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Sportabzeichen

29.11.2017

Mit fast 80 ist er fit wie ein Turnschuh

Rudi Sattler ist auch mit 79 Jahren noch sportlich aktiv. Beim TSV Aichach machte er in diesem Jahr sein 50. Sportabzeichen in Gold. Jeden Montag bietet er beim Jedermannturnen eine Stunde Gymnastik an (siehe Bild). Seine Fitness half ihm nach einem Skiunfall, zurück ins normale Leben zu kommen.
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Rudi Sattler ist auch mit 79 Jahren noch sportlich aktiv. Beim TSV Aichach machte er in diesem Jahr sein 50. Sportabzeichen in Gold. Jeden Montag bietet er beim Jedermannturnen eine Stunde Gymnastik an (siehe Bild). Seine Fitness half ihm nach einem Skiunfall, zurück ins normale Leben zu kommen.
Bild: Sebastian Richly

Auch nach dem 50. Deutschen Sportabzeichen in Gold will sich Rudi Sattler nicht ausruhen. Wie der 79-Jährige nach einem schweren Skiunfall von seiner antrainierten Fitness profitierte.

Zum 49. Mal errang Rudi Sattler vor einem Jahr das Deutsche Sportabzeichen in Gold. Damit war klar, mit welcher Zielsetzung er das Sportjahr 2017 ansteuern würde. Die Nummer 50 und damit das goldene Jubiläum wollte er feiern. Im Januar sah es keineswegs danach aus, als sollte der Aichacher dieses Ziel tatsächlich erreichen. Da war für einige Zeit an sportliche Aktivitäten keineswegs zu denken.

„Mister Sportabzeichen“, wie ihn TSV-Vorsitzender Klaus Laske beim Ehrungsabend in der vergangenen Woche respektvoll bezeichnete (wir berichteten), war zusammen mit seiner Ehefrau Gerlinde zum Skifahren in die Berge gereist. Steinach am Brenner war das Ziel. Die letzte Abfahrt wurde ihm zum Verhängnis. Ganz am Ende wagte Sattler bereits einen kurzen Blick auf den Parkplatz nebenan, auf dem der Bus ankommen würde, mit dem die Heimfahrt vorgesehen war. Dabei blieb der vorgesehene Platz für Rudi Sattler allerdings leer. Der war auf einer Eisplatte ausgerutscht mit fatalen Folgen: Sein linker Oberschenkel war so schwer gesplittert, dass ein Hubschraubertransport in ein Krankenhaus erforderlich war. Nach einer Woche ging’s heim, drei Tage in der Aichacher Klinik folgten. Aber der Pensionär, der im nächsten Jahr 80 Jahre jung wird, sprühte schon wieder vor Ehrgeiz. Was ihm sichtlich guttat im Krankenbett: „Ein Arzt hat mir gesagt, wie sehr er erstaunt ist über meine Muskulatur.“

Noch ehe die Reha beendet war, saß der Rekonvaleszent schon wieder im Keller auf seinem Rad und trat in die Pedale – so als ob der schlimme Unfall längst vergessen wäre. Gattin Gerlinde nahm’s erstaunt zur Kenntnis. In all den Jahren wurden Sattlers Leistungen mit beachtlichen Resultaten belohnt, dazu gab’s lobende Worte, Urkunden und Anstecknadeln. Nun durfte der Patient erfreut feststellen, dass ihm die antrainierte Fitness auf dem Weg zurück in ein normales Leben wertvolle Dienste leistete. Heute sieht man Rudi Sattler beim Gehen noch an, dass es ihn vor Monaten bös erwischt hatte. Doch wichtiger ist die Aussage: „Ich bin schmerzfrei.“

Darum war es auch irgendwie selbstverständlich, dass Sattler bei der Vergabe der Sportabzeichen nicht nur mit reichlich Applaus bedacht im Mittelpunkt der Ehrungen stand, sondern dass er auch selber vielen Mitstreitern die Hand schütteln durfte in einem Kreis, der ihm seit Jahrzehnten zu einer Art zweiter Familie wurde. Der Stolz war durchaus in seiner Stimme zu vernehmen, als er darauf hinwies, wie sich die insgesamt 442 Sportabzeichen verteilten, die im laufenden Jahr unter dem Dach des TSV Aichach erzielt wurden.

Sportabzeichen: Rudi Sattler will weitermachen

„Ich bin mir sicher, dass bei dem Fünfer die Null nicht lange stehen bleibt“, meinte Klaus Laske bei der goldenen Ehrung. Es sieht in der Tat ganz danach aus, dass die Nummer 50 nicht Endstation sein wird. Sattler ist durchaus entschlossen, den Weg weiterzugehen – aber nicht auf Biegen und Brechen. Er könnte sich vorstellen, dass er sich im nächsten Jahr mit Silber oder Bronze begnügt. Da sind die Anforderungen nicht so hoch wie beim Ringen um Gold. Der Aichacher will die Überlegungen so verstanden wissen: Auf diese Weise sollen andere Leute sehen, dass beim Sportabzeichen nicht alles nur am Golde hängt, sondern dass auch die Stufen darunter durchaus erstrebenswert sind: „Vielleicht mache ich das bronzene, das ist genauso viel wert wie das goldene.“

Sattler gehört zu den Heimatvertriebenen, die nach dem Krieg in Bayern Fuß fassten. In Babenhausen bei Fellheim wuchs er auf, 1964 kam er nach Aichach: „In der ersten Woche bin ich schon zum TSV gestoßen.“ Seit 1980 leitet er die Abteilung der Jedermannturnen, für die er jeden Montag eine Stunde lang Gymnastik anbietet. Und wie fand er zum Sportabzeichen? Über Alois Heilgemeir, der damals Chef dieser Abteilung und der Sportabzeichenreferent war. Sattler: „Der hat mich eingeführt.“ Ans 50. Sportabzeichen dachte er damals noch nicht, solche Überlegungen wurden erst ein Thema, als er das 40. geschafft hatte. Aus tiefer Überzeugung rät der 79-Jährige jüngeren Jahrgängen dazu, es ihm gleichzutun: „Man hat einen gewissen Level. Ich weiß, wie fit ich bin. Ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Radfahren ist seine Spezialdisziplin. „Wenn ich ein paar Gramm zuviel drauf habe, gehe ich wieder in den Keller.“ Um in die Pedale zu treten. Das macht er auch regelmäßig im Freien auf der Strecke von Aichach nach Großhausen (Gemeinde Kühbach) und wieder zurück. So konnte Sattler, der früher Chef der Verwaltung in Aindling war, eine 20 Kilometer lange Strecke bei der Prüfung in diesem Jahr in 46 Minuten bewältigen. Und daneben bewies er auch beim Seilspringen, dass Sport jung und gesund erhält.

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