt ward jeder Quartiervater fast täglich und öfters.“

Drei Tage verweilte das Hauptheer im Raum Aichach, bis es nach München weiterzog. Napoleons Sieg bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 beendete zwar den Feldzug, die Durchmärsche dauerten aber noch bis in den Herbst 1806.

Der Referent sprach die Bedeutung der von Gerhauser gesammelten 1708 Einquartierzettel der napoleonischen Kriege an. „In keinem anderen Archiv habe ich so viele Quartierzettel gefunden.“ Das dürfte europaweit einmalig sein. Nach den Kriegen reichte er die Quartierzettel bei der Regierung des Oberdonaukreises ein. Ohne Erfolg. Der Retter der Stadt, der Aichach 1796 mit eigenem Vermögen vor der französischen Plünderung bewahrt hatte, war verarmt und musste seinen Besitz verkaufen.

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