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Aichach

22.01.2021

So gefragt ist die neue Ambulanz für die Psyche in Aichach

Das neue Aichacher Krankenhaus (Gebäudekomplex links) soll für eine Tagesklinik aufgestockt werden; rechts im alten Krankenhaus gibt es seit einem Jahr die Psychiatrische Institutsambulanz.
Bild: Erich Echter (Archivfoto)

Plus Seit einem Jahr gibt es die Psychiatrische Institutsambulanz am alten Aichacher Krankenhaus. Sie musste längst erweitert werden.

Seit einem Jahr gibt es die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Aichach. Die Bezirkskliniken Schwaben ziehen nun eine positive Bilanz. Ärztlicher Leiter Dr. Andreas Gartenmaier spricht in einer Mitteilung von einer großen Nachfrage und gutem Feedback. "Alle äußern sich uns gegenüber, dass sie sehr froh seien, diese Versorgung zu haben," betont er.

Psychologin und Sozialpädagoge verstärken Ambulanz in Aichach

Die PIA nutzt Räume im Krankenhaus-Altbau gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Sie ist selbstständig, gehört organisatorisch jedoch zum Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg. Dort arbeitet auch Dr. Gartenmaier. Der Oberarzt hatte bei der Eröffnung vor einem Jahr prophezeit, dass die Ressourcen bald ausgeschöpft sein würden und man über eine Erweiterung nachdenken müsse. Es folgten Taten. Inzwischen ist die Einrichtung um drei weitere Räume gewachsen. Zu Ärzten, Verwaltung und Pflegekräften sind eine Psychologin und ein Sozialpädagoge gekommen. Damit umfasst das Team nun acht Mitarbeiter.

Rückblick auf die Eröffnung der Psychiatrischen Institutsambulanz vor einem Jahr in Aichach.
Bild: Gerlinde Drexler (Archivbild)

Die PIA ist zuständig für das Gebiet des Landkreises nördlich der Autobahn. Es werden Patienten ab 18 Jahren ambulant behandelt. „Wir bieten Hilfe im gesamten Spektrum der psychiatrischen Erkrankungen an, solange eine Suchterkrankung nicht im Vordergrund steht“, erklärt der ärztliche Leiter. Die Patientenzahlen sind kontinuierlich gestiegen– trotz oder wegen Corona. „Allein im vierten Quartal hatten wir in unserer PIA 170 Patienten", so Gartenmaier. Hinzu kamen 171 Konsile im Aichacher Krankenhaus, also eine patientenbezogene Beratung von Ärzten.

Hier finden psychisch-kranke Menschen in Aichach Hilfe

Hilfesuchende, die unter einer psychischen Erkrankung leiden, kommen per Überweisung von psychiatrischen Krankenhäusern, vom Nerven- oder Hausarzt. Patienten, deren Angehörige oder Betreuer können sich auch selbst an die PIA wenden, müssen jedoch zuvor einen Fragebogen ausfüllen. „Wir sind keine Beratungsstelle, keine Notaufnahme und kein niederschwelliges Behandlungsangebot“, betont Gartenmaier. Ist eine stationäre Aufnahme nötig, werde der Betreffende ins BKH Günzburg gebracht. Die Einrichtung versteht sich nicht als Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten, sondern als Ergänzung der Versorgung von akut und chronisch psychisch kranken Menschen. Vorrangige Ziele, so der Oberarzt, seien die Kontinuität in der Behandlung inklusive Medikation zu sichern, Krankenhausaufnahmen zu vermeiden, Aufenthaltszeiten zu verkürzen, Behandlungsabläufe zu optimieren und die soziale Integration zu stabilisieren.

Landrat Klaus Metzger spricht auf Anfrage unserer Redaktion bei der PIA vom "erwarteten Erfolg". Dafür habe der Landkreis lange gekämpft. Die Bürger profitierten "von dieser wertvollen Unterstützung".

Generell positiv fällt auch die Einschätzung des Vereins Kennen und Verstehen aus, der die Patientensicht vertritt und bei dem bislang nur positive Rückmeldungen eingegangen sind, wie Vorsitzender Fritz Schwarzbäcker auf Anfrage informiert. Er schränkt allerdings ein, dass eine umfassende Beurteilung wegen der Pandemie schwierig sei. Berichten gegenüber dem Verein zufolge, "wird in der Einrichtung sehr professionell und kompetent gearbeitet". Ob damit eine spürbare Entlastung eingetreten sei, lasse sich nach dem eingeschränkten Jahr aber nicht seriös beantworten. Laut Schwarzbäcker wünscht sich der Verein, dass mit der Ambulanz der gesamte Landkreis versorgt wird.

Der Landrat wartet schon auf die geplante Tagesklinik in Aichach

Jetzt konzentriert sich der Blick auf die geplante Tagesklinik Aichach. Laut Mitteilung des Bezirks wird im Hintergrund konkret daran gearbeitet, "auch wenn bis zu einer möglichen Realisierung noch einige Zeit vergehen wird". Wie Wolfram Firnhaber, Vorstand der Bezirkskliniken Schwaben, mitteilt, gibt es inzwischen ein Raum- und Funktionsprogramm. Es ist Grundlage für ein Gespräch mit dem zuständigen Ministerium. Danach könnten die weiteren Schritte besprochen werden.

Der Krankenhausplanungsausschuss hatte im November 2019 bekannt gegeben, dass es in Aichach eine Tagesklinik für Psychiatrie mit 24 Behandlungsplätzen geben soll. Die Einrichtung wird ebenfalls zu den Bezirkskliniken gehören und an das Krankenhaus angebunden sein. Das ist ganz im Sinne des Landrats. Metzger sieht die Tagesklinik in greifbarer Nähe. Dafür soll das neue Krankenhaus aufgestockt werden. Metzger nennt das "eine kluge Variante, weil bereits beim Ersatzneubau die Voraussetzung dafür mitgedacht wurde".

Aus der Sicht des Vereins Kennen und Verstehen ist eine Tagesklink "sehr dringend". Laut Fritz Schwarzbäcker wäre das eine "notwendige und sinnvolle und ebenso dringende Ergänzung", die die vorhandenen Angebote entlasten würde.

Kontakt: Die PIA hat von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung regulär geöffnet. Die Mitarbeitenden dort sind an allen vier Tagen jeweils bis 17 Uhr im Dienst. (AZ/jca)

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