1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Zaun und Auto angefahren: 18-Jähriger landet nach wilder Flucht vor Gericht

Prozess in Aichach

20.11.2019

Zaun und Auto angefahren: 18-Jähriger landet nach wilder Flucht vor Gericht

Vor dem Aichacher Jugendgericht musste sich ein 18-Jähriger verantworten, der nach einem Unfall kopflos geflüchtet war.
Bild: Katja Röderer (Archiv)

Plus Der 18-Jährige demoliert beim Ausparken einen Zaun und ein Auto. Obendrein klemmt er seinen Freund ein. Dafür steht er vor dem Jugendgericht in Aichach.

Eine wilde Flucht hat ein 18-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis im März nach einem Unfall hingelegt. Den Crash hatte er zuvor mit seinem Auto bei Wertingen (Kreis Dillingen/Donau) verursacht. Danach flüchtete er mit seinem Auto quer über einen Acker und über Feldwege. Für die Aktion musste er sich am Dienstag vor dem Aichacher Jugendgericht verantworten.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Der 18-Jährige kracht erst in einen Zaun, dann in ein Auto

Der 18-Jährige war auf dem Parkplatz eines Tennisheims zunächst beim Rückwärtsfahren in den Metallzaun gekracht. Im zweiten Anlauf prallte er seitlich in ein Auto. Zu allem Überfluss klemmte er bei der Aktion das Knie seines 19-jährigen Freundes zwischen den beiden Fahrzeugen ein. Der hatte seinen Kumpel noch stoppen wollen. Bei dem chaotischen Rangieren auf dem Parkplatz verursachte der 18-Jährige einen Sachschaden von insgesamt gut 3000 Euro.

Seine kopflose Flucht begründet der 18-Jährige mit einem Schock

Auf der Anklagebank gab der junge Mann den Unfall zu. Er habe unter Schock gestanden. Es sei nicht sein Auto gewesen, mit dem er unterwegs war, begründete er seine kopflose Flucht gegen Mitternacht über den Acker.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Jugendrichterin vermutet Alkohol als Grund für die Flucht

Für Jugendrichterin Eva-Maria Grosse war die Flucht indes ein Indiz, dass der Angeklagte nicht mehr ganz nüchtern gewesen war. Belegen ließ sich das nicht, weil bei der Blutabnahme etwas schief gegangen ist. „Sie hatten Glück,“ sagte sie zu dem 18-Jährigen. Deswegen hielt sich das Mitleid der Richterin auch in Grenzen, als Verteidiger Peer Braml ausführte, dass der Auszubildende auf seinen Führerschein angewiesen sei. „Er mogelt sich mithilfe der Familie durch“, betonte der Anwalt. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall hatte sich sein Mandant bei der Polizei gemeldet. Mit Blick darauf und auf die Parkplatzsituation, wollte Braml tätige Reue geltend machen. Jugendrichterin Grosse ließ das nicht gelten. Das beziehe sich auf einen unbedeutenden Sachschaden, sagte sie und wies auf die Knieverletzung des 19-Jährigen hin.

Der Freund versuchte noch, den 18-Jährigen aufzuhalten

Der hatte versucht, den 18-Jährigen aufzuhalten, und geriet dabei mit seinem Bein zwischen die beiden Autos. Etwa drei Tage lang hatte er ein geschwollenes Knie und einen blauen Fleck. „Ich bin ihm nicht böse“, betonte der 19-Jährige, der keinen Strafantrag gestellt hatte und die Verletzung scheinbar auf die leichte Schulter nahm. Der Angeklagte war es selbst, der seinen Kumpel drängte, ins Krankenhaus zu gehen. Auch zur Polizei, wo sich der Angeklagte am Tag nach seiner Flucht meldete, waren die beiden Freunde gemeinsam gegangen.

Das alles rechnete Staatsanwältin Hannah Witzigmann dem 18-Jährigen an. Ins Gewicht fiel für sie aber, dass es um zwei Unfälle und eine Körperverletzung ging und er sich danach im wörtlichen Sinne vom Acker gemacht habe. Sie war der Meinung, „dass Alkohol eine Rolle gespielt hat, ist mehr als wahrscheinlich“ und plädierte für eine Geldauflage von 500 Euro und eine Sperre des Führerscheins von weiteren sechs Monaten. Den hatte der junge Mann bereits vor vier Monaten abgeben müssen, was ihn besonders hart traf.

Der 18-Jährige muss noch länger auf seinen Führerschein verzichten

Mit Blick auf das Ergebnis der Blutprobe, die keinen Alkohol angezeigt hatte, hielt es Verteidiger Braml für nicht gerechtfertigt, „durch die Hintertür eine Alkoholfahrt zu bestrafen“. Er beantragte, dem Angeklagten den Führerschein wieder auszuhändigen. Die Höhe der Geldstrafe überließ er dem Gericht.

Jugendrichterin Grosse schloss sich in der Argumentation der Staatsanwältin an. Sie verurteilte den 18-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht zu 500 Euro Geldauflage und vier Monaten Führerscheinsperre. Es sei schon ein spezieller Unfall, den der Angeklagte verursacht hatte, sagte sie. Der 18-Jährige habe vieles richtig gemacht, einiges aber eben auch nicht. „Sie müssen die Suppe auslöffeln, die Sie sich selber eingebrockt haben“, betonte die Richterin.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren