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Aichach/Pöttmes

31.05.2019

Windkraft wird als „Hexe“ verteufelt

Drehen sich künftig Windräder im Hagenauer Forst an der Landkreisgrenze zwischen Pöttmes und Schrobenhausen? Die Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt glaubt daran, auch wenn es starke Gegnerschaft bei Bürgern zu Projekt für erneuerbare Energieerzeugung gibt.
Bild: Symbolfoto Marcus Merk

Peter Mießl von der Bürger-Energie-Genossenschaft der Region ist zuversichtlich, dass die Windräder im Hagenauer Forst in einigen Jahr in Betrieb gehen können

Der Wind bläst der BürgerEnergie-Genossenschaft (BEG) im Schrobenhausener Land steif ins Gesicht. Vorstand Peter Mießl zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass an der Landkreisgrenze zwischen Pöttmes und Schrobenhausen im Hagenauer Forst bis zum Jahr 2023 zwei bis vier Windkraftanlagen in Betrieb gehen können. Kritiker werfen ihm vor: „Ihr baut Monsteranlagen, ihr zerstört die Landschaft.“ Er setzt dennoch darauf, dass der Stadtrat von Schrobenhausen die Weichen mit einem Bebauungsplan stellt: „Ich hoffe, dass der Damm bricht. Die Windkraft tötet uns nicht, sie ist nicht schlecht.“ Mießl machte sich stark für Projekt in Bürgerhand, die Firma Uka aus Meißen (Sachsen), die wie berichtet im Osten von Aichach Windräder plant und bislang abblitzt, stufte er dagegen als „Raubritter“ ein.

Der Einsatz für den Klimaschutz und den dezentralen Ausbau der regenerativen Energien in Bürgerhand: Das sind die wichtigsten Aufgaben, die sich die Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt zum Ziel gesetzt hat. Zur siebten Gesellschaftversammlung in Reh’s Restaurant in Aichach kamen rund zehn Prozent der aktuell 323 Mitglieder. Nachdem die vorgesehenen Punkte auf der Tagesordnung erledigt waren, kam mit Herbert Barthel vom Bund Naturschutz in Bayern ein Fachmann zu Wort. Der 62-jährige Chemiker, der im Großraum Nürnberg zu Hause ist, fand gleich mal deutliche Worte: „Der Klimawandel produziert unzählige Klimaflüchtlinge.“ Dann ging er auf Voraussagen ein, die aus einer Konferenz 2015 in Paris stammen. Demnach haben wir mit einem Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts um vier bis fünf Grad zu rechnen, falls sich nichts ändert an unserem Verhalten. „Wir müssen uns beeilen, was zu tun“, lautete eine seiner Hauptforderungen. Man müsse gleichzeitig Energie einsparen und Windräder sowie Fotovoltaikanlagen ausbauen. „Die Marktwirtschaft kann Klimaschutz nicht, auch wenn sie es wollte. Wir müssen versuchen, die Hälfte der Energieverbräuche einzusparen.“

Barthel: "Wir glauben nicht an die Wasserkraft"

Barthel stellte klar: „Der Bund Naturschutz will Windenergie, wir glauben nicht an die Wasserkraft.“ Der Zubau bei den Fotovoltaikanlagen habe sich deutlich verringert. Noch dramatischer sei der Rückgang bei den Windrädern, seit die 10-H-Regelung in Kraft ist. Vor einigen Jahren wurden in Bayern pro Quartal bis zu 161 Anträge gestellt, mittlerweile kann es durchaus vorkommen, dass in einem Vierteljahr kein einziger Antrag formuliert wird. Kritiker stellen die Bedrohungen der Vögel durch Windräder heraus. Barthel bezog sich auf eine Statistik, derzufolge die Zahl der Rotmilane um 40 Prozent angestiegen sei, während in Deutschland 26000 Windräder gebaut wurden. Die Bundesregierung habe bislang ebenso wenig ein Klimaschutzgesetz verabschiedet wie die Bayerische Staatsregierung, kritisierte er.

Werner Widuckel, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, stammt aus Niedersachsen, er schilderte Erfahrungen, die er in seiner Heimat machte: „Die Deiche werden immer höher.“ Der Anstieg der Wasserpegel habe Aufwendungen von einem dreistelligen Millionenbetrag erforderlich. Außerdem meinte Widuckel: „Ich habe manchmal das Gefühl: Das Windrad ist die Hexe der Neuzeit.“

Süden des Landkreises zählt künftig auch zum Einzugsgebiet

Matthias Haile aus der Geschäftsführung sprach beim Blick auf den Mitgliederstand von „einem recht ordentlichen Zuwachs“. Die drei Fotovoltaikanlagen in Oberhausen, die direkt von den Bürgern vor Ort finanziert worden, hätten auf einen Schlag 50 Mitglieder gebracht. Das Genossenschaftskapital beläuft sich aktuell auf 330000 Euro, geplant waren zu diesem Zeitpunkt 400000 Euro. In Projekte flossen bislang 870000 Euro, wenn in diesem Jahr die beiden Fotovoltaikanlagen auf freier Fläche in Neuburg und Brunnen dazu kommen, steigt dieser Betrag um rund 1,4 Millionen Euro. Wegen der Anlaufkosten wird noch keine Dividende gezahlt. Die Mitarbeiter der Genossenschaft, so hieß es, leisten ihre Arbeitsstunden im Ehrenamt oder für „ein überschaubares Gehalt“. Künftig steht in der Satzung, dass auch der Süden des Landkreises Aichach-Friedberg zum Einzugsgebiet zählt.

Die Fotovoltaikanlage auf der Dreifachturnhalle in Schrobenhausen war das Startprojekt, inzwischen ist eine Reihe weiterer Anlagen dazu gekommen. Insgesamt habe man bisher knapp 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom durch Fotovoltaik erzeugt, die CO2-Einsparung wurde in der Versammlung mit 1100 Tonnen beziffert.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: Widerstand gegen Windräder im Hagenauer Forst

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