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Welden

23.05.2019

Die SPD zieht sich in Welden zurück

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Peter Bergmeir härt nach 30 Jahren auf.
Bild: Imkerverein Welden

Nach 30 Jahren hört Bürgermeister Peter Bergmeir auf. Und die Genossen haben weder einen Kandidaten für den Rathauschef noch für den Marktgemeinderat. 

Die SPD zieht sich in Welden zurück: Bei der kommenden Kommunalwahl wird sie keinen Kandidaten mehr für den Marktgemeinderat ins Rennen schicken. Das kommt einem politischen Beben gleich: Denn bei der Kommunalwahl im März 2014 hatte die SPD die meisten Stimmen in der Holzwinkel-Gemeinde erhalten.

Bürgermeister Peter Bergmeir bestätigte gestern, dass es keinen neuen SPD-Kandidaten für den Marktgemeinderat geben wird. Er wird nächstes Jahr ebenfalls aufhören – nach 30 Jahren für die SPD. Dass sich seine Partei zurückzieht, bedauert er. „Das tut schon weh“, sagte Bergmeir. Es sei schwierig geworden, neue Gesichter für die SPD und die Lokalpolitik zu begeistern.

„Das ist eine traurige Situation“

Härter ins Gericht mit der SPD geht Rechtsanwalt Michael Lenzen, der derzeit noch für die SPD im Gemeinderat sitzt. Er sagt: „Die SPD in Bayern und in Deutschland befindet sich einem desolaten Zustand. Das ist eine traurige Situation.“ Lenzen ist seit 1972 Genosse. Er sieht derzeit aber keine kommunalpolitische Perspektive für die SPD, die sich aus der Fläche zurückziehe. In Welden werden die Gemeinderäte Michael Abold und Juliane Scheiber-Franz aufhören.

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Lenzen, Waltraud Pfenning und Thomas Knöpfle wollen mit einer neuen, parteiunabhängigen Gruppierung antreten. Sie heißt „Wir“ und steht einerseits für Welden und Reutern. Die Gruppierung spiegelt andererseits die Auffassung wider, dass nur gemeinsam Ziele erreicht werden können. In einer Pressemitteilung heißt es: „Wir glauben, dass der bisherige Bürgermeister Peter Bergmeir in den letzten 30 Jahren gute Arbeit geleistet hat. Wir wollen dies mit einem neuen Bürgermeister fortführen, wobei durchaus neue Akzente gesetzt werden sollen.“

Neue Gruppe will parteiunabhängig sein

Eine ähnliche Entwicklung hat es bereits in Zusmarshausen gegeben: Dort hat sich vor kurzem eine Bürgerliste gegründet. Einige der neuen Mitglieder waren bislang in der Fraktion SPD/Aktives Bürgerforum Zusmarshausen aktiv. Die neue Gruppe will nun parteiunabhängig sein. Ob die SPD in der Marktgemeinde noch eine eigene Liste zusammenbringt, ist offen.

Das zumindest wäre der Wunsch von Fabian Wamser. Der 25-Jährige aus Schwabmünchen hat vor wenigen Wochen den länger verwaisten Vorsitz in der Kreis-SPD übernommen und gibt offen zu, dass ihn Entwicklungen wie in Zusmarshausen und Welden schmerzen: „Das tut natürlich weh.“ Zumal Wamser eigentlich auf die kommunale Verankerung seiner Partei im Augsburger Land bauen will, um sie vom bundes- und landesweiten Abwärtstrend ein wenig abzukoppeln.

Acht SPD-Bürgermeister im Augsburger Land

Noch stellen die Genossen in Bayerns drittgrößtem Landkreis acht Bürgermeister und haben in 28 Ortsvereinen fast 900 Mitglieder. Daraus müsse sich doch etwas machen lassen, findet Wamser. Überall, wo die SPD im Kreis bei den Kommunalwahlen mit einer Liste antrete, müsse sie auch einen Bürgermeisterkandidaten haben, fordert Wamser. Auch für einen Landratskandidaten macht er sich stark. Ein Thema wie die herrschende Wohnungsknappheit sei das ureigenste Feld der Sozialdemokratie.

Fabian Wamser, dessen Bruder Konstantin einer von drei Schwabmünchner SPD-Stadträten ist, trat mit 15 Jahren in Deutschlands älteste Partei ein. Motiv: „Das Soziale war mir wichtig.“ Außerdem habe ihn Politik schon immer interessiert. Wamser ist derzeit auch noch Kreisvorsitzender der Juso, das soll sich aber in Kürze ändern. Der 25-Jährige studiert Jura und arbeitet beim Roten Kreuz in Schwabmünchen als Rettungssanitäter. Mit Blick auf seine SPD sagt er scherzhaft: „Mit Wiederbelebung kenne ich mich also aus.“

Eine behutsame Weiterentwicklung der Gemeinde

Doch in Welden haben die Noch-SPD-Gemeinderäte eine Neugründung im Sinn. „Wir“ sei offen für alle Bürger. Zu den kommunalpolitischen Vorstellungen zähle eine behutsame Weiterentwicklung der Gemeinde, wobei die Besonderheiten der beiden Ortsteile und die Wünsche der Einwohner berücksichtigt werden müssen. Die Initiatoren halten die Neugestaltung der Ortsmitte Welden, einen vernünftigen Nahverkehr und die Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements – sei es in Vereinen oder anderen Gruppen – für besonders wichtig.

Eines liegt Michael Lenzen aus Reutern besonders am Herzen: „Welden und Reutern müssen sich auf Augenhöhe begegnen.“ Die neue Gruppierung fordert daher, dass neue Zweite oder Dritte Bürgermeister aus Reutern kommt. Ein kommunalpolitisches Programm liegt noch nicht vor. Es soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Derzeit hat die Liste schon 25 Mitglieder.

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