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Landkreis Augsburg

17.01.2019

Warum es so schwer ist, einen Radweg zu bauen

Wer mit dem Fahrrad von Biburg nach Rommelsried gelangen will, muss derzeit auf der Straße fahren. Die Pläne für den Bau straßenbegleitender Radwege scheitern oft an Grundstücksfragen. 
Bild: Marcus Merk

Plus Ein tödlicher Radunfall in den Stauden sorgt für große Betroffenheit. Mittlerweile sind neun Jahre vergangen, der Radweg fehlt immer noch. Ob er jemals kommt?

Als der tödliche Unfall geschah, war es mitten im Sommer und lange hell. Eine 64-jährige Frau aus Margertshausen war mit ihrem Fahrrad von Gessertshausen aus in Richtung des Ortsteils entlang der Staatsstraße mit ihrem Rad unterwegs, als sie ein Bus streifte. Sie stürzte in den Straßengraben und wurde im hohen Maisfeld erst Stunden später gefunden. Da war sie schon tot.

Das war im Sommer 2012. Groß war damals die Betroffenheit nicht nur in dem Ort selbst, sondern auch in der Kommunalpolitik. Denn dass an dieser Stelle ein Radweg fehlte als direkte Verbindung zwischen den beiden Ortschaften, das war schon lange klar. Nun sollte endlich Bewegung in den Ausbau kommen. Der damalige Leiter des Staatlichen Bauamts, Michael Kordon, zeigte sich zuversichtlich, bereits ein Jahr später mit dem Bau des Radwegs beginnen zu können. Denn bereits Mitte 2012 seien die Planungen weit vorangeschritten, sagte er damals.

Maßnahmen dauern zwischen sechs und zehn Jahren

Winter 2019: Es gibt immer noch keinen Radweg entlang der Staatsstraße. „Solche Maßnahmen ziehen sich zwischen sechs und zehn Jahren“, gibt der Gessertshauser Bürgermeister Jürgen Mögele zu bedenken. Was damals wie heute der Knackpunkt ist: Solch ein Radweg kann an sich leicht in drei bis vier Monaten erstellt werden. Doch nur, wenn auch der nötige Baugrund zur Verfügung steht. Und das tut er zwischen Gessertshausen und Margertshausen nicht. „Beim Grunderwerb geht nichts vorwärts. Es gibt immer jemanden, der nicht will“, sagt Stefan Heiß vom Staatlichen Bauamt, der für den Straßenbau im westlichen Landkreis und die Grundstücksverhandlungen zuständig ist. Ob der Radweg überhaupt einmal funktionieren wird, das lasse sich nicht sagen.

Eine Ausgangslage, die auch der Bauausschuss des Landkreises Augsburg kennt. Mehr als zehn kombinierte Geh- und Radwegprojekte hat sich der Landkreis für die nächsten Jahre vorgenommen. Es geht um die Strecke zwischen Oberschönenfeld und Gessertshausen, um den Abschnitt Mickhausen nach Langenneufnach oder Rommelsried nach Biburg. Hinter fast jedem Vorhaben steht in der Haushaltsliste die Bemerkung: „Verschoben – Grunderwerb“. „Kann man denn da gar nichts tun?“, hat Kreisrat Hannes Grönninger (Grüne) nun im Bauausschuss gefragt. „Wir machen ja ständig etwas“, so der zuständige Fachbereichsleiter für den Tiefbau im Landkreis, Jürgen Lutz. Doch getan werden kann zunächst nur eines: die Gemeinden bei den Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern zu unterstützen. „Generell haben wir ein gut ausgebautes Netz an Radwegen“, sagt die Sprecherin des Landratsamts, Simone Graßler. 134 Kilometer Radwege gibt es. Doch im Netz klaffen noch einige Lücken, teils an landschaftlich schwierigen Stellen.

Eigentümer können nicht enteignet werden

So wie entlang der Kreisstraße von Biburg nach Rommelsried und im weiteren Verlauf der Straße zwischen Agawang und Häder. Auch an diesem Abschnitt schienen Eigentümer, die ihre Grundstücke nicht für einen Radweg verkaufen oder tauschen wollen, den Plan zunichtezumachen. Denn: Für einen Radweg könne, anders als für eine Straße, der Eigentümer nicht enteignet werden, so die Sprecherin des Landratsamts. Ganze sieben Kilometer Radweg konnten durch den Landkreis in den vergangenen fünf Jahren nur gebaut werden, etwa zwischen Welden und Lauterbrunn. Als der Grunderwerb zwischen Agawang und Häder nicht klappte, fand sich aber eine andere Lösung: Nun wird in diesem Jahr ein Wirtschaftsweg nicht entlang der Straße, sondern übers Feld ausgebaut.

Was aber nicht dasselbe sei wie ein straßenbegleitender Radweg, findet Stefan Heiß. Vor allem die immer mehr werdenden Radpendler zum Arbeitsplatz fahren lieber entlang der Straße. Ausgebaute Wirtschaftswege seien eher etwas für Freizeitradler, zumal sie nicht immer asphaltiert seien, so die Erfahrung im Staatlichen Bauamt.

Ein größerer Eingriff in die Natur

So könnte aber auch eine Lösung für den Fall aussehen, dass die Grundstücksverhandlungen im Fall des Abschnitts RommelsriedBiburg nicht erfolgreich sind. Eine Strecke durch den Staatsforst kann sich Landrat Martin Sailer vorstellen. „Allerdings bedeutet das auch einen größeren Eingriff in die Natur“, gibt er zu bedenken. So weit werde es aber wohl nicht kommen. Der Diedorfer Bürgermeister Peter Högg, der die Grundstücksverhandlungen für seine Gemeinde führt, ist zuversichtlich, noch zu einem guten Ergebnis kommen zu können. Sailers Rat aus dem Landratsamt: „Ich würde das zügig zu Ende verhandeln.“





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