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Ernährung

26.03.2020

Kartoffelbauern müssen flexibel sein

Im Frühjahr werden die Äcker von den Bauern sorgfältig vorbereitet für den Kartoffelanbau. Auf diesem Archivfoto verlaufen die einzelnen Bieflinge auf den Affinger Ortsteil Aulzhausen zu.

Verbraucher haben vor Kurzem noch den Agrarhandel, Landwirte und Hofläden im Wittelsbacher Land wegen der Erdäpfel überrannt. Nun sinkt die Nachfrage wieder etwas

Der Absatz bei Kartoffeln hat deutlich zugelegt. Das merkten die Kartoffelbauern vor allem in der vergangenen Woche. Nachdem im Raum stand, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder weitere Einschränkungen ankündigen würde, deckten sich die Verbraucher auch mit den Erdäpfeln ein. Nachdem teilweise Extraschichten nötig waren, um die Nachfrage zu decken, hat sich die Lage im Moment wieder normalisiert.

Hans-Jürgen Felber empfand den Auftragseingang in der vergangenen Woche „wie Ostern und Weihnachten zusammen“. Der Inhaber von Agrarhandel Felber in Unterbachern (Markt Inchenhofen) beliefert unter anderem die Norma-Zentrale in Dasing mit Kartoffeln. „Wir sind letzte Woche überrannt worden“, sagt er. Um alle Auslieferungen zu schaffen, hätten sie im Betrieb Nachtschichten eingelegt. Aushilfen, die eigentlich schon frei gehabt hatten, wurden noch einmal geholt.

Diese Woche dann das genaue Gegenteil. Schon Anfang der Woche seien alle Aufträge ausgeliefert, sagt Felber. Die Supermärkte sind scheinbar voll, vermutet er als Grund. Ob es so ruhig bleiben wird oder wieder Extraschichten nötig sein werden, kann er noch nicht absehen. Er weiß nur eines: „Man muss flexibel sein.“ Und er betont: „Engpass gibt es bei Kartoffeln keinen.“ Die Versorgung stehe.

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Das sagt auch Christoph Reiner vom Biohof Reiner in Petersdorf. „Es sind genügend Kartoffeln da.“ Sie würden reichen bis zur neuen Ernte. Er verkauft seine Kartoffeln unter anderem auf Wochenmärkten. Vor zwei Wochen war bei ihm der Absatz sprunghaft angestiegen. „Letzte Woche war es wieder etwas weniger.“ Diese Woche würde es sich wieder normalisieren, vermutet er. Zurzeit habe er ungefähr 50 Prozent mehr Absatz, erzählt Reiner. Wer sonst ein oder zwei Kilogramm gekauft habe, kaufe jetzt mehr ein. Er erklärt sich das damit, dass die Leute wegen der Corona-Krise daheim sind und mehr Zeit haben. „Dann wird mehr gekocht und es werden mehr Kartoffeln verwendet.“ Wenn es nach der Arbeit schnell gehen soll, würden die Verbraucher eher zu den Nudeln greifen.

Kartoffeln könne man gut lagern, sagt Reiner. „Es ist aber wichtig, dass man sie richtig lagert.“ Die Erdäpfel müssten kühl und ungewaschen aufgehoben werden. Ihm ist es ein Anliegen, dass die Kartoffeln, die gekauft werden, auch gegessen werden. Der Bio-Landwirt betont: „Auch ausgetriebene Kartoffeln kann man ohne Bedenken noch essen.“ Wenn man die Keime wegschneide und die Kartoffeln schäle, seien sie ganz normal verzehrfertig.

Von einer generell größeren Nachfrage berichtet Richard Schreier vom Schreierhof in Mainbach (Gemeinde Hollenbach). Neben Kartoffeln würden auch Eier, Wurstdosen oder Geräuchertes in seinem Hofladen mehr gekauft werden als noch vor zwei Wochen. Die Menge an Kartoffeln, die er in den vergangenen 14 Tagen verkauft habe, sei so viel, wie er sonst in eineinhalb Monaten brauche, sagt Schreier. „Die Leute kaufen auf Vorrat ein, das merkt man unheimlich.“

Beim Mehl habe er vergangene Woche sogar die dreifache Menge verkauft. Schreier sagt: „Ich habe gedacht, dass es bis nach Ostern reicht.“ Die letzten Tage war es wieder etwas ruhiger, aber die Nachfrage halte an, stellt Schreier fest. Er glaubt, dass die Leute Supermärkte wegen der Ansteckungsgefahr meiden und lieber in Hofläden einkaufen, wo nur einzelne Kunden sind. Die größere Nachfrage erklärt er sich auch damit, dass jetzt mehr gekocht wird, wo jeder daheim ist.

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