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Landkreis Augsburg

23.06.2019

Innerhalb weniger Minuten heißt es "Land unter"

Der Wolkenbruch in Gessertshausen: Dort musste am Samstagabend ein Vorbereitungsspiel abgebrochen werden. Wer es schaffte, flüchtete sich unter eine Getränkeinsel. Der Rasen stand Minuten später unter Wasser.
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Der Wolkenbruch in Gessertshausen: Dort musste am Samstagabend ein Vorbereitungsspiel abgebrochen werden. Wer es schaffte, flüchtete sich unter eine Getränkeinsel. Der Rasen stand Minuten später unter Wasser.
Bild: Andreas Lode

Plus Eine Gewitterfront zieht über das Augsburger Land: Plötzlich stehen Straßen unter Wasser. Keller, Felder und Gärten werden überflutet und es gibt Aquaplaning.

Bedrohlich wirkte die dunkelblaue Wand, die sich am Samstagnachmittag immer weiter über den Landkreis schob: Die Gewitterfront entwickelte sich zum Unwetter, das viele Schäden hinterließ. Nach sintflutartigen Regenfällen und Hagel standen in kürzester Zeit zahlreiche Straßen und Felder unter Wasser. Keller und Tiefgaragen mussten ausgepumpt werden. In Gessertshausen wurde ein Fußballvorbereitungsspiel abgebrochen. „Solche Wassermassen in so kurzer Zeit habe ich noch nie erlebt“, sagte Franz Scherer vom gastgebenden SV Gessertshausen.

Das Testspiel dauerte nur zwei Minuten

Das Gewitter verwandelte den Fußballplatz, auf dem sich eigentlich der Regionalligist Memmingen und der Bayernligist Schwaben Augsburg messen wollten, in eine Seenlandschaft. Nach zwei Minuten wurde das Testspiel abgepfiffen. Die klatschnassen Spieler flüchteten sich in die Kabinen. Wer es schaffte, sprintete unter den Löschzwerg-Stand, der im Starkregen zur Rettungsinsel wurde. Viele der etwa 150 Gäste suchten im Vereinsheim ein trockenes Plätzchen. Dort mussten die über 30 Helfer blitzschnell ihr Verköstigungsprogramm umschmeißen – das Essen war eigentlich in der Pause und nach dem Fußballspiel geplant. „Eine Riesenleistung“, sagte Franz Scherer, der sich über den sportlichen Leckerbissen gefreut hätte. „Auf das Wetter hat aber leider niemand einen Einfluss“, sagte er.

Die Fieranten blieben gelassen

Auch nicht die Veranstalter des Johannimarkts im Kloster Holzen: Der Regen ließ den ersten Markttag im Wasser versinken. Die Besucherströme blieben bei der Eröffnung aus und viele Stände blieben geschlossen. Einige Johannimarkt-Fans ließen sich nicht abbringen und trotzten mit Regenschirm dem Wetter. Die Fieranten nahmen es gelassen: „Wir harren aus. Der Regen hat auch etwas Gutes, die Natur braucht ihn dringend“, sagten Spielwarenhändler Rudolf Daser und Josefine Löbinger, die Naturwaren verkaufte. Sich in der sprichwörtlich bayerischen Gelassenheit nicht üben konnten alle, die den Samstagabend mit Eimer und Putzlumpen verbringen mussten: Im Lechtal liefen Keller und Tiefgaragen voll, dazu gab es überflutete Straßen. Regenmengen von bis 90 Litern pro Quadratmeter sorgten besonders beim gemeindlichen Bauhof Thierhaupten und der Feuerwehr für Sonderschichten. Auch in Meitingen, Diedorf, Gessertshausen oder Ehgatten stand das Wasser. Bei Biberbach war ein Abschnitt der B2 überflutet. In Großaitingen im südlichen Landkreis lief der Penny-Supermarkt voll. Die Helfer der Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun. Auch die Polizei – im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, der die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries und die Stadt Augsburg umfasst, mussten die Beamten zu knapp 200 Einsätzen. 90 davon waren im Augsburger Land. Das Problem: Viele Autofahrer hatten ihre Geschwindigkeit nicht den Straßenverhältnissen angepasst. Auf der B2 bei Langweid verlor ein Autofahrer die Kontrolle über seinen Wagen, der mit der Mittelleitplanke kollidierte. Der Schaden: knapp 3800 Euro. Etwa zwei Stunden später – diesmal in Fahrtrichtung Norden – prallte ebenfalls auf Höhe Langweid ein anderer Autofahrer gegen die Mittelleitplanke. Der Schaden: 3750 Euro. Weitaus teurer wurde es im Neusässer Ortsteil Täfertingen.

Ein Autofahrer war in der Wankelstraße zu schnell unterwegs und schleuderte. Der Wagen stieß gegen ein geparktes Auto, das anschließend gegen einen Baum geschoben wurde. Beide Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Den Gesamtsachschaden schätzt die Polizei auf rund 17300 Euro. Auch auf der Autobahn kam es wegen Aquaplaning zu Behinderungen. Gegen 19 Uhr kam es zwischen Gersthofen und Dasing zu zwei Unfällen.

In Thierhaupten tropft es vom Kirchendach

Am Tag nach dem Unwetter hieß es aufräumen. Und zittern: Thomas Stöckl aus Thierhaupten, der nur 30 Meter von der Friedberger Ach entfernt wohnt, sagte: „Derzeit steigt das Grundwasser an und sorgt schon für einige Nassstellen im Keller.“ Nur wenige Meter entfernt seien einige Häuser nach den mehrstündigen Gewittern direkt im Wasser gestanden. Pfarrer Werner Ehnle, der beim Gottesdienst den Wettersegen spendete, kam nicht ungeschoren davon. In der Kirche drang durch undichte Stellen im Dach Wasser ein und sorgte für feuchte Überraschungen. In Neukirchen musste Ehnle gänzlich auf Strom verzichten, ebenso eine Auswirkung des Starkregens vom Vortag. (mit moma und bra)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: An Extremwetter müssen wir uns gewöhnen

Unwetterartig zog eine Gewitterfront über den Landkreis: Straßen wurden überschwemmt und Keller geflutet. Viele Feuerwehren befanden sich im Dauereinsatz. Auch die Polizei war gefordert: Durch Aquaplaning hatte es viele Unfälle gegeben.
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Gewitter über dem Augsburger Land
Bild: Andreas Lode, Claus Braun, Christian Kruppe, Monika Matzner
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