Newsticker
10.000 Impfdosen stehen bereit: Bayern beginnt mit Impfungen für Polizisten
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Warum dieser Mann immer wieder an den Minister schreibt

Zusmarshausen-Streitheim

28.01.2019

Warum dieser Mann immer wieder an den Minister schreibt

Stefan Vogg macht sich für Telematik an der A8 stark.
Bild: Marcus Merk

Plus Stefan Vogg ist unermüdlich: Er macht sich für die Telematik an der A8 zwischen Augsburg und Ulm stark. Seine Schreiben an die Behörden in Berlin und München füllen mittlerweile ganze Aktenordner.

Die Postleitzahl kennt Stefan Vogg auswendig: 10115. Sie gehört zum Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in der Invalidenstraße 44 in Berlin. Unzählige Briefe hat Vogg schon an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geschrieben. Auch der neue Staatsminister Hans Reichhart erhält Post aus dem Augsburger Land. Zuletzt vor einer Woche.

Vogg ärgerte sich über das „typische Behördenschreiben“, das er als Antwort aus München bekommen hatte. Es ging um die Telematik an der A8, München hatte an Berlin verwiesen. Vogg, der die neue Technik gerne zwischen Augsburg und Ulm sehen würde, kritisierte: Er wolle nicht über Zuständigkeiten diskutieren, sondern über mögliche Lösungen. Die sind seiner Meinung nach dringender denn je nötig.

Es sind die Unfälle auf der Autobahn, die ihn bewegen

Die letzten Unfälle in jüngster Vergangenheit auf dem Streckenabschnitt der A8 zwischen Günzburg und Augsburg zeigten: „So kann es nicht weiter gehen. Eine Verbesserung muss zeitnah umgesetzt und herbeigeführt werden“, schreibt Vogg. Für mehr Sicherheit an der A8 und weniger Kohlendioxidausstoß und Lärm sei eine Kombination von allgemeinen Tempolimits, Überholverboten, einer Verlagerung von Schwerverkehr auf die Schiene und Kontrolle nötig. Vogg bittet Minister Reichhart eindringlich, „endlich etwas in seiner Heimatregion zu tun“ – getreu dem Motto: „Wo ein Wille da auch ein Weg.“

Aus dem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in München heißt es zum Thema Telematik auf Anfrage: „Wir werden weiter mit Nachdruck darauf dringen, dass über die Strecke München-Eschenried bis Neusäß hinaus auch die weiteren Planungen zwischen Neusäß und Ulm/Elchingen genehmigt werden.“ Für Vogg ein Signal, denn: „Ohne Planungen rührt sich hier in den nächsten zehn Jahren nichts.“

Er sucht nach Unfällen auf der Autobahn zwischen Neusäß und Ulm

Nach einer Analyse wurden die Kosten der so genannten Streckenbeeinflussungsanlage zwischen Neusäß und dem Autobahnkreuz Ulm/Elchingen dem Nutzen gegenübergestellt. Untersucht wurden insbesondere das Verhältnis der Kosteneinsparung durch vermiedene Unfälle und Staus und die Herstellungs- und Betriebskosten der so genannten Streckenbeeinflussungsanlage. Ausgewertet wurden dazu Daten zur Streckencharakteristik und zur Infrastruktur ebenso wie zum Verkehrs- und Unfallgeschehen.

Das Ergebnis: die Kosten sind höher als ihr Nutzen, weshalb das Bundesministerium bislang nur der Telematik für den Streckenbereich von Augsburg bis München zustimmt. So erklärt es jedenfalls das Bayerische Staatsministerium. Vogg will sich damit nicht abfinden – er bittet jetzt darum, einen Einblick ins ganze Zahlenwerk zu bekommen.

Der 51-Jährige lässt nicht locker. Das ist fast wie beim Fußball – Vogg spielte früher als Stürmer für die Spielvereinigung Auerbach-Streitheim. „Da gibst Du auch keinen Ball verloren. Da muss man auch beißen.“

Warum Stefan Vogg nicht locker lässt

Der Biss ist nicht die einzige Triebfeder, die bei Vogg schon viele Aktenordner mit Schriftverkehr füllt. Der 51-Jährige erklärt: „Ich habe gelernt, mich zu rühren, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.“ Das war beispielsweise der Fall, als es hieß, dass die neue Adelsrieder Umfahrung über Streitheimer Flur führen soll. Vogg: „Es gab auch andere Möglichkeiten für die Umfahrung, die Adelsried ja ohne Zweifel braucht.“ Die Umfahrung kommt wie befürchtet – die Streitheimer haben jetzt Angst, dass künftig noch mehr Laster durch ihren Ort rollen. Zum Beispiel um Staus auf der A8 zu umfahren oder Mautgebühren zu vermeiden. Laut Vogg sei es teilweise jetzt schon beängstigend, wenn eine Vielzahl von schwere Lastwagen, durch den bergigen und kleinen Ort rauschen. Zur Zeit ist zwar Ruhe eingekehrt, da die Strecke nach Welden gesperrt ist. Aber spätestens 2020 ist Schluss – dann soll die neue Umfahrung fertig gebaut sein. Während der Schwerverkehr im Ort ein Phänomen ist, bleibt ein ganz anderes Problem: der Lärm. Die Geräuschkulisse der A8 habe seit dem Ausbau der Verkehrsachse zugenommen, sagt Vogg. Viele Streitheimer teilen seine Meinung. Auch aus anderen Gemeinden hört Vogg mittlerweile Klagen, dass es je nach Windrichtung und Verkehrslage lauter geworden ist. Vogg will sich damit nicht abfinden. Er will am Ball bleiben, er will weiter beißen. Er sagt: „Wenn ich etwas verändern will, dann muss ich auch etwas dafür tun.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren