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Landkreis Augsburg

29.10.2020

Experten aus dem Kreis Augsburg geben Tipps gegen das Corona-Tief

Um dem Corona-Blues entgegenzuwirken hat Psychologin Martina Lutz ein paar Tipps: "Ganz wichtig ist Bewegung an der frischen Luft und gesunde Ernährung."
Bild: Christoph Schmidt, dpa (Symbolbild)

Plus Die Corona-Krise spitzt sich weiter zu. Abstand und soziale Isolation sind die Folge. Was das mit uns macht und was Experten gegen den Corona-Blues empfehlen.

Im Sommer schien das Schreckgespenst Corona an Bedrohlichkeit zu verlieren. Doch der Sommer ist vorbei. Seit Wochen steigen die Zahlen der Infizierten im Landkreis Augsburg wieder. Es drohen immer neue, immer drastischere Maßnahmen. Vielen fehlt die Perspektive in der ohnehin trüben Jahreszeit. Das schlägt Einigen aufs Gemüt. Auch Denjenigen, die selbst nicht infiziert sind. Die zweite Corona-Welle kann auch zur psychischen Belastung werden.

"Viele Menschen sind einfach zu Tode erschöpft"

"Viele Menschen sind einfach zu Tode erschöpft", sagt Martina Lutz, Mitarbeiterin der psychologischen Beratungsstelle der Diözese Augsburg. Sie arbeitet auch an der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (ELF) in Gersthofen. Lutz berät in Krisensituationen telefonisch, aber auch bei Gesprächen vor Ort. Sie stellt fest: "Corona ist wie ein Brennglas." Zu schaffen mache die Krise vor allen denjenigen, die auch vor Corona schon einsam waren. "Oft suchen diese Menschen sozialen Kontakt in Vereinen, in Vhs-Kursen oder in der Gymnastikgruppe". Das alles falle nun weg und die soziale Isolation werde für diese Menschen zunehmend zur psychischen Belastung.

Kontakt zu anderen, das ist ein menschliches Grundbedürfnis, sagt Martina Lutz. Es sei wichtig, die Sorgen ernst zu nehmen und nicht mit Floskeln abzutun. Lutz: "Wer nur sagt: Das wird schon wieder, der ist keine Hilfe." Auch finanziell macht die Krise vielen zu schaffen. Lutz erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, deren beide Söhne durch Corona unverschuldet arbeitslos wurden. "Denen zu sagen, dass sie sicher bald wieder etwas finden, stimmt nicht", sagt Lutz. Dennoch sucht sie gemeinsam mit ihren Klienten nach Perspektiven und Lösungen.

Was hilft gegen den Corona-Blues während der zweiten Welle?

In diesem schweren Zeiten sei es besonders wichtig, sich auch auf positives zu besinnen. An den Partner zum Beispiel, der in der Krise zur Seite steht. Oder an schöne Erinnerungen wie Familienfeste oder Feiern. Um dem Corona-Blues entgegenzuwirken hat Lutz noch ein paar andere Tipps: "Ganz wichtig ist Bewegung an der frischen Luft und gesunde Ernährung". Viel Tageslicht erhelle die Stimmung und auch der Kontakt zu anderen muss während Ausgangsbeschränkungen nicht abbrechen. "Natürlich kann man über das Internet in Verbindung bleiben, aber auch Briefe oder eine Postkarte können eine Alternative zur Begegnung sein", rät Lutz.

Corona Pandemie. Psychologin Martina Lutz bietet in Augsburg und Gersthofen psychologische Beratung sowohl telefonisch als auch persönlich.
Bild: Michael Hochgemuth

Auch zu Andrea Baumann kommt, wer finanzielle Sorgen hat, ein Gespräch sucht, oder Hilfe bei Behördengängen braucht. Sie leitet die Familienstation in Neusäß. Auch Baumann stellt fest, dass die meisten Nöte ihrer Klienten sich durch Corona verstärken. Wegen Kurzarbeit reicht das Geld am Ende des Monats nicht mehr, weil Schulen schließen, fehlt es an Betreuung. "Ich habe das Gefühl, Corona ist wie ein Brennglas", sagt Baumann. Und: "Die Situation wird wieder bedrohlicher."

Viele Gruppenangebote können wegen der Hygieneregeln nicht stattfinden

Eines der großen Probleme zur Zeit: Viele Gruppenangebote können wegen der Hygieneregeln nicht wie gewohnt stattfinden, erklärt Baumann. Ein gemeinsames Frühstück zum Beispiel, beim dem sich Mütter aus sozialschwachen Familien austauschen können, gibt es nicht mehr. Das war auch schon beim ersten Lockdown im März so. Menschen, die vorher regelmäßig an Beratungen teilnahmen, verschwanden plötzlich. Die Familienstation in Neusäß versucht, in diesem Fällen telefonisch in Kontakt zu bleiben. "Das ist aber nicht dasselbe", sagt Baumann.

Weiterhin gibt es in der Einrichtung in Neusäß allerdings auch noch persönliche Einzelberatung - mit Maske und Abstand. Baumann: "Aber auch mit Maske fehlt die Mimik, das macht die Arbeit nicht leichter." Einen großen Vorteil sieht die Leiterin der Familienstation aber im Vergleich zum ersten Lockdown im März: "Wir haben viel dazu gelernt, es gibt Hygienekonzepte." Bei all den düsteren Aussichten, die Corona wohl auch in den kommenden Monaten mit sich bringen wird, dürfe man eines nicht vergessen, sagt auch Martina Lutz: "Die Menschheit hat schon ganz andere Krisen überstanden."

Familienstationen und psychologische Beratungsstellen bieten Unterstützung

Wer selbst Unterstützung oder Beratung in dieser schwierigen Zeit sucht, kann sich bei der Familienstation in Neusäß telefonisch unter 0821/65070955 melden. Die Beratungsstelle der Diözese Augsburg ist unter 0821/33333 oder per E-Mail an elf-augsburg@bistum-augsburg.de zu erreichen. Die Beratungsstelle der ELF hat Außenstellen in Gersthofen und auch in Schwabmünchen. Weiterhin finden dort auch vor Ort Gespräche statt.

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