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Aystetten

09.04.2021

Die ältesten Aystetter sind jetzt gegen Corona geimpft

Franz Xaver Kraus ist einer von rund 5000 Menschen, die der pensionierte Chirurg Jürgen Czwink bereits gegen Corona geimpft hat.
Foto: Marcus Merk

Plus Ein Piks, der höchstens ein bisschen wehtut: In entspannter Atmosphäre bekommen in Aystetten 18 Senioren ihre Erstimpfung gegen Corona. So lief es ab.

Kurz und präzise erklärt der impfende Arzt Jürgen Czwink am Donnerstagmorgen in einem Pavillon im Aystetter Bürgersaal dem 91-jährigen Franz Xaver Kraus das bevorstehende Prozedere. Er weist ihn etwa darauf hin, dass es normal sei, wenn ihm in den nächsten Tagen der Arm ein wenig wehtue. Dann zieht er schon die Hülle von der Spritze mit dem Stoff von Biontech, warnt kurz "jetzt pikst's einmal", und schon sticht er mit der feinen Nadel in den Oberarm des Rentners. Wenige Sekunden später ist alles vorbei. "Es hat nur ein kleines bisschen wehgetan", sagt Kraus hinterher und lacht. "Ich freu mich jetzt, ich hab's ja so lange hinausgezogen." Der 91-Jährige wirkt topfit, als er sich mit seiner Frau Ingrid auf den Heimweg macht.

Ingrid Kraus ist erst 75, deshalb ist sie am Donnerstag in Aystetten noch nicht an der Reihe. Sie sei aber schon bei ihrer Hausärztin zur Impfung angemeldet, erklärt sie. Gemeinderat Thorsten Meynen sagt: "Wenn die Priorität zwei auch mit mobilen Teams geimpft werden darf, werden wir das auch wuppen in Aystetten." Der Freie Wähler übernimmt einen großen Teil der Organisation für die Aktion im Bürgersaal. Bürgermeister Peter Wendel habe das Thema im Gemeinderat angesprochen. "Da hab ich sofort gesagt, das ist was für mich." Meynen war 35 Jahre lang bei der Bundeswehr im Sanitätsdienst der Luftrettung.

Aystetten ist bereit für die Impfung der zweiten Prioritätsgruppe

Einigen der 18 über 80-Jährigen, die am Donnerstag die Erstimpfung mit dem Vakzin der deutschen Firma Biontech bekommen, hat er bei der Anmeldung geholfen. "Wir müssten jetzt dann ziemlich durch sein mit den 80-Jährigen in Aystetten", sagt Meynen. Ein Hinweis darauf, dass viele Bürger bereits im Impfzentrum oder beim Hausarzt ihre Spritze bekommen haben: Der Lokalpolitiker hat 160 Einladungen verschickt, nur 18 Senioren meldeten sich daraufhin für die Aktion vor Ort an.

Mitte Mai soll auch die Zweitimpfung wieder im Bürgersaal stattfinden. Denn viele Aystetter seien nicht mehr mobil genug, um ins Impfzentrum zu fahren, sagt Meynen. Am Donnerstag ruhen sich viele nach der Spritze in den Oberarm noch eine Weile in einem Sitzbereich im hinteren Teil des Saals aus. Dort helfen die Gemeinderätinnen Ulrike Steinbock und Ursula Reichenmiller-Thoma. Sie unterhalten sich mit den Geimpften und beantworten deren Fragen. Die Möglichkeit für ein Pläuschchen sei wichtig für eine Wohlfühlatmosphäre, sagt Meynen.

Das Impfteam bringt eine Menge Erfahrung mit nach Aystetten

Birgit Murawski bereitet die Spritzen vor. "Ich sorge dafür, dass auch immer genug Impfstoff da ist", sagt sie. Sei die Spritze einmal aufgezogen, müsse das Vakzin von Biontech innerhalb weniger Stunden zum Einsatz kommen. Die medizinische Fachangestellte ist eines von vier Mitgliedern des mobilen Teams der Firma Ecolog im Aystetter Bürgersaal. Die Teams seien täglich unterwegs im ganzen Landkreis, sagt Murawski: "Von Meitingen bis Schwabmünchen." Die medizinische Fachangestellte kennt jeden Handgriff, sie war schon bei über 50 Impfaktionen dabei.

So sehen die Spritzen aus, die Birgit Murawski vorbereitet.
Foto: Marcus Merk

Mit den Spritzen, die sie vorbereitet, impft Jürgen Czwink die Aystetter Senioren. Der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg hatte früher eine Praxis im Augsburger Stadtteil Pfersee. Mittlerweile ist er pensioniert. Aber seit Anfang des Jahres ist er wieder unterwegs – um in zahlreichen verschiedenen Städten und Dörfern Bürger gegen Corona zu impfen. Mittlerweile habe er so schon über 5000 Menschen immunisiert, schätzt der Mediziner.

Ingrid Woppmann hat schon eine kleine Odyssee hinter sich gebracht, als sie am Donnerstag endlich ihre Erstimpfung im Aystetter Bürgersaal bekommt. Sie sei im Zentrum in Gablingen im März wieder heimgeschickt worden, erklärt die Rentnerin. Der Grund: Im November war sie an Corona erkrankt. Im März sei das aber längst überstanden gewesen, sagt Woppmann. Alle Werte hätten gepasst. Nun kann die Aystetterin erleichtert sein. Tat die Spritze weh? "Nee", sagt sie und schüttelt den Kopf, "das war ein ganz feiner Piks."

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