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Landkreis Augsburg

16.12.2020

Nicht genug Gratis-Masken: Böser Brief an Gesundheitsminister Spahn

Seit Dienstag gibt es für Risikogruppen gratis Schutzmasken gegen Corona. Hier ein Bild aus der Ägidius-Apotheke in Neusäß.
Bild: Marcus Merk

Plus Was sich am Dienstag vor und in Apotheken im Landkreis Augsburg abspielte, war vorhersehbar, sagt eine Apotheken-Mitarbeiterin aus dem Landkreis.

In der Ägidius-Apotheke Neusäß hatte man sich - so gut es ging - für den Ansturm gerüstet. Schon vor dem Geschäft sollten die Kunden an einem Biertisch eine Selbstauskunft ausfüllen, mit Schildern und Markierungen auf dem Boden wurde versucht, den Ansturm der Senioren am Dienstagvormittag zu kanalisieren. Denn seit Dienstag haben Risiko-Patienten und über 60-Jährige Anspruch auf drei Gratis-Masken, die einen guten Schutz vor Corona-Viren bieten sollen.

Dementsprechend war etwas los zum Beispiel in der Nibelungen-Apotheke in Neusäß. Leiter Christian Macionga lässt sich beim Anruf unserer Redaktion entschuldigen, aber eine seiner Mitarbeiterinnen gibt Auskunft. Ihren Namen will sie lieber nicht in der Zeitung lesen. "Wir werden ein bisschen überrannt“, sagt die Apothekerin. Ihre Vermutung ist, dass viele Menschen nicht verstanden haben, dass man die ersten drei Masken bis zum sechsten Januar bekommt. Die Nibelungen-Apotheke habe genügend vorrätig.

Infektionsrisiko in Warteschlangen vor Apotheken im Kreis Augsburg

Die Apotheken bekommen die Masken nicht automatisch geliefert. "Wir müssen ganz normal bestellen und bekommen dann eine Pauschale“, sagt die Mitarbeiterin. Geschäftsleiter Macionga ist es wichtig zu betonen, dass die Apotheken finanziell in Vorleistung gehen. Wie die Versorgungssituation in Zukunft aussieht, sollten alle Apotheken einen ähnlichen Ansturm erleben, kann die Mitarbeiterin noch nicht sagen. Sie weiß aber: "Dass die Menschen jetzt in langen Schlangen vor den Apotheken anstehen, ist auch im Hinblick auf das Infektionsrisiko nicht Sinn der Sache.“

20 Leute vor der Tür in Gersthofen

Auch bei der Elefanten-Apotheke in Gersthofen sieht die Situation ähnlich aus. Auf die Anfrage unserer Redaktion zu FFP2-Masken lacht eine Mitarbeiterin kurz auf. "Soll ich ihnen ein Foto von den Schlagen schicken“, fragt sie. Auch Bettina Buth von der Elefanten-Apotheke erklärt: "Bei uns stehen noch 20 Leute vor der Tür.“ Insgesamt 5000 Masken habe sie bisher gekauft, wie viele schon vergeben sind, könne sie nicht genau sagen. Dann muss sie sich auch schon wieder um ihre Kunden kümmern.

Genau geregelt war das Anstehen in der Neusässer Ägidius-Apotheke.
Bild: Marcus Merk

Szenen wie diese hatte Verena Schulz im Sinn, als sie vor einigen Tagen einen Brandbrief an Gesundheitsminister Jens Spahn schrieb. Die Frau, die in der Apotheke im Lechfeld in Untermeitingen arbeitet, lud den Minister dazu ein, mit den verängstigten und verunsicherten Kunden zu diskutieren - so wie es die meisten ihrer Kollegen am Dienstag beim Ansturm auf die kostenlosen Masken machen mussten. Innerhalb kurzer Zeit waren in vielen Apotheken die versprochenen drei Masken über die Theken gegangen. Hunderte Senioren und chronisch Kranke gingen allerdings mit leeren Händen wieder nach Hause.

