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Aichach-Friedberg

22.12.2020

Weihnachten: So sind die Regeln in heimischen Pflegeheimen

Wegen der Corona-Pandemie müssen viele Bewohner von Seniorenheimen in Aichach-Friedberg Weihnachten allein verbringen.
Bild: Robert Michael/dap (Symbolbild)

Ein Weihnachtsfest mit der Familie ist für Bewohner von Seniorenheimen in Aichach-Friedberg in diesem Jahr kaum möglich. Was es für Besucher zu beachten gibt.

Für die 88-Jährige ist es die nächste Hiobsbotschaft in einer ohnehin schon schwierigen Zeit. Im vergangenen Jahr war ihr Ehemann gestorben. Dann folgte der Umzug ins Seniorenheim. Schließlich kam Corona und erschwerte den Kontakt zu den Angehörigen. Nun muss die Bewohnerin des Meringer Pflegeheims St. Agnes auch noch Weihnachten ohne ihre Familie verbringen. Der Heilige Abend hätte ihr Halt, neue Kraft geben sollen.

Die 88-Jährige freute sich auf einen besinnlichen Abend mit Tochter und Schwiegersohn in Gersthofen. Vor rund einer Woche verschärfte das Meringer Heim die Regeln und nun wird sie den Weihnachtsabend alleine in ihrem Zimmer verbringen.

Prinzipiell könnte die Frau am 24. Dezember das Heim verlassen, dann müsste sie aber anschließend sieben Tage isoliert in ihrem Zimmer verbringen. "Sie wäre lieber tot als isoliert. Schweren Herzens bleibt sie nun an Weihnachten im Heim", erzählt der Schwiegersohn, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dabei sei der Kontakt sehr wichtig für die ältere Frau.

Klaus Mayinger, Einrichtungsleiter des Seniorenzentrums St. Agnes, will bei den Bewohnern weihnachtliche Stimmung verbreiten.
Bild: Christine Hornischer

Weihnachten in Seniorenheimen: Regelungen unterschiedlich

Das Schicksal der 88-Jährigen teilen in diesem Jahr viele Bewohner von Seniorenheimen im Kreis Aichach-Friedberg. Die Regelungen können sich aber von Heim zu Heim unterscheiden, wie Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes Aichach-Friedberg, erklärt: "Es gibt die grundlegenden Regelungen für Weihnachten. Den Heimen machen wir aber keine Vorgaben. Jeder kann selbst bestimmen, wie streng die Auflagen sind." Prinzipiell wäre auch ein Besuch bei der Familie ohne anschließende Isolation möglich.

Einfach sei das nicht, Müller erklärt: "Es ist eine Gratwanderung. Wenn man sieht, wie viele Tote es schon in den Heimen in Aichach-Friedberg gab, dann ist Vorsicht oberstes Gebot", so Müller, der hinzufügt: "Natürlich ist das sehr traurig, wenn Menschen nicht gemeinsam Weihnachten feiern können, aber man muss auch Verständnis haben."

Klaus Mayinger, Einrichtungsleiter des Heims St. Agnes, kann den Ärger der Angehörigen nachvollziehen, dennoch hält er die strengen Regelungen für angebracht: "Wir müssen an alle unsere 89 Bewohner denken. Die Gefahr ist einfach zu groß. Wir wollen niemanden einsperren, aber wer das Haus verlässt, muss danach isoliert werden." Das Personal müsse sich unabhängig von Weihnachten zwei Mal wöchentlich auf Corona testen lassen.

Einen kleinen Trost gibt es aber für die Meringer Heimbewohner. Mayinger und seine Kollegen sorgen selbst für Weihnachtsstimmung. Auch Besuch ist gestattet. Zumindest für eine Stunde am Nachmittag des 24. Dezember. Voraussetzung ist ein negativer Schnelltest, den das Heim auch selbst anbietet.

Seniorenheime bemühen sich um Weihnachtsstimmung

Gar nicht zu ihren Familien dürfen an Weihnachten die Bewohner des Seniorenzentrums Pro Seniore in Friedberg. Für Pressesprecher Peter Müller ein notwendiger Schritt: "Das können wir einfach niemandem empfehlen. Die Gefahr ist zu groß und wir haben alle gesehen, was ein einziger positiver Test auslösen kann." Im Friedberger Heim gab es bereits vier Corona-Tote.

Die Bewohner sollen trotz der Umstände ein schönes Weihnachtsfest haben. Müller: "Das ganze Haus ist weihnachtlich geschmückt." Angehörige dürfen für eine Stunde am Nachmittag zu Besuch kommen.

Auch im Heilig-Geist-Spital in Aichach ist Besuch erlaubt - pro Bewohner eine Person pro Tag. Wie Heimleiter Hans Eberle sagt, brauchen Besucher einen negativen Corona-Test und eine FFP2-Maske. Die Besuche müssen außerdem mit der Stationsleitung abgesprochen werden, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig im Haus sind. Die Vorsicht hat einen traurigen Hintergrund. Das Pflegeheim ist von der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen hart getroffen worden: 14 Bewohner sind gestorben, die mit dem Virus infiziert waren.

Weil die Schnelltests über Weihnachten nicht älter als 72 Stunden sein dürfen, können sich Angehörige von Bewohnern an Heiligabend von 10 bis 12 Uhr im Spital testen lassen. Das Gleiche gilt an Silvester. Auch für den Test sollten sich Angehörige anmelden. Einige Bewohner würden auch von ihren Familien abgeholt, berichtet Eberle. Sie müssen bei ihrer Rückkehr einen Schnelltest machen.

Im Pfarrer-Knaus-Heim in Kühbach werden Bewohner normalerweise nur für ein paar Stunden aus dem Heim mitgenommen. In diesem Jahr hat Heimleiter Klaus Ponkratz an die Angehörigen appelliert, darauf zu verzichten. Auch hier brauchen Besucher einen negativen Test und eine FFP2-Maske. Schnelltests werden zu bestimmten Zeiten im Heim gemacht werden, auch Masken bekommen Angehörige vom Heim. Ponkratz sagt: "Wir schauen, dass wir so viel wie möglich ermöglichen." Vereinsamen würde niemand im Heim, sagt er. Die Pflegekräfte arbeiteten sehr beziehungsorientiert. "Das federt vieles ab." Dennoch sagt er: "Ich bin froh, dass die Impfung kommt und die Bewohner in absehbarer Zeit sicher sind."

Zu diesem Thema kommentiert Sebastian Richly: Weihnachtsregeln in Seniorenheimen: Traurig und ungerecht

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