Verena Schulz (Dritte von rechts) arbeitet in der neuen Apotheke im Ärztehaus Untermeitingen. Sie schrieb einen Brandbrief an Gesundheitsminister Spahn.
Bild: Daniel Weber

Zu ihnen gehörte Walter Schabert aus Königsbrunn. Der 67-jährige Risikopatient fragte um 10 Uhr in einer Königsbrunner Apotheke nach den drei Masken, die ihm nach der Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung zustehen. Doch statt der Maske gab es nur ein Kopfschütteln und die Information, dass vor Ende des Jahres wohl keine Masken mehr kommen. Schabert ist verärgert: "Die Idee war ja gut. Aber an der Umsetzung fehlt es." Auf diesen Nenner bringt es auch Klaus Kaczkowski. Der Königsbrunner bekam ebenfalls keine Masken. Er fragt: "Es ist schon erstaunlich, was man als Gesundheitsminister innerhalb von sechs Monaten Vorbereitungszeit alles nicht organisieren kann."

Gratismasken: Darum fehlen sie in manchen Apotheken

Eine Apothekerin der Lechtal-Apotheke in Langweid erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die kurzfristige Veröffentlichung des Beschlusses der Regierung, Masken auszugeben, kleine Apotheken in Schwierigkeiten bringe. "Wir sind nicht die einzigen, die schwitzen“, betont sie. Die Lechtal-Apotheke habe aktuell noch keine FFP2-Masken vorrätig, zu kurz war die Vorlaufzeit. Außerdem sei lange unklar gewesen, wie die Abrechnung funktionieren würde. Erst am Vortag habe der Verband dazu eine Info veröffentlichen können.

Das Team der Lechtal-Apotheke versucht jetzt, den vielen Anrufern und Kunden die Situation zu erklären, "ohne sie zu verärgern“. Mittlerweile sind 1300 FFP2-Masken bestellt "und wir wollen bis einschließlich April auch genügend Masken zur Verfügung stellen“.

Vorwurf an Spahn: Unnötiges Chaos verursacht

In diese Richtung gehen auch die Ausführungen der Nibelungen-Apotheke. Es wäre sinnvoll gewesen, die Logistik zu organisieren, bevor man mit der geplanten Ausgabe von Masken an die Öffentlichkeit geht, erklärt die Apothekerin. Der Grund sind in Neusäß allerdings nicht fehlende Masken, sondern die Problematik der chronisch kranken Patienten, die auch dann ein Recht auf die Versorgung mit Masken haben, wenn sie jünger sind als 60 Jahre. In der Nibelungen-Apotheke hat das Team mittlerweile Listen an den Kassen ausgehängt und orientiert sich dabei an den chronischen Erkrankungen, die auch im Gesetzestext genannt sind. Zum Teil fehle den Leuten das Wissen darüber, welche Erkrankung sie tatsächlich zum Erhalt der FFP2-Masken berechtigt.

Verena Schulz übrigens hat bislang keine Antwort aus Berlin bekommen. In ihrem Brandbrief wirft die 42-Jährige dem Gesundheitsminister vor: "Sie haben ein solches Chaos verbreitet, welches so nicht nötig gewesen wäre."

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16.12.2020

Es müssen natürlich auch am ersten Tag die Apotheken gestürmt werden; ein typisch deutsches Verhalten wenn es was kostenlos gibt.
Andererseits bin ich mir sicher, dass es viele Menschen bei uns gibt, die sich die Masken in mehreren Apotheken geholt haben.
Das Zusenden für alle über 60jährigen wäre sicherlich einfacher gewesen, aber ich denke, dass wir das logistisch in diesem Land nicht hinbekommen hätten. Man merkt auch hier wieder dass die Zettelwirtschaft in dem angeblich so fortschrittlichem Land noch immer nicht ausgedient hat.

